Der Fall Collini

Der Fall Collini

Der Fall Collini ist ein Gerichtsdrama von Anfang diesen Jahres nach einem Roman von Ferndinand von Schierach mit Elyas M’Barek (Who am I), Alexandra Maria Lara (Der Untergang), Heiner Lauterbach (Das Experiment) und Franco Nero (Django, Der Clan der seine Feinde lebendig einmauert) in den Hauptrollen.

Der Film handelt vom frisch gebackenen Anwalt Caspar Leinen (M’Barek), der sich etwas unvorbereitet als Pflichtverteidiger für den eines Mordes beschuldigten Italiener Collini (Nero) berufen lässt. Der hat den Großindustriellen Jean-Baptiste Meier (Manfred Zpatka) quasi brutal hingerichtet und sich dann wehrlos verhaften lassen, ohne gegenüber der Polizei, und dann Caspar, sein Mordmotiv zu gestehen. Problem nur, dass Caspar feststellt dass es sich dabei um keinen anderen als Hans Meier handelt, dem er als sein Stiefgroßvater eine wundervolle Kindheit zu verdanken hat. Die Liebe zu seiner Stiefschwestern Johanna Meier (Lara), nun Alleinerbin von Meiers Konzern, ist noch nicht verflossen, doch die kann es nicht fassen dass er den Mörder ihres Opas verteidigt. Sie lässt sich vom Familienanwalt Mattinger (Lauterbach) vertreten. Was Caspar umtreibt ist das Motiv, denn der alte Italiener bleibt stoisch. Mit etwas Glück und Naivität stolpert er über eine Spur die ihn nach Italien führt. Er beantragt, das Gerichtsverfahren zu vertagen und stößt auf eine düstere Nazi-Vergangenheit…..

Der Fall Collini

Eines kann man dem Film nicht vorwerfen: mangelnde Ernsthaftigkeit. Im Gegenteil, das Hauptproblem von Der Fall Collini ist eigentlich, dass er von Beginn an zu wichtig, zu episch, zu poliert und zu bedeutungsschwanger daher kommt – und es in der Substanz nicht halten kann. Gute Aufnahmen, brachiale Musik und oftmals etwas hölzerne Dialoge, es ist eine aufgebohrte ZDF Produktion mehr als ein wirklich umwerfendes Kinoerlebnis. Das klingt vernichtend, muss es aber nicht sein. Was der Film erzählt ist wichtig, soll und darf erzählt werden, und gibt einem auch zu denken. Er ist solide gespielt, nicht langweilig und handwerklich in Ordnung. Leider aber ist er nichts neues, weder vom Konzept noch von der Story, und es wirkt ein klein wenig oberlehrerhaft, dem Zuschauer die Aufarbeitung des Dreher Gesetzes als bahnbrechende Entdeckung in cineastischer Form anzudrehen. Andere Filme haben diese Art der Aufarbeitung auch schon versucht, ob Das Urteil von Nürnberg oder Fritz Bauer. Dennoch, Der Fall Collini kommt immerhin mit einer echt guten Besetzung daher, M’Barek spielt endlich mal eine Rolle mit viel Substanz, Lauterbach trägt eine eher schäbige Frisur zur Schau und Alexandra Maria Lara spielt stellvertretend für meine Generation oder die etwaiger jüngerer Eltern diejenige, die der großväterlichen Generation zwischen Dank und Vorwurf gegenüber steht. Leinen ist letztlich eine Metapher für das nagende Gewissen unserer Generation, zwischen Vergessen und Vergeben, Wahrheit und Anklage. Fakt ist, diese dunklen Zeiten werfen nach wie vor einen langen Schatten über unsere Gegenwart, und es gäbe noch so viel mehr das man hätte aufarbeiten können.

Der Fall Collini

Was der Film nicht kann, ist den Stoff in hochwertiges Kino zu verpacken dass sowohl unterhält als auch künstlerischen Ansprüchen genügt. Aber das muss er vielleicht gar nicht. Dass es der Film überhaupt ins Kino geschafft hat ist schon einiges Wert. Dass man Franco Nero dafür gewinnen konnte ist großartig, und für beides gilt Constantin Film ein Lob. Die BluRay bietet DTS-HD 5.1 sowie eine Dolby Digital 2.0 Version, außerdem eine deutsche Hörfilmfassung. Die 5.1-Spur habe ich getestet, und die klingt recht gut, obgleich die Musik sehr dominiert und der Film nicht so arg viel Raumklang bietet. Das Bild sieht sehr gut aus. Untertitel gibt es in Deutsch und Englisch (sehr gut). Leider gibt es nur wenige Extras, etwa 20min Interviews und ein kurzes 5-minütiges „Making Of“.

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Der Fall Collini

Die BluRay wurde uns freundlicherweise von Constantin Film zur Verfügung gestellt.

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info und FuriousCinema.com

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