Der Manitou

Manitou

The Manitou (Der Manitou) ist ein Horrorfilm aus dem Jahr 1978 von William Girdler. Die Story: Der Tarot-Kartenleger Harry Erskine (Tony Curtis) bekommt einen panischen Anruf seiner alten Flamme Karen Tandy (Susan Strasberg). Er soll ihr helfen, denn irgendwas ist mit ihr los das sich die Mediziner im Krankenhaus allesamt nicht erklären können. An ihrem Nacken wächst so etwas wie ein Tumor der immer größer wird. Das Problem ist nur: es ist kein Tumor. Als sich mysteriöse Todesfälle in Karens Umkreis ereignen, suchen die beiden die Hilfe eines Medizinmanns (Michael Ansara). Der kommt zum Schluss, dass ein viele hundert Jahre alter Dämon in Karen heranwächst, mit dem es nur ein ebenso mächter Manitou aufnehmen könnte. Es beginnt ein Kampf um Leben und Tod – und zwischen „Medizin“ höchst überirdischer Art.

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Was für ein Trip! Der Manitou beginnt sachte und baut eine unheimliche Stimmung auf, bis er dann so richtig Gas gibt. Ich konnte Friedkins altem Exorzisten ja nichts abgewinnen (der ist viel zu schlecht gealtert), aber hier bekam ich echte Gänsehaut. Wo am Anfang das Sudio Canal Intro kommt glaubt man sich erstmal noch in der Sicherheit von Mainstream-Kino, doch relativ bald wird klar das der Film es faustdick hinter den Ohren hat. Satte kills, derbe Splatter-Effekte, freche Sprüche und keine große Sorge um Plausibilität. Der Manitou geht zur Sache. Bei einem potentiellen Duell William (Friedkin) vs. William (Girdler) wüsste ich wen ich als Gewinner küren würde (und ich habe grundsätzlich kein Problem mit Friedkin, den Exorzisten mal ausgenommen). 

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Dabei hilft ein ziemlich eingängiger und unheimlicher Score von Lalo Schifrin (Enter the Dragon) und letztlich doch eine Reihe von ehrlich abgefahrenen Effekten, die heute zwar etwas bieder aussehen, aber immer noch sowohl überzeugen können als auch darlegen, wie bahnbrechend sie damals gewesen sein mussten. Gegen Ende des Films bricht wahrhaft die Hölle aus und das sieht man – Effektespezialisten aus dem Lucasfilm Umfeld haben geholfen. Wenn das Tor zum Paralleluniversum aufgeht darf man(n) dann auch noch – um die Erwachsenenfilm-Kredenzen zu gewinnen – etwas Nackheit bestaunen, bevor der Film vollens mit der Realität Schluss macht und dem Zuschauer ein für alle mal klar macht: so ein Indianerdämon ist kein Zuckerschlecken….

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Der Regisseur starb leider kurz nach Fertigstellung von Der Manitou bei einem Hubschrauberunglück Ich musste dabei irgendwie darüber nachdenken, ob das nicht die ganz große Nummer im Genre-Regiebereich geworden wäre, ich sag mal Peter Jackson mäßig. Denn Der Manitou ist trotz aller Peinlichkeiten (da gehört die Performance von Curtis auch ein klein wenig dazu) aus heutiger Sicht enorm kreativ und innovativ, vor allem zu Anfang saumäßig creepy und die Effekt brauchen sich für die damalige Zeit auch nicht verstecken. Girdler, der neben diesem Prachtwerk auch die durchaus bekannten Filme Sheba, Baby (Blaxploitation), den erfolgreichen Grizzly (Tier-Horror) und sein – so sagen manche – Magnum Opus Abby (mit diesem hier vergleichbarer Grusel) verantwortet hat, hätte sicherlich weiterhin großartiges zum Genrekino beitragen können.

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Das Mediabook von Koch Films gibts in der unten abgebildeten Variante exklusiv bei Amazon. Das Bild sieht ziemlich gut aus und kann mit tollen Farben und kontrasten punkten, auch wenn es in manchen Szenen etwas schwächelt, an denen das Material vermutlich etwas verblasst ist. Der Ton klingt recht solide (Englisch getestet) haut aber niemanden um. Wenigstens ein paar notwendige Tiefen sind da, und an Dynamik ist die Spur auch noch ausreichend, somit passt das zur Horror-Natur des Films. Es gibt dazu noch die deutsche Synchronfassung, sowie Untertitel ebenfalls in beiden Sprachen. An Extras gibt es zum einen ein umfangreiches Interview mit dem Autor der Vorlage, Graham Masterson (28min), der von dem Film damals als Interpretation seiner Story sehr zufrieden war. Hinzu kommt ein wichtiges Interview mit Produzent David Sheldon (15min) in dem er sich vor allem auch an William Girdler erinnert. Das Interview mit Effekt-Künsteler Tom Burman (13min) beleuchtet die interessanten Effekte des Films, die für seine Zeit sehr progressiv waren – und auch unheimlich finde ich. Es gesellt sich hinzu die Super8 Version, einige Trailer und TV Sports sowie eine Bildergalerie. Auf der DVD befindet sich einmal das gleiche Programm. Schade dass der Audiokommentar von der US Scheibe nicht mit dabei ist. Noch ein Wort zur US-BluRay: bei der hat man die Wahl zwischen der original Mono-Spur und einer neuen Stereo-Abmischung.

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Die Bluray wurde uns freundlicherweise von Koch Films zur Verfügung gestellt. Screenshots via DVDBeaver.

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info und FuriousCinema.com

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1 Antwort

  1. 4. Mai 2020

    […] und vor allem extrem unterhaltsamer Film“. Da gehe ich mit. Sebastians dicker Empfehlung „Der Manitou“ traue ich mal (auch wenn ich nicht denke, dass wir beim Thema „Exorzist“ zu einer Einigung […]

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