Der Dämon und die Jungfrau / La frusta e il corpo

Nach Jahren kehrt Kurt Menliff auf das Schloss seiner Familie zurück. Seine Ankunft wird von seiner Verwandtschaft nicht gerne gesehen, denn wegen ihm hat sich ein Mädchen vor Jahren mit dem Dolch das Leben genommen. Auch die schöne Nevenka, die zuvor mit Kurt eine Affäre hatte, beobachtet seine Rückkehr mit Argwohn. Doch Nevenka verfällt ihm erneut. Eines Tages wird Kurt jedoch tot aufgefunden. Auch er wurde mit einem Dolch erstochen. Die Einzige, die den Tod von Kurt nicht verkraften kann, ist Nevenka. Ihre sexuelle Abhängigkeit gegenüber Kurt lässt sie auch nach seinem Tod nicht in Ruhe. Und wie es scheint, ist er von den Toten zurückgekehrt. (Wicked-Vision Media)

Christopher Lee zitiert La frusta e il corpo als eine seiner Lieblingsdarbietungen, wobei einfach zu erkennen ist, warum. Mario Bavas Produktion gab Lee nämlich die Chance etwas anderes zu tun als die Norm, was ihm erlaubte Muskeln spielen zu lassen, die ansonsten selten beansprucht wurden. Lee, der es bereits gewohnt war den Bösewicht zu geben, würde dies wieder tun, doch diesmal auf eine ganz andere Art und Weise, als bei Dracula oder Frankensteins Monster. Hier gibt er einen Mann, der Beklemmungen und sogar Angst in den Menschen um ihn herum auslöst, denn er ist ein böser sowie sadistischer Kerl, der vor gotischem Hintergrund eine sowohl schreckliche als auch romantische Geschichte in Bewegung setzt. Dieser Mann ist Kurt Menliff, der gerade erst nach Hause zurückgekehrt ist und dort weniger als nicht willkommen zu sein scheint. Kurt ist immer noch in Nevenka (Daliah Lavi), die Frau seines Bruders, verliebt, doch es handelt sich um keine konventionelle Art von Liebe. In einer der umstrittenen Szenen des Films wird Nevenka von Kurt am Strand ausgepeitscht, wonach sich die beiden jedoch im Sand lieben. Für das Publikum von 1963 muss jede Form von Sadomasochismus auf der Leinwand äußerst unangenehm gewesen sein, für Nevenka und Kurt aber ist es nur ein Vorspiel des Vergnügens, etwas, auf das jeder aus verschiedenen, aber ähnlichen Gründen nicht verzichten mag. Schon bald wird Kurt ermordet aufgefunden und wegen der seltsamen Ereignisse, die daraufhin stattfinden, wird nun befürchtet, dass es nur der Gemeuchelte selbst sein kann, der in den Gemächern des Anwesens seiner Vorfahren umherspukt, um noch mehr Terror als bereits zu Lebzeiten zu verbreiten.

Der Dämon und die Jungfrau ist vielleicht nicht Mario Bavas bester Film, doch sollte er zumindest zum erlesenen Kreis der gelungensten Werke des Regisseurs gezählt werden und zwar aus mehreren guten Gründen. Optisch ist der Film atemberaubend gestaltet, wobei neben Bavas Regietalent, noch seine Erfahrung hinter der Kamera hervorragend zur Geltung kommt. Obwohl Ubaldo Terzano als Kameramann aufgeführt ist, sind Bavas Fingerabdrücke, vom Einsatz farbiger Linsen bis hin zu den hitzigen Momenten zwischen den Hauptprotagonisten, überall auf dem Material verteilt. Es handelt sich durch und durch um einen Bava-Film, einen Film, der aufgrund seiner jenseitigen Atmosphäre, vor allem in jenen Momenten der Gewalt und des Schreckens, enorm surreal und traumähnlich anmutet. Eine seltsame Angelegenheit, die Bava mit La frusta e il corpo abliefert, die aber trotzdem, oder gerade deswegen, vollkommen zu faszinieren weiß. Während Christopher Lee, wie üblich, eine fantastische Vorstellung gibt, so spielt auch Daliah Lavi, als Gegenstand seiner „ausgefallenen“ Neigungen, unglaublich gut. Sie verkörpert ihre Rolle bis hin zur Perfektion, manchmal schon so gut, dass es ein wenig beunruhigt. Oftmals muss man sich fragen, ob sie wirklich den Verstand verliert, oder der Geist von Kurt tatsächlich das Schloss heimsucht. Nevenka liebt den Mann genauso, wie sie ihn zu hassen scheint und wann immer sie zusammenkommen herrscht nicht nur körperliche Gewalt, sondern hauptsächlich geistige. Gerade für diese Szenen der Gewalt, oder genauer gesagt, die Sequenzen, in denen die Peitsche zum Einsatz kommt, wird der Film dementsprechend betrachtet und beworben, doch letztendlich handelt es sich um eine Liebesgeschichte, wenn auch eine, die sich ein wenig abseits der ausgetretenen Pfade bewegt. Wie jeder weiß, kann Liebe in vielen Formen auftreten und die zwischen Nevenka und Kurt ist eben etwas ungewöhnlich, zumindest für die damalige Zeit.

Der Mörder von Schloß Menliff ist eines der besten Beispiele für klassischen Gothic-Horror, nicht nur weil der Film ohne viel Budget so großartig abliefern kann, sondern hauptsächlich wegen seiner Schauspieler und der Subtilität, mit der sie die leichten Nuancen, die eine Szene ausmachen oder zerstören können, fabelhaft meistern. Lee und Lavi komplementieren sich gegenseitig im idealsten Sinne, während Bava dies nicht nur kameratechnisch meisterlich einfängt, sondern zusätzlich eine Atmosphäre um sie herum kreiert, die der Geschichte eine einzigartige Note verleiht. Außerdem ist der Streifen mit vielen bekannten sowie beliebten Gesichtern des Italo-Kinos, wie zum Beispiel Ida Galli, Tony Kendall, Jacques Herlin und Luciano Pigozzi auch bis in die Nebenrollen erstklassig besetzt. Der Dämon und die Jungfrau ist ein Gothic-Horror-Film ganz im Gegensatz zu vielen anderen aus dem Jahr seiner Entstehung, ist zu den besten Arbeiten von Mario Bava und Christopher Lee zu zählen und ganz einfach ein Film, der sicherlich jedem Fan des Genres gefallen wird.

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  • Darsteller: Christopher Lee, Daliah Lavi, Tony Kendall
  • Regisseur: Mario Bava
  • Sprache: Italienisch (DTS HD 2.0 Mono), Deutsch (DTS HD 2.0 Mono), Englisch (DTS HD 2.0 Mono), Französisch (DTS HD 2.0 Mono)
  • Untertitel: Deutsch, Englisch
  • Region: Region B/2
  • Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
  • FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
  • Studio: Wicked-Vision Media
  • Produktionsjahr: 1963
  • Spieldauer: 88 Minuten

Wicked-Vision Media bringen Der Dämon und die Jungfrau im Mediabook als BluRay- / DVD-Combo mit drei unterschiedlich limitierten, verschiedenen Cover-Motiven sowie als Amaray heraus. Über den Film lässt sich genauso wenig streiten, wie über die Qualität der Veröffentlichung. Das Bild präsentiert sich im 1,78:1 (1080p) Format und macht einen hervorragenden Eindruck, während es beim Ton ebenso nichts zu meckern gibt. Hier stehen eine französische, deutsche, englische und italienische Spur (DTS-HD Master Audio 2.0 Mono) zur Auswahl, wobei man deutsche und englische Untertitel zuschalten kann. Die erstklassigen Extras bestehen aus einem 24-seitigen Booklet mit enorm informativem Text von Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad, den Featurettes „In Gedenken an Tony Kendall“ und „Jonathan Rigby über Mario Bava“, der Dokumentation „British Legends on Stage and Screen mit Sir Christopher Lee“, diversen Trailern (deutscher Promotrailer, italienischer Kinotrailer, deutscher Kinotrailer, französischer Kinotrailer), dem alten deutschen Vorspann, dem US-Vorspann und diversen Bildergalerien. Vervollständigt und veredelt werden die Boni durch einen sehr informativen Audiokommentar von Pelle Felsch. Insgesamt eine sehr gelungene Mediabook-Edition, die für Liebhaber und Freunde des gepflegten Gothic-Horror-Films ein absolutes Muss sein sollte.

Diese Edition wurde uns freundlicherweise von Wicked-Vision Media zur Verfügung gestellt.

 

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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