Der Killer in mir / Daniel isn’t real

Als der junge Collegestudent Luke das Haus seiner labilen Mutter verlassen will, stehen ihm nicht nur seine soziale Unbeholfenheit im Weg, sondern auch die vielen Traumata aus seiner Kindheit. Er sucht daraufhin die Hilfe seines imaginären Jugendfreundes Daniel, den er damals zu seinem Schutz erfand. Zunächst macht dieser Luke zu einem selbstbewussten, erfolgreichen jungen Mann. Doch Daniels geheime Absichten werden immer gefährlicher. Nichts davon ahnend steckt Luke schon bald in einem mörderischen Sog, aus dem es kein Entkommen gibt… (Ascot Elite)

Der Killer in mir ist wahrscheinlich der Film, der Mein böser Freund Fred von 1991 eigentlich gewesen sein sollte. Anstatt mit der Prämisse eines imaginären Freundes, der in das Erwachsenenleben seines Erfinders zurückkehrt, Geistes-betäubenden Unsinn anzubieten, entwickelt Der Killer in mir ein pechschwarzes Konzept und behandelt den unsichtbaren Partner als treibende Kraft für den übergreifenden Wahnsinn. Die Co-Autoren Adam Egypt Mortimer (der auch Regie führt) und Brian DeLeeuw (der seinen Roman von 2009 adaptiert) spielen nicht mit der Geschichte herum und verwandeln den Kampf eines jungen Mannes um geistige Gesundheit in eine gewalttätige Reise, die durch Geisteskrankheiten, kosmische Gefahren und destruktives Verhalten kreuzt. Es ist manchmal ein unbeholfenes Unterfangen, aber ein faszinierendes, das tapfer Niedlichkeit vermeidet, um in der Hölle zu verweilen, wo Mortimer sich am wohlsten fühlt.

Als Junge erlebte Luke (Miles Robbins) ein gewaltiges Trauma, als er seiner Mutter Claire (Mary Stuart Masterson) dabei zuschauen musste, wie sie gegen Schizophrenie kämpfte und dabei ihre Familie zerstörte. Um mit solchen Schrecken zu Hause und in der Welt da draußen besser zurecht kommen zu können, beschwört Luke Daniel (Patrick Schwarzenegger) herauf, einen imaginären Freund, der viel mehr ist als nur ein Spielgefährte. Daniel drängt Luke dazu unabhängig zu werden und hilft dabei ein spezielles Getränk zuzubereiten, das Claire töten soll. Bald auf symbolische Art und Weise in Omas altem Puppenhaus eingesperrt, verschwindet Daniel aus dem Blickfeld und lässt Luke erwachsen werden, der nun vor sozialen Herausforderungen auf dem College steht. Als Claire den Kontakt zur Realität verliert, beschließt Luke sich wieder mit Daniel zu vereinen, damit sein Kumpel ihn zu extremen Verhaltensweisen führen kann. Außerdem verleiht ihm Daniels Auftauchen zudem Selbstvertrauen in der Romanze zu Cassie (Sasha Lane), einer Künstlerin, die auf Lukes ungewöhnliche Art anspringt. Daniel kehrt jedoch schnell zu seinen dunklen Tendenzen zurück und sorgt somit dafür, dass sein wahres Ich in ein emotionales Chaos gestürzt wird, das immer mehr außer Kontrolle gerät. Luke ist nämlich plötzlich nicht mehr in der Lage, die Entität zu kontrollieren, die möglicherweise doch keine Erfindung seiner Vorstellungskraft repräsentiert, sondern eine Warnung vor dem, was mit seinem eigenen fragilen psychologischen Zustand einhergeht.

Die Zuschauer lernen Luke als Kind kennen, wo er den Schrecken seines Zuhauses ausgesetzt ist und beobachtet, wie seine Eltern wegen Claires Geisteszustands aneinander geraten. Seine Mutter lehnt Medikamente ab und begrüßt die Instabilität, was Luke dazu inspiriert wegzulaufen, nur um die Folgen einer Massenerschießung in einem örtlichen Restaurant mitzuerleben, bei der er zum ersten Mal unvorstellbare Gewalt erlebt. Bald darauf wird Daniel geboren, wobei das Drehbuch eine direkte Analyse von Lukes Spaltung vermeidet, um den Moment zu genießen, in dem das einsame Kind endlich einen Kumpel bekommt, der ihn versteht, wobei das Paar auch gefährlichen Unsinn verzapft. Frühe Szenen beschreiben jubelnde Energie und Schutz vor häuslichen Realitäten, doch die Dinge verdunkeln sich, sobald Daniel sich ausgedacht hat, wie man Claire beiseite räumen kann: er veranlasst Luke dazu seine Mutter mit einer Überdosis Pillen zu töten. Sie überlebt und Daniel wird verbannt, in ein Puppenhaus, um Luke eine Pause von dessen giftigen Einfluss zu verschaffen.

Der Rest von Der Killer in mir folgt einem erwachsenen Luke, der versucht die Anforderungen des College-Lebens zu erfüllen, mit einem rüpelhaften Mitbewohner zusammenlebt und sich bemüht mit seiner Klasse Schritt halten zu können. Wieder ist er allein, doch er ist sich auch Claires Abwärtsspirale bewusst, als sie sich in ihrer Schizophrenie verliert und Luke sie in einer Pflegeeinrichtung abliefert. Jetzt sieht er sich mit seinen eigenen Problemen allein gelassen, weswegen er Daniel aus seinem Puppenhausgefängnis befreit, um wieder zu leben und die Kameradschaft zu spüren, während die Jungs Partys veranstalten und die Stadt erkunden. Dieses Wiedersehen löst für Luke natürlich neue Probleme aus, doch Der Killer in mir ist mehr an der Verführung der Verwirrung interessiert. Der Film zeigt seinen Zuschauern, wie Luke auf Daniels Drängen hin den Kontakt zu Frauen sucht, einschließlich Cassies. Außerdem legt er sich mit der Fotografie ein Hobby zu, was ihm Identität verleihen soll. Der imaginäre Freund zieht seinen Kumpel aus den Schatten, ermutigt dabei allerdings nur seine dunkle Seite, während Luke versucht, seinen Kopf über Wasser zu halten, indem er regelmäßig seinen Therapeuten Dr. Braun (Chukwudi Iwuji) besucht, der langsam begreift, was im Verstand seines Patienten vor sich geht.

Der Killer in mir zieht es vor in einem Zustand der Täuschung zu verweilen, wobei das Drehbuch die Grausamkeit von Schizophrenie auf einzigartige Weise thematisiert. Daniel wird so etwas wie ein Marionettenspieler, der Luke zu gefährlichen Handlungen zwingt. Wenn dies fehlschlägt, versucht er die physische Kontrolle über Lukes Körper zu übernehmen, um fleischliche sowie gewalttätige Freuden kosten zu können. Mortimer arrangiert mehrere Freak-Outs sowie Nervenzusammenbrüche und verwendet surreale Bilder sowie Spezialeffekte, um zu entnerven und zu verstehen. Der Film stellt kein Rätsel dar, sondern einen langsamen Abstieg in den Wahnsinn, während Luke sich selbst um die Kontrolle über seinen Verstand bekämpft. Es gibt tonale Extreme, die sich von Mortimer loslösen, doch er widmet sich der Sache mit Hingabe, wird manchmal psychedelisch und dämonisch, um die visuelle Intensität zu erhöhen. Es gelingt ihm die Kernpartnerschaft zwischen einem mitgenommenen jungen Mann und der Erfindung seiner Vorstellungskraft, die wahrscheinlich will, dass er stirbt, hervorragend zu vermitteln.

Der Killer in mir erhält von Ascot Elite Home Entertainment eine würdige Blu-Ray Veröffentlichung, die auf technischem Gebiet äußerst gelungen ist. Das Bild wird in 1080/24p High Definition (2,39:1) präsentiert und lässt keine Wünsche offen. Beim Ton verhält es sich genauso. Die beiden Tonspuren (deutsch und englisch DTS-HD 5.1) klingen super. Deutsche Untertitel können auch angewählt werden. Als Extras wurden der deutsche und englische Trailer auf die Blu-Ray gepackt. Der Killer in mir wird nicht jedermanns Sache sein aber wer Glass (2019) und/oder Nomis – Die Nacht des Jägers (2018) mag, der kommt um diesen Film nicht herum.

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  • Seitenverhältnis : 2.39:1
  • Alterseinstufung : Freigegeben ab 16 Jahren
  • Regisseur : Mortimer, Adam Egypt
  • Medienformat : Breitbild
  • Laufzeit : 1 Stunde und 40 Minuten
  • Darsteller : Schwarzenegger, Patrick, Lane, Sasha, Robbins, Miles, Schwarzenegger, Patrick, Lane, Sasha
  • Untertitel: : Deutsch
  • Studio : Ascot Elite Filmverleih

Diese Blu-Ray sowie das Bildmaterial wurde uns freundlicherweise von Ascot Elite zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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