Der Polyp – Die Bestie mit den Todesarmen

Der Polyp (im Original Tentacoli, international als Tentacles bekannt) ist der vierte Film in der Creature Feature Reihe von Koch Films. Der Jaws-Klon von 1977 entstand unter der Ägide von Ovidio Assonitis und wartet u.a. mit John Huston (African Queen), Bo Hopkins (American Graffiti) und einem Gastauftritt von Henry Fonda (Spiel Mir Das Lied vom Tod) auf.

Der Lokaljournalist Ned Turner (John Huston) untersucht mysteriöse Fälle entlang der kalifornischen Küste. Fischer, Taucher, und gar ein Baby, sind verschwunden. Teilweise tauchen die Leichen, abgenagt bis auf die Knochen, wieder auf. Seine Frau Tillie (Shelley Winters) bereitet gerade die Kids auf eine Regatta vor, da verdichten sich die Anzeichen dafür, dass es entweder Untersee-Bohrungen von Trojan Constructions – deren Eigentümer ein vorsichtiger Herr Whitehead (Henry Fonda) – sind, die möglicherweise ein Monster aufgeschreckt haben, oder vielleicht gar Radiowellen generell, die einen Riesenoktopus anziehen. Turner wendet sich an den Ozeanologen Gleason (Bo Hopkins), der ein Orca-Aquarium unterhält, um der Sache auf den Grund zu gehen. Weitere Taucher sterben, als klar wird, der Oktopus muss gestoppt werden….

Tentacles / Der Polyp

Mit einem doch recht überzeugenden Staraufgebot glänzt dieser Abklatsch im Stil von Jaws, von dessen Sorte es nach Spielbergs Riesenerfolg eine ganze Menge gab. Während jedoch damals ein Sheriff Brody ganz klar die Hauptrolle einnahm, vergisst man hier recht schnell dass ein Claude Akins den Polizisten spielt, er wird zu einer Neben-Nebenrolle degradiert, und auch Huston selbst, der große Regisseur, kommt kaum zur Geltung. Warum? Regisseur und Produzent Ovidio Assonitis ist zu stark damit Beschäftigt das doch scheinbar nicht so kleine Budget für Landschaftsaufnahmen, Tauchgänge und Musik zu verbraten, als sich Gedanken zu machen, worum es sich in dem Film denn eigentlich handelt. Da passiert viel Effekthascherei, aber eine dramatische Story kann sich trotz der Überlänge leider nicht entwickeln.

Tentacles / Der Polyp
Wird der Nachteil zum Vorteil? Die hervorragende, aber an den dramatischen Szenen eher unpassende, Musik des legendären Komponisten Stelvio Cipriani (der hier als S.W. Cipriani werkelte) dürfte vom Stil her den Italo-Kino Fans sehr bekannt vorkommen. Auch der Co-Autor Tito Carpi ist nicht ganz unbekannt. Dass drei Drehbuchautoren am Ende den Brei vermasseln, überrascht vielleicht nicht ganz. Der unter dem Pseudonym Oliver Hellmann arbeitende Regisseur kann sich einfach nicht so recht entschließen, ob es ein Horrorfilm mit Schreckeffekten sein soll oder eine mit viel Atmosphäre und Stimmung kaschierte TV-Produktion.

Tentacles / Der Polyp Tentacles / Der Polyp

Letzten Endes ist Tentacles, pardon, Polyp, ein halbwegs unterhaltsamer, optisch gut gemachter kleiner 70er Film, der leider weder erschreckt noch Spannung erweckt. Viel Potential ging hier den Bach runter, leider, und das lag bestimmt nicht am Budget, sondern einfach nur am fehlenden Können des Regisseurs, denn alle wichtigen Puzzleteile lagen eigentlich parat. Klassische Exploitation also letztendlich, viel reisserische Poster, Andeutungen und große Namen, aber wenig dahinter. Dafür kann die BluRay umso mehr. An Sprachoptionen liegen Deutsch und Englisch vor (letztere ist zu bevorzogen, dann kriegt man die Originalstimmen von Huston, Fonda, etc.), ebenso mit Untertiteln. An Extras gibt es nur ein paar Trailer und TV, sowie Radiospots. Die Bluray bietet zum einen hervorragende Bildqualität, vor allem auch die Unterwasserszenen sehen fantastisch aus, zum anderen ist der Ton ist ebenso sehr gut und die schöne Musik von Cipriani kommt voll zur Geltung. Qualitativ kann man hier also überhaupt nicht meckern, und gerade das macht es zu einer wunderbaren Wiederentdeckung, auch wenn der Film selbst nicht so recht überzeugen kann. Das ganze im schicken Pappschuber, und schon ist die Creature Feature Sammlung bei Nr. 4 angelangt. Wir bleiben am Ball.

Bei Amazon bestellen

Der Polyp - Die Bestie mit den Todesarmen BluRay

Die BluRay wurde uns freundlicherweise von Koch Media zur Verfügung gestellt.

Weitere Creature Feature Kritiken bei Nischenkino: In der Gewalt der RiesenameisenTarantula

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info, TripleFeatureFoundation.org und FuriousCinema.com

Das könnte Dich auch interessieren …