Der Fluch von Siniestro / The Curse of the Werewolf

Spanien im 18. Jahrhundert. Noch ist das abergläubische Umfeld der Inquisition aktiv. Im Verlies des Schlosses von Siniestro vergewaltigt ein unschuldig einsitzender, in vielen Jahren wahnsinnig gewordener Häftling die taubstumme Tochter des Kerkermeisters. Sie stirbt, nachdem sie einem Jungen das Leben geschenkt hat. Auf diesem lastet der Fluch der Lykanthropie: Gegen seinen Willen mutiert Leon in Vollmondnächten zum Werwolf und muss von seinem Pflegevater, dem Arzt Don Alfredo, mit einer Silberkugel niedergestreckt werden. (Anolis Entertainment)

Wenn man damals einen Werwolf-Film gedreht hatte, gestaltete es sich sehr schwierig diesen nicht mit dem Maßstab zu vergleichen, der sich (zumindest zu dieser Zeit) mit The Wolf Man (Der Wolfsmensch, 1941) etabliert hatte. Heutzutage gibt es viele Werwolf-Filme, viele davon sind als gut und eine ganze Menge als weniger gut zu bezeichnen. Zieht man also The Wolf Man in Betracht und vergleicht ihn mit dem was Hammer auf die große Leinwand gebracht hat, so stellt man fest, dass das Studio tatsächlich sehr gute Arbeit geleistet und dabei etwas ganz anderes auf die Beine gestellt hat, was zuvor bekannt gewesen war. Tatsächlich muss man sich fragen, warum Hammer nur einen Film mit der Titelfigur gedreht hat. Der Fluch von Siniestro wurde von Anthony Hinds geschrieben (nach Guy Endores Roman The Werewolf of Paris) und von Terence Fisher inszeniert.

Eines der bedeutendsten Dinge an dem Film ist, dass er bereits in der Eröffnungssequenz einen völlig anderen Weg einschlägt und sich somit von The Wolf Man sowie jedem anderen Werwolf-Film (der in den Jahren dazwischen entstanden ist) stark distanziert. Das fragliche Monster, Leon (Oliver Reed), wurde zum Beispiel als Werwolf geboren und nicht in einen verwandelt. Die Umstände gestalten sich tragisch und beinhalten die Vergewaltigung einer stummen jungen Frau (Yvonne Romain) durch einen verwahrlosten alten Bettler (Richard Wordsworth), die dann am Weihnachtstag ein Omen des Unglücks (Leon) zur Welt bringt und kurz darauf stirbt. Der Junge wird dann von Don Alfredo (Clifford Evans) und seiner Frau Teresa aufgezogen, wobei alles in Ordnung zu sein scheint, bis getötete Tiere mit aufgerissener Kehle auftauchen und die beiden mit Hilfe des Priesters (John Gabriel) das düstere Geheimnis des Jungen lüften. Fortan werden Leons Fenster mit starken Gittern versehen, damit der Junge sein Zimmer in Vollmondnächten nicht mehr verlassen kann. Da nun keine Tiere mehr gerissen werden, kehrt wieder Ruhe in der Gegend ein. Jahre später ist Leon zu einem jungen Mann herangewachsen und seine „Eltern“ halten ihn für geheilt. Doch diese Tatsache allein bedeutet Leons Verderben, denn zum nächsten Vollmond wird er wieder töten, weswegen er letztendlich unschädlich gemacht werden muss.

In The Curse of the Werewolf gibt es nur wenige Spezialeffekte zu bestaunen, wobei sich Oliver Reeds Monster Make-up als recht effektiv erweist. Obwohl man nie eine vollständige Verwandlung vom Menschen zum Biest zu sehen bekommt, gestaltet sich das Ganze dennoch sowohl effektiv als auch spannend, da diese Verwandlung der Vorstellungskraft des Publikums überlassen wird. Terence Fisher und Konsorten waren damit gut beraten, obwohl man diesbezüglich auch das geringe Budget berücksichtigen muss, das dabei sehr wahrscheinlich eine große Rolle gespielt hat. Ein perfektes Beispiel für außerordentliches Casting stellt der Junge dar, der Leon als Kind (Justin Walters) verkörpert. Es ist schon einigermaßen unheimlich zu beobachten, wie ähnlich sich die beiden sind, wobei man fast glauben könnte, dass es sich um Oliver Reed handelt, bevor er erwachsen geworden ist.

Reed spielt seinerseits wirklich gut in der Rolle des Mannes, der entdecken muss, dass er mehr ist als das, was er für die Summe seiner Teile hält. Er macht zwar keine ganz so tragische Figur wie Larry Talbot, doch seine Vorstellung kann als bewegend beschrieben werden, vor allem, als man ihm mitteilt, wer oder was er wirklich ist. Auch die restliche Besetzung kann sich durchaus sehen lassen, darunter Catherine Feller, Clifford Evans, Yvonne Romain, Anthony Dawson und noch einige mehr, doch der Film handelt größtenteils von Reed und seinem Charakter Leon. Obwohl sich eine Fortsetzung so gut wie unmöglich gestaltete, hätte es sicherlich viel Spaß gemacht, Oliver Reed zum wiederholten Male in der Rolle des Monsters zu sehen. Es ist ein bisschen schade, dass dies Hammers einziger Ausflug in die Welt des Werwolfs geblieben ist, wobei Der Fluch von Siniestro einen wirklich gut gemachten Chiller repräsentiert, der heutzutage sicherlich nicht mehr so beängstigend wirkt, wie bei seinem Debüt im Jahr 1961, jedoch immer noch einen solide produzierten Film darstellt, wie man es von den Hammer Studios gewohnt ist.

Bonusmaterial:
Audiokommentar mit Dr. Rolf Giesen und Volker Lange; Making Of „The Curse of the Werewolf“; Lycanthropy Featurette; Von Hammer geschaffene Requisiten; Deutscher Kinotrailer; Englischer Kinotrailer; Werberatschlag; Comic; Deutsche Titel- und Endsequenz; Bildergalerien

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  • Seitenverhältnis: 16:9 – 1.85:1, 16:9 – 1.77:1
  • Alterseinstufung:‎ Freigegeben ab 16 Jahren
  • Regisseur: ‎Fischer, Terence
  • Laufzeit: 1 Stunde und 32 Minuten
  • Darsteller: ‎Reed, Oliver, Evans, Clifford, Romain, Yvonne, Feller, Catherine, Dawson, Anthony
  • Untertitel: ‎Deutsch
  • Sprache: ‎Deutsch (DTS HD 2.0 Mono), Englisch (DTS HD 2.0 Mono)
  • Studio: ‎Anolis Entertainment

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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