Der Junge und das Biest – Bakemono no ko

Der Junge und das Biest - Bakemono no ko

Der einsame Waisenjunge Kyuta streunt ziellos durch den Tokioter Stadtteil Shibuya, als er in einer Seitenstraße mit einem Mal auf ein Portal stößt, das ihn in das fantastische Bakemono-Reich Jutengai führt. Verloren und auf der Suche nach einem Weg zurück, trifft er in dieser Welt voller übernatürlicher Tiermonster auf Kumatetsu, einen bärenartigen und recht grummeligen Schwertkämpfer. Trotz seines wilden Auftretens ist dieser dem kleinen Jungen freundlich gesonnen und nimmt sich seiner an – wenn auch nicht ganz ohne Hintergedanken. Denn um sein Ziel zu erreichen, der nächste Herrscher von Jutengai zu werden, benötigt Kumatetsu zunächst einen Schüler – und dieser soll Kyuta sein! Trotz kleinerer Streitereien enwickelt sich schon bald eine innige Freundschaft zwischen Kyuta und seinem „bärigen“ Lehrmeister, der eben so viel von dem kleinen Menschenjungen lernt, wie dieser von ihm …

Der Junge und das Biest - Bakemono no ko

Mamoru Hosoda hat seit seinen Digimon Tagen (1999-2003) einen langen Weg hinter sich. Sein Ansehen ist bei den Anime-Fans mit seiner Kultserie Samurai Champloo (Samurai chanpurû, 2004-2005) und drei sehr denkwürdigen, abendfüllenden Filmen in den letzten zehn Jahren stetig gestiegen. Das Mädchen, das durch die Zeit sprang (Toki o kakeru shôjo, 2006) hinterließ mit Sicherheit einen bleibenden Eindruck, doch Ame & Yuki, die Wolfskinder (Ookami kodomo no Ame to Yuki, 2012) stellt einen der aufschlussreichsten und ausdrucksvollsten Anime-Filme aller Zeiten dar. Hosoda beschäftigt sich eher mit Themen für Erwachsene, als mit Kindergeschichten, die die Ghibli Studios so beliebt machen, was Hosoda als einen zeitgenössischen Satochi Kon erscheinen lässt. Der Junge und das Biest setzt die Siegesserie des Animators fort und versorgt uns mit einer gefühlvollen Coming-of-Age-Geschichte mit Killer Action-Sequenzen und klugen, thematischen Freiheiten. Ren (Sometani/Vale), ein prä-Teenager mit schlechter Einstellung ist nach dem Tod seiner Mutter von zu Hause weggelaufen. Wütend und boshaft auf den Straßen von Shibuya, Japan, lebend entdeckt Ren ein Portal nach Jutengai: Das Tier Königreich, wo anthropomorphe Wesen frei herumlaufen. Versehentlich gerät er in eine Fehde zwischen zwei mächtigen Kriegern, die um den Titel des Lord of Jutengai wetteifern. Der erste ist Iozen (Yamaji/Hennigan), ein weiser und beliebter Schwertkämpfer, der Vater von zwei Kindern und Ausbilder von vielen begabten Schülern ist. Der zweite ist Kumatetsu (Yakusho/Swasey) ein starker, temperamentvoller und einsamer Krieger, dem nur sein witziger Kumpel Tatara (Oizumi/Sinclair) folgt. Teilweise aus Verzweiflung und zum Teil aus Trotz wird Ren zu Kumatetsus Lehrling, von dem er nach und nach die Kampfkunst des Kendo lernt.

Der Junge und das Biest - Bakemono no ko

Der zentrale Konflikt in Der Junge und das Biest zündet, wenn Ren und Kumatetsu sich während des Trainings in die Haare geraten. Kumatetsu, darauf sollte hingewiesen werden, beginnt als sehr schlechter Lehrer, der wütend „greif nach dem Schwert deiner Seele!“ und ähnlich unsinnige Dinge kreischt. Kaede (Hirose/Apprill), der weise Mönch des Dorfes informiert Ren (mit dem Spitznamen Kyuta), dass sein Meister einst alles selbst ohne fremde Hilfe zu lernen hatte. So wurde er schon früh Unabhängig, doch befindet sich dadurch nicht in der Lage zu unterrichten. So beginnt Ren Kumatetsu nachzuahmen und seine Bewegungen zu antizipieren, wodurch sich seine Ausbildung langsam harmonisch gestaltet. Der andere zentrale Konflikt des Films ist der interne Kampf, den Ren zu kämpfen hat je älter er wird. Die Bürger von Jutengai sind der Meinung Menschen gehören nicht in ihr Reich, weil sie eine innere Dunkelheit in sich tragen. Rens persönliche Finsternis manifestiert sich in einem Schatten mit einem Loch in seiner Brust. Diese geisterhafte Gestalt wird jedoch durch die Ankunft von Hyakushubo (Franky/Orgel), einem High-School-Mädchen, das Ren auf andere Dinge, als das Kämpfen konzentrieren lässt, temperiert. Während er sich zwischen dem Menschen- und dem Tierreich hin und her wagt, beginnt Ren ein Interesse an der Leserei zu entwickeln, wobei er von Hyakushubo unterrichtet wird, die dabei eine Geduld an den Tag legt, wie es Kumatetsu nie könnte. Es ist diese Verbindung sowie das Wiedersehen mit seinem Vater, durch die Ren schließlich in der Lage ist ein ganzer Mann zu werden.

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Der Junge und das Biest verfügt über einen unglaublich detaillierten, fast fotografischen Hintergrund. Man könnte diesen Film ohne Ton anschauen und immer noch von der Schönheit der Welt, die Ren, Kumatetsu und Hyakushubo umgibt, eingelullt werden. Nur Satochi Kons Tokyo Godfathers (Tokyo Goddofazazu, 2003) hat je dieses meisterliche Niveau erreicht, weswegen alles Lob an die Animateure gehen sollte. Sogar kleine Montagen, in denen unsere schneidigen Helden die „klugen Meister“ treffen, sind beeindruckend. Aus all den schmucken Bildern bleibt jedoch der Klimax des Streifens der visuell beeindruckendste Teil, der jegliche narrative Schwächen mehr als ausgleichen kann. Denn ja, es gibt einige kleine erzählerische Probleme. Aufwendige Kampfsequenzen und spannend, detaillierte Animation mal bei Seite, der dritte Akt neigt dazu nur lose mit der Geschichte verbunden zu sein. Der gesamte dritte Akt hätte Stoff für einen komplett neuen Film; vielleicht eine Fortsetzung bieten können. Stattdessen wird er wie Deskriptoren in einem Herman Melville Roman einfach dazwischen gequetscht.

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Die meisten Menschen sind bereits gesegnet eine Person in ihrem Leben zu haben, die sie inspiriert ihren Träumen zu folgen und sie mit der Disziplin zu bewaffnen, um diese Träume Wirklichkeit werden zu lassen. Ren hat im Laufe der Geschichte dererlei drei. Die erste ist Kumatetsu der trotz seiner Schroffheit alles für Ren opfern würde. Die zweite ist Hyakushubo; ein liebes junges Mädchen, das Ren nicht nur Lesen lehrt, sondern ihn außerdem ermutigt nach mehr zu streben und niemals Angst vor Versagen zu haben. Die letzte ist Ren selbst; der einzige, der über seine Entscheidungen und Taten reflektieren und sich die Motivation von diesen Erfahrungen zu lernen geben kann. Man hat sicherlich nicht immer eine Wahl was mit einem passiert aber man hat die Wahl, wie man darauf reagiert, sich neu orientiert, um bei jeder Gelegenheit daran zu wachsen. Der Junge und das Biest macht dem Zuschauer klar: Auch Ihr könnt Eure eigenen Helden sein!

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Der Junge und das Biest - Bakemono no ko BluRay

  • Regisseur(e): Mamoru Hosoda
  • Sprache: Japanisch (DTS-HD 5.1), Deutsch (DTS-HD 5.1)
  • Untertitel: Deutsch
  • Region: Region B/2
  • Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
  • FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
  • Studio: Universum Film GmbH
  • Produktionsjahr: 2015
  • Spieldauer: 119 Minuten

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Diese BluRay sowie das Bildmaterial wurde uns freundlicherweise von Universum Film zur Verfügung gestellt.

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© 2015 THE BOY AND THE BEAST FILM PARTNERS

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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