Der große Kampf des Syndikats / Todesdroge Heroin / Opium-Way / I contrabbandieri di Santa Lucia / The New Godfathers

Don Francesco Autiero (Mario Merola), Mafiaboss von Neapel, zuständig für Zigarettenschmuggel und sein Konkurrent Don Michele Vizzini (Antonio Sabato), zuständig für Drogenschmuggel, sind sich über die Aufgabenteilung in der Stadt nicht ganz einig. Das FBI versucht die Spannungen zwischen den beiden Familien auszunutzen und schickt einen Mann (Gianni Garko) nach Neapel. Dort kommt man ihm bald auf die Schliche, aber er kann sich mit Autiero zu einer Zusammenarbeit einigen. Gemeinsam wollen sie Vizzini zur Hölle schicken… (Cineploit Records)

„In Neapel zu schmuggeln, ist wie bei Fiat zu arbeiten. Nur können wir nicht streiken!“ Mario Merolas denkwürdiger Dialog fasst die Bedeutung von Schmuggelware in Neapels Wirtschaft perfekt zusammen, indem er die Schmuggelbranche mit Italiens berühmtester Autofabrik in Turin vergleicht. Dieser Satz fällt zu Beginn einer Sequenz, in der Don Francesco Antiero (der gute Boss) Captain Radovic (Gianni Garko) herumführt und ihm die Regeln des Schmuggelgeschäfts in der parthenopäischen Stadt illustriert. Möglicherweise nach dem Vorbild einer ähnlichen Szene in Stefano Vanzinas La polizia ringrazia / Das Syndikat von 1972 (wo Enrico Maria Salerno Reportern das Unterwelt-Leben in Rom näher bringt) angefertigt, handelt es sich um eine der besten Sequenzen in Alfonso Brescias Der große Kampf des Syndikats, einem überzeugenden Einstieg in das neapolitanische Verbrechens-Subgenre.

Der Film stellt eine denkwürdige Reihe von Schauspielern zusammen. Der imposante, monumentale Mario Merola trifft auf Antonio Sabato, der – wie in Napoli … la camorra sfida la citta risponde (Naples … The Camorra Challenges, the City Hits Back, 1979) – die Rolle des Bösewichts mit Begeisterung übernimmt, wobei Gianni Garko als FBI Agent in diesen Fall verwickelt ist und der Rolle dabei die dringend benötigte Stärke verleiht, die in neapolitanischen Filmen oft vernachlässigt wurde. Während Edmund Purdom (der so desinteressiert rüberkommt wie immer) als Leiter des Geheimdienstes einen Cameo-Auftritt hat. Es war sogar noch Platz für den Maurizio-Merli-look-alike Jeff Blynn (Giallo a Venezia) vorhanden, der hier in einer seiner letzten Filmrollen zu sehen ist, bevor er die Schauspielerei endgültig an den Nagel gehängt hat.

The New Godfather wurde auch für den Konsum auf dem ausländischen Markt konzipiert (im Gegensatz zu den meisten anderen Filmen des Subgenres) und bemüht sich deshalb sehr kosmopolitisch zu erscheinen. Laut Ciro Ippolitos Autobiografie wurde der Film nur gedreht, um P.A.C.s Chef Mario Bregni dabei zu helfen, die Kosten für Ferdinando Baldis Afyon oppio (The Opium Connection, 1972) zu decken, der trotz seines hohen Budgets ein Flop gewesen war. Zu diesem Zweck wurde der sogenannte Flop recycelt, indem ein neuer Low-Budget-Film mit einer anderen Geschichte und einem anderen Titel gedreht wurde, wobei allerdings dasselbe Filmmaterial aus Baldis Film verwendet worden ist. Also nahm Ippolito The Opium Connection, den praktisch niemand gesehen hatte, mit in den Schneideraum, schnitt alle Nahaufnahmen von Ben Gazzara aus den in den USA gedrehten Sequenzen raus und setzte Mario Merolas Gesicht an ihre Stelle.

So unwahrscheinlich diese Geschichte auch sein mag (Todesdroge Heroin wurde sieben Jahre nach Baldis Film gedreht), stellt es eine Tatsache dar, dass Brescias Film – der laut Ippolito nur 70 Millionen Lira kostete und tatsächlich in zwei Wochen abgedreht wurde – ganze Segmente aus The Opium Connection recycelt, beginnend mit den Eröffnungssequenzen, in denen die Geschichte vom Iran nach New York und dann nach Istanbul verlegt wird. Ippolitos und Piero Regnolis Drehbuch handelt von einem internationalen Drogenring genauso wie in Castellaris La via della droga (Dealer Connection – Die Straße des Heroins, 1977): Bösewicht Antonio Sabato befindet sich mit US-Schmugglern um eine Lieferung von Drogen im Streit, die in Hochzeitssüßigkeiten versteckt sind. Brescia pochiert sogar auf unpassende Art und Weise einen spektakulären Stunt, als er ein Auto auf einen fahrenden Zug aufspringen lässt – aus Massimo Dallamanos Quelli della calibro 38 (Kaliber 38 – Genau zwischen die Augen, 1976), um dem Streifen ein Actionfilm-Feeling zu verleihen. Der Kern von Der große Kampf des Syndikats besteht jedoch aus typisch dramatisierendem Zeugs, das überzeugend umgesetzt wurde. Der letzte Showdown – bei dem Merola Sabato zuschreit: „Friss diese Pralinen!“ wobei eine extreme Nahaufnahme von Merolas Waffe den Bildschirm ausfüllt, bevor Sabato in Zeitlupe mit einer Ladung Kugeln vollgepumpt wird – ist als erstklassig zu bezeichnen.

Ippolito und Brescia lassen sogar einige ihrer ungewöhnlichen Scherze in den Streifen einfließen. In einer Szene bleiben Gianni Garko und Marco Girondino (der seine obligatorische Rolle als Straßenkind übernimmt) vor einem Plakat von Brescias tränenreichem Drama Lo scugnizzo (1979, auch mit Girondino und Garko) stehen, wobei Captain Radovic bemerkt: „Mit Gianni Garko, ein guter Film!“, bevor Brescia selbst zu einem amüsanten Cameo-Auftritt auftaucht, sich die Kredits des Posters ansieht und verlauten lässt: „Wer zur Hölle ist Alfonso Brescia?“. Insgesamt ist Der große Kampf des Syndikats als einer der besseren Filme Alfonso Brescias zu bezeichnen, denn letztendlich handelt es sich um einen Film mit vielen bekannten Gesichtern, der zwar einige Mängel (teils ziemlich starke Schwankungen was die Atmosphäre betrifft, manche Szenen ziehen sich einfach zu lang hin, der dt. Ton ist an manchen Stellen leicht a-synchron, Bildunterschiede aufgrund des Recyclings etc.) aufzuweisen hat, es aber trotzdem versteht recht gut zu unterhalten.

Ausstattung:

  • Weltweite 2K Blu-Ray Premiere
  • EXKLUSIV produziertes Featurette mit Ciro Ippolito (12min.)
  • Internationale Bildergalerie
  • Deutscher Vorspann
  • Hardcover Mediabook mit partieller Veredelung
  • 28 Seiten Booklet mit einem Essay von Udo Rotenberg in deutsch und englisch, veredelt mit italienischem Werbematerial. (sehr informativ und unterhaltsam geschrieben)
  • Doppelseitiges Poster mit dem italienischen Locandia und dem US Motiv.
  • 4 verschiedene Covervariationen, 1 italienisches Plakatmotiv, 2 deutsche VHS Motive, 1 US Motiv in einer nummerierten & limitierten Auflage von 300/300/200/200 Stück.

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  • Seitenverhältnis: 16:9 – 2.35:1
  • Alterseinstufung: Nicht geprüft
  • Regisseur: Brescia, Alfonso
  • Medienformat: Breitbild
  • Laufzeit: 1 Stunde und 34 Minuten
  • Darsteller: Merola, Mario, Garko, Gianni, Sabato, Antonio, Blynn, Jeff, Purdom, Edmund
  • Untertitel: Deutsch, Englisch
  • Sprache: Italienisch (DTS-HD 2.0), Deutsch (DTS-HD 2.0), Englisch (DTS-HD 2.0)
  • Studio: Cineploit Records

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Die Screenshots stammen NICHT von dieser Edition !!!

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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