Der Scharfschütze

The Gunfighter (Der Scharfschütze) ist ein schwarz-weiß Western aus dem Jahr 1950 mit Gergory Peck. Darin spielt er den legendären Revolverheld Jimmy Ringo (Gregory Peck), der in Notwehr in einem Saloon den großmäuligen Eddie (Richard Jaeckel) abknallen müss. Damit seine drei Brüder ihn nicht aus Rache umnieten, zieht er los, die Brüder hinter ihm her. Er kann sie in der Wüste stellen und schick sie ohne Pferd weiter. Er macht sich nach Cayenne, wo ihn flugs der Barkeeper Mac (Karl Malden) and den örtlichen Marshall Mark Strett (Millard MItchell) verpetzt. Die beiden sind jedoch alte Bekannte. Blöd nur, dass Ringos Ruf ihm vorauseilt, und er als blutrünstiger Revolverheld verschrien ist, was die ganze Stadt aus dem Häuschen bringt – obwohl er doch eigentlich nur in der Stadt ist um seine alte Liebe Molly (Jean Paker) wieder zu sehen. Die freut sich nicht so richtig darauf, ihn zu sehen… andere in der Stadt, darunter auch welche mit einer offenen Rechnung, dafür umso mehr….

Der Film greift ein oft wiederkehrendes Motiv des moralischen Westernklassikers auf: So sehr das Genre auch das Gesetz des Stärkeren propagiert, seine Revolverhelden ehrt und die rauen Sitten des Wilden Westens hochstilisiert, so sehr war es sowohl früh im Genre selbst als auch im echten wilden Westen dennoch nicht „normal“ oder akzeptiert, viele Menschenleben auf dem Gewissen zu haben. Die Sensationsgier schon damals einerseits, und die Art und Weise wie sich Nachrichten verbreiteten (langsam und realitätsverzerrend) andererseits, trugen dazu bei, dass solche Menschen die mit der Waffe recht talentiert waren – wie Ringo – Notwehr hin oder her, schnell einen bestimmten Ruf weg hatten, welcher dann oft einen gewissen Pfad vorweg nahm, dem sie nicht entkommen konnten. Sorry, was für ein langer Satz. Kurzum: Ringo ist nicht in Cayenne um irgend jemand zu erschießen, aber die Tatsache dass er das schon mal gemacht hat (warum ist egal), führt dazu dass es zu Konflikten kommt. Die alten Weiber wollen dass der Marshall ihn aus der Stadt jagt. Warum? Er hat nichts verbrochen in Cayenne, wird nicht gesucht und ist den Frauen noch nicht einmal begegnet. Egal, man will dieses Element nicht in der Stadt haben. Die Ironie des ganzen ist natürlich dass dieser anarchisch-präemptive Vigilantismus (nein den Begriff gibt es natürlich nicht) erst recht eine Art von Gesetzlosigkeit darstellt. In typisch Amerikanischer Manier ist alles auf Kopf, und die Figur des Ringo wird somit eine tragische.

Regisseur Henry King liefert hier großartiges Spätwerk ab (für ihn jedenfalls spät, in seiner über hundert Einträge zählenden Filmografie), das genauere Beobachtung verdient als ich sie filmhistorisch leisten könnte. Peck spielt Ringo großartig, er ist ein von der Skepsis und Sensationsgier der Stadtbewohner getriebener Durchreisender. Er weiß ganz genau: entweder jemand stellt ihn zum Duell und er wird genau das, was alle von ihm glauben dass er ist. Oder, er zieht weiter, ergibt sich der gesellschaftlichen Tatsache, und lässt seinen Traum vom Familienglück zurück und sucht das Weite. Doch kann er je irgendwo hin wo er nicht sofort zum „Gunfighter“ erkürt wird? Der gutmütige Marshall ist ebenfalls heillos mit der Situation überfordert, und so bietet The Gunfighter eine herrlich dramatische Variante von High Noon, bei der anders als bei Gary Cooper völlig unklar ist wie es endet, aber man weiß dass es tragisch enden wird. Der Film ist dabei exzellent gespielt und editiert, er ist keine Minute langweilig und geizt nicht mit Details – eigentlich ein wirklich hervorragender Western.

Die BluRay ist solide, obgleich die Bildqualität aufgrund des in die Jahre gekommenen Bildmaterials nicht viel zu bieten hat. Der Ton ist auch völlig in Ordnung, schön dass es Untertitel sowohl auf Deutsch als auch Englisch gibt. Extras neben Trailern keine Vorhanden. Insgesamt etwas für Komplettisten was die Scheibe angeht, aber – siehe oben – insgeheim doch ein Kleinod und ein often übersehener Meilenstein des Genres.

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Die BluRay wurde uns freundlicherweise von Koch Films zur Verfügung gestellt, in deren Vertrieb der Film erscheint.

 

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info und FuriousCinema.com

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