Der Joker / Lethal Obsession

Jan Bogdan von der Hamburger Mordkommission ist nach Morden im Drogenmilieu nicht nur auf der Jagd nach dem Killer, sondern will das gesamte Syndikat zerschlagen. Selbst als er einen Bombenanschlag im Restaurant des Vaters seiner Freundin nur schwer verletzt überlebt und querschnittsgelähmt bleibt, verfolgt er nach dem Ausscheiden aus dem Polizeidienst weiter zielstrebig seine Fährte. Doch das Netz der Organisation ist weit verzweigt und sorgfältig gewebt. Und es reicht bis in den Polizeiapparat. Bogdan setzt alles auf eine Karte, um seinen mörderischen Feind zur Strecke zu bringen. (Lisa Film / Subkultur Entertainment)

Der Joker ist auch als Lethal Obsession bekannt, doch wenn man den Film Hamburg Vice genannt hätte, hätte sich möglicherweise ein akkurateres Bild ergeben. Stilistisch gesehen könnte man Der Joker als eine Episode von Miami Vice einordnen, die nach Deutschland verlegt und ohne die TV-Einschränkungen für Nacktheit und Drogenkonsum gedreht wurde. Zwei hippe Polizisten – einer in Freizeitanzügen, der andere mit Meeräsche – geraten in einen Krieg zwischen Bösewichten. Die Hauptrolle spielt Peter Maffay, ein beliebter Sänger von Soft-Rock-Balladen mehr oder weniger nach Phil Collins‘ Art. Maffay schrieb auch die Musik und hat sie so Miami Vice wie möglich gemacht. Es gibt eine Menge an atmosphärischer Fotografie von rauchigen Sleaze-Clubs, Autos, die sich durch die Straßen der Stadt schlängeln, dem Hamburger Hafen und alten knarrenden verlassenen Brücken in nebligen Nächten zu bestaunen. Ein grundlegender Michael Mann Schtick, der in kalte Wettergebiete transportiert wird. Obwohl der Film komplett in Hamburg gedreht wurde, gibt es einige interessante internationale Namen auf der eklektischen Nebenbesetzungsliste zu finden, wie Elliott Gould, Armin Mueller-Stahl und Michael York.

Die Handlung stellt typisches Krimi-Material der Güteklasse B dar. Maffay wird bei einer Explosion verletzt und verliert den Gebrauch seiner Beine. Er verlässt die Polizei und schwört Rache an den Attentätern, wobei er die Hilfe eines kalt effizienten professionellen Mörders in Anspruch nimmt. Während er seine Rache vom Rollstuhl aus verfolgt, muss er feststellen, dass verschiedene Situationen möglicherweise nicht genau so ablaufen, wie er es sich vorgestellt hat. Die Dinge werden allerdings noch zusätzlich dadurch verkompliziert, dass er und sein Partner in dieselbe Frau verliebt sind und sie mit beiden schläft (einer weiß bescheid, der andere nicht). Bla, bla, bla. Schießereien. Verrat. Die Beine werden auf wundersame Art und Weise genau in dem Moment wieder gesund, in dem sie gebraucht werden. Menschen sterben. Ende.

Es gibt jedoch eine Szene, die es versteht zu beeindrucken. Nachdem der gelähmte Maffay seine Rachekampagne begonnen hat, finden die Bösewichte schließlich heraus, wer er ist und wehren sich. Irgendwann ist Maffay mit seinem Rollstuhl in einer engen Straße unterwegs, als ein schnelles Fahrzeug und ein leistungsstarker Abschleppwagen aus entgegengesetzten Richtungen auf in zufahren. Der Editor und die Stuntmänner sind für ihre Arbeit an dieser Szene besonders zu loben, denn es gelingt ihnen die Illusion einer spannenden und äußerst knappen Flucht aufrechtzuerhalten. Tahnee Welch, Raquels Tochter, sorgt für Promi-Nacktheit. Zeitweise schien es, als würde sie in die Fußstapfen ihrer Mutter treten und berühmt werden, besonders nachdem Cocoon (1985) ein großer Erfolg war. Daraus wurde allerdings nichts. Ihre restliche Karriere bestand aus amerikanischen B-Filmen und weitgehend vergessenswerten europäischen Projekten wie Der Joker. Seit 1998 ist sie vollständig von der Leinwand verschwunden. Warum, fragt man sich nun? Sie sah gut genug aus, hatte die gleichen breiten, athletischen Schultern wie ihre Mutter und ihr Gesicht war genauso schön wie das von Mama. Natürlich fehlten ihr zwei der berühmtesten physischen Vermögenswerte ihrer Mutter, aber das ist es nicht was sie vom Ruhm abgehalten hat (na ja, vielleicht doch ein bisschen!?). Ihr eigentliches Problem schien ein Mangel an Elektrizität gewesen zu sein. Sie war eine Version der Welch-Glühbirne mit sehr geringer Leistung und hatte einfach nicht die heiße Bühnenpräsenz ihrer Mutter.

Der Joker ist bei Lisa Film im Rahmen ihrer Deutsche Filmklassiker Kollektion als Nummer 3 erschienen. Das Bild wird im 1,66:1 anamorphen Format (BluRay 1080p) präsentiert und weiß durchaus zu überzeugen. Es liegt deutscher, englischer und ungarischer (!?) Ton in DTS-HD Master Audio Mono vor, wobei man wahlweise deutsche Untertitel zuschalten kann. Die Extras bestehen aus einem Kinotrailer; einer Bildergalerie; einer isolierten Musikspur und einem Wendecover ohne FSK-Logo. Die Veröffentlichung kann als äußerst gelungen bezeichnet werden und wir freuen uns schon auf die nächsten VÖs aus dem Hause Lisa Film / Subkultur Entertainment.

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Darsteller: Peter Maffay, Armin Mueller-Stahl, Tahnee Welch, Elliott Gould, Michael York
Regisseur(e): Peter Patzak
Format: Breitbild
Untertitel: Deutsch
Region: Alle Regionen
Bildseitenformat: 16:9 – 1.66:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Subkultur Entertainment
Produktionsjahr: 1987
Spieldauer: 97 Minuten

Diese BluRay wurde uns freundlicherweise von Lisa Film / Subkultur Entertainment zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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