Der Einzelgänger

Der Einzelgänger (Man with the gun) ist ein schwarz-weiß Western mit Robert Mitchum aus dem Jahr 1955, produziert von Sam Goldwyn Jr (ab 1924 das G in MGM) unter der Regie des Orson Welles Vertrauten/Zöglings Richard Wilson (bekannt unter anderem für den 1959 Al Capone mit Rod Steiger).

Clint Tollinger (Mitchum), ein bekannter Charmeur und Revolverheld, kommt nach Sheridan City just zu der Zeit, als die Schergen von Holman in der Stadt Farmer vertreiben und für den einflussreichen Baron Land einheimsen. Der Marshal (Henry Hull) muss untätig zusehen, nur der junge Jeff Castle (John Lupton) hat es satt: Er traut sich gegen die bösen Jungs aufzubegehren, obwohl seine Hochzeit mit Stella (Karen Sharpe), dIE Tochter des Schmieds (Emile Meyer), ansteht. Tollinger ist zwischenzeitlich eigentlich hinter Nelly (Jan Sterling) her, die will aber nichts von ihm wissen, obwohl sie eine gemeinsame Tochter haben. Während der Schwiegervater in spe eher Tollinger anheuern will um Frieden zu stiften, lechzt Jeff eher danach, sich als starker Mann zu etablieren. Als die Pistolen beginnen, zu sprechen, kriegt der Schmied die Dorfleute dazu, Tollinger zu engagieren…

Der eher wortkarge Mitchum darf hier in einem wirklich gemeinen Film Revolverkönnen und Charme ausspielen. Ja, es ist ein gemeiner Film: Gleich in den ersten Sekunden wird ein süßer Hund erschossen, was für eine Einleitung! So düster beginnen nicht mal Italowestern. Wilson bastelt Mitchum hier in ein Drama hinein, das viel Licht und Schatten zu bieten hat, sowohl optisch als auch in der Substanz. Eine Stadt, die sich aus Not am Mann an einen zwielichtigen Revolverheld verkauft, woher kennen wir das übrigens? Über eine Dekade später ist es das Thema von High Plains Drifter! Doch das grandiose Ende mit dem bitteren Showdown hier hat mehr von High Noon als von vielen Western seiner Zeit, wobei man sich hier Audie Murphy auch hätte vorstellen können statt Mitchum. Light und Schatten, weil der Film eine wunderbare Story erzählt, spannend ist, mit prima Dialogen auskommt, aber Schatten weil er viele Charakter zu Zaungästen degradiert, darunter Nelly.

In Nebenrollen tauchen übrigens auch Claude Akins auf und Angie Dickinson (Rio Bravo). Jan Sterling selbst war mir bislang kein Begriff, war aber eine ziemliche Nummer, u.a. bekannt aus Ace in the Hole von 1951 oder Naked City von 1961 und einer Verfilmung der Dystopie 1984 aus dem Jahr 1956, bei der Michael Anderson Regie geführt hatte. Der wiederum sollte bekannt sein, u.a. für Logans Run und Um die Welt in 80 Tagen, Das Quiller Memorandum, usw. Aber genug der Umwege. Witzig fand ich dann noch Ted de Corsia, eine Karriere als ewige Nebenrolle übrigens, der hier ein wenig aussieht wie Petter Maffey.

„Who started it? I started it.“

Ein paar fiese Zeilen bekommt Mitchum ab, soviel ist sicher. Dabei gerät er teilweise fast selbst in den Hintergrund. Zu viele Charaktere mit zu vielen Facetten, darunter leidet wie gesagt vor allem Sterlings Charakter. Man with the Gun ist ein herber Western, der wenig Blatt vor den Mund nimmt und weder an Gewalt noch an Zynismus spart. Es ist der wilde Westen bevor das Gesetz dort Einzug hält. In gewisser Weise ist es fast schon ein wenig Schockierend mit welcher Selbstverständlichkeit manche Charaktere mit der Situation umzugehen wissen, fast als ob es nichts alltäglicheres gibt als zu frühstücken, schlafen zu gehen und eben mal schnell leichtfertig sein Leben zu riskieren. Der Wilde Westen eben.

Die BluRay erscheint bei Koch Media als Western Legenden Numero 56. Man kann den Film auf Deutsch oder im Original (getestet) gucken, leider gibt es nur englische Untertitel. Der Ton ist solide, leider ist die Dialogverständlichkeit nicht immer großartig. Das Bild sieht in Ordnung aus für seine Verhältnisse, aber man erkennt schon sehr deutliches DNR, das Bild ist von Rauschen gekennzeichnet, ich bin mir hier nicht sicher ob es mit etwas weniger Filter nicht besser gewesen wäre. Als extra gibt es noch eine „open matte“ Fassung (Fachjargon, d.h. man bekommt ein unmaskiertes 1,33:1 Bild) des Films, die gleichen Ton und Untertiteloptionen. Außerdem Trailer und Bildergalerie.

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Die BluRay wurde uns von Koch Media freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info, TripleFeatureFoundation.org und FuriousCinema.com

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