Demonic Toys

Die Polizistin Judith Gray verfolgt nachts zwei Gangster in ein Spielzeuglager und trifft dort auf einen Dämon, der nach 66 Jahren Gefangenschaft unter der Erde wieder zu Fleisch werden will. Zusammen mit einem Lieferjungen vom Hähnchengrill und einem Nachtwächter muss sich Judith gegen Zombies, Dämonen und tödliches Spielzeug zur Wehr setzen, die alle von dem Dämon zu grauenhaftem Leben erweckt wurden. Schließlich zeigt er sich persönlich und hat nur ein Ziel: Er will seinen Samen in Judiths Körper pflanzen, damit er neu geboren wird und wieder auf Erden wandeln kann. (Wicked-Vision Media)

Ursprünglich als Dangerous Toys geplant, stellt Demonic Toys wahrscheinlich den bekanntesten der Full Moon Puppenfilme dar, zu denen auch Blood Dolls, Doll Graveyard, Deadly Chucky Dolls – Puppen des Todes, DevilDolls und natürlich Dollman gehören. Vermutlich könnte man auch noch die Puppet Master Serie in die Liste aufnehmen. Demonic Toys ist einer dieser (wenigen) Full Moon flics, an die man sich tatsächlich erinnert, weil er wirklich ziemlich gut ist. Zugegeben, der Film wurde mit winzigstem Budget hergestellt, weswegen die Charaktere niemals das Lagerhaus verlassen, doch behindert der Mangel an Geld den Film nicht so sehr wie bei Dollman (zumindest zeitweise), wo man sich wirklich fragt, wie die verantwortlichen Filmemacher nur glauben konnten, sie könnten ihr Vorhaben mit dem Geld und den vorhandenen Ressourcen auch nur ansatzweise vernünftig umsetzen!? Die Kreaturen sind recht cool gestaltet worden, die Handlung ist halbwegs anständig geraten mit wenigstens ein paar guten Ideen, und – was bei Dollman auch vorhanden ist – ein gewisser Sinn für selbstironischen Humor, ohne jedoch das gesamte Unternehmen dadurch zu verhohnepiepeln. Man könnte sogar behaupten, dass dies insgesamt eine ziemlich geschickte Vorgehensweise ist, um billige Horrorfilme umzusetzen.

Als ein weiterer Film in Charles Bands langjährigem Stammbaum von Filmen mit Mördern in Puppengröße, hat Demonic Toys so einiges an Erwartungen zu erfüllen. Da so viele seiner Filme diese Mini-Aggressoren gemeinsam haben, besteht die Möglichkeit sie leicht miteinander zu verwechseln. Demonic Toys hebt sich jedoch dank scharfkantiger Dialoge, einer Menge von graphisch dargestelltem Gore und lustigen Spezialeffekten recht deutlich von der Masse ab. Jahre bevor er Dark City schrieb und Christopher Nolan beim Schreiben seiner Batman-Filme half, war David S. Goyer ein aufstrebender Drehbuchautor gewesen, der einige Skripte für Full Moon verfasste. Goyers Drehbuch gestaltet sich hier merklich lebhafter, als die der durchschnittlichen Beiträge des Unternehmens, während sich der Dialog auch angenehmer hören lässt. Man kann ihn zwar nicht gerade als hohe Kunst einordnen oder als besonders gut bezeichnen, doch für einen Full Moon Film gestalten sich die Dialoge wirklich ausdrucksvoll und machen tatsächlich Spaß. Davon abgesehen gelingt es dem Streifen allerdings auch nicht einen gewissen Anteil von billigen klischeehaften Aussprüchen wie „Nein! Oh Gott! Ihr Bastarde! Gott verdamme dich!“ zu vermeiden.

Die Geschichte gliedert sich in zwei übliche Horrorkategorien: die alt bekannte „Menschen sitzen an einem Ort fest“ und die weniger verbreitete (aber immer noch beliebte) „besessener Fötus, der als Dämon geboren wird“. Ganz zu schweigen von dem obligatorischen Mini-Aggressoren-Subgenre, das Full Moon berühmt gemacht hat. Die Kombination der Subgenres ist eine originelle Idee, und auch die Auswahl des Spielortes – Ein Spielzeuglager – hat man noch nie in einem Horrorfilm gesehen. Wahrscheinlich wurde im firmeneigenen Full Moon Lager gedreht, um Kosten zu senken, doch zu beweisen ist dies leider nicht. Was allerdings klar auf der Hand liegt ist, dass wirklich keine Kosten für die Spezialeffekte gespart wurden. Die Spielzeuge wurden in verschiedenen Stilen hergestellt, von Handpuppen (Jack Attack, der Jack-in-the-Box) über komplexe animatronische Köpfe wie bei Baby Oopsie Daisy bis hin zu Mr. Static, dem Roboter, der in seiner Erscheinung nichts Besonderes darstellt, dessen optische Laserstrahlen aber ziemlich fantastisch rüberkommen. Es gibt auch eine Menge toller Stop-Motion Effekte von Dave Allen und seinem Team zu bestaunen. Der Spielzeugsoldat und die Alphabet Klötzchen, die den Protagonisten das Wort Death buchstabieren, sind ein gutes Beispiel für die erstklassige Stop-Motion-Arbeit, die hier geleistet wurde. Der Film bewegt sich zügig durch die ersten fünfundvierzig Minuten, zieht sich ein bisschen im Mittelteil, doch die letzten zwanzig Minuten bestehen dann aus Non-Stop-Gemetzel, das verdammt Spaß macht. Wenn man schon immer mal Spielzeugen mit einer Schrotflinte ins Gesicht schießen wollte, dann handelt es sich hier genau um den richtigen Film. Die Spielzeugpuppen erheben sich massiv, um zwei der gefangenen Menschen zu besiegen, die wiederum revanchieren sich mit einem Sperrfeuer aus 9mm Kugeln und Schrotschüssen. Dies alles gestaltet sich recht lächerlich aber gleichzeitig auch ziemlich befriedigend. Den Höhepunkt dabei bildet der Moment, in dem Baby Oopsie Daisy mit der Schrotflinte direkt in sein böses Gesicht geschossen wird und sein Kopf in strahlend weißem Nebel explodiert.

Manoogian sorgt in wenigen Augenblicken für visuelles Flair, durfte aber offensichtlich die meiste Zeit über nur mit konventionellen Einstellungen arbeiten. Das Produktionsdesign besteht aus kaum mehr als Schachteln von Arcadia Toys, wobei es noch einige andere Puppen zu sehen gibt, die auch alle ziemlich gut aussehen, was zeigt, dass dafür sicherlich einiges an Aufwand betrieben wurde. Komponist Richard Band steuert eine gewohnt solide Arbeit mit eindringlichem Hauptthema bei, das einem auch noch ein paar Tage später in den Ohren klingt. Tracy Scoggins gibt alles in ihrer Rolle und Robert Mitchums Enkel Bentley Mitchum beweist eine nette komödiantische-Note. Im Gegensatz zu den beiden neigen die meisten anderen Darsteller dazu, zu überagieren, was stark amüsiert, den Film allerdings nicht ruiniert. Schließlich handelt es sich hier um ein gutes Stück B-Film Schlock.

Die vorgestellten Spielzeuge (von John Carl Buechler entworfen) selbst sind nicht annähernd so reizvoll wie die Puppet Master Charaktere gestaltet worden, doch das scheint beabsichtigt zu sein, da das Publikum gegen die Puppen sein soll. Baby Oopsie Daisy, mit seinem unlustigen, klischeehaften Schandmaul (“Will you be my friend? I can walk, I can talk and I can even shit my pants, can you shit your pants?“), ist mit Leichtigkeit als die Schlimmste von allen zu bezeichnen. Obwohl Demonic Toys zuerst herausgekommen ist, kann man Oopsie Daisy am ehesten mit dem Bullshit-Truthahn aus ThanksKilling (2009) vergleichen, der sich ähnlich unflätig auszudrücken weiß. Jack Attack, der sich gerne in die Gesichter seiner Opfer nagt, sowie Grizzly Teddy bringen ziemlich viel Spaß. Mr. Static hat eigentlich nicht viel zu tun, aber seine Laserstrahlen sorgen für zusätzliches Vergnügen. Insgesamt steckte Full Moon eine Menge verschiedener Ideen in diesen Streifen, die überraschenderweise gut zusammen funktionieren. Peter Manoogian führt die Kamera mit ruhiger Hand und fängt das Gefühl, in einem alten, randvoll gefüllten Spielzeuglager gefangen zu sein, wunderbar ein. Demonic Toys ist trashig und vollkommen übertrieben, repräsentiert allerdings eine riesige Gaudi, sollte man auf diese Art von Filmen abfahren.

Wicked-Vision Media veröffentlicht Demonic Toys als Nummer 04 ihrer Full Moon Classic Selection in einer Scanavo Box auf BluRay. Bild (1,78:1/1080p) und Ton (deutsch + englisch DTS-HD Master Audio 2.0) bewegen sich auf hohem Niveau, da gibt‘s nichts zu meckern. Deutsche oder englische Untertitel können zugeschaltet werden. Extras: Wendecover mit Original-Artwork; Interview mit Charles Band; Videozone; deutscher Trailer; Originaltrailer; Bildergalerie sowie ein informativer und unterhaltsamer Audiokommentar mit Marco Erdmann. Insgesamt handelt es sich bei Demonic Toys um eine äußerst gelungene Edition, die in keinem Regal von B-Film-Liebhabern und Full Moon-Freunden fehlen sollte.

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Darsteller: Tracy Scoggins, Bentley Mitchum, Daniel Cerny, Michael Russo, Jeff Weston
Regisseur(e): Peter Manoogian
Untertitel: Deutsch, Englisch
Region: Alle Regionen
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
FSK: Nicht geprüft
Studio: Wicked-Vision Media
Produktionsjahr: 1992
Spieldauer: 86 Minuten

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Diese Edition wurde uns freundlicherweise von Wicked-Vision Media zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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