Der Tanz der Hexen / Streghe / Witch Story

Wir schreiben das Jahr 1932. Sie war mit dem Satan im Bund, bis man ihrem grausamen Treiben ein Ende setzte und ihren Körper im lodernden Feuer verbrannte. Nur ihre kleine Tochter überlebte das Massaker. Allerdings stürzte sie sich in den Tod! 57 Jahre mied man den Ort des Geschehens, ein abseits gelegenes Haus. Die schreckliche Geschichte wurde scheinbar vergessen. Eine Gruppe junger Leute bezieht das leer stehende Haus, um dort einen unbeschwerten Urlaub zu verbringen. Doch der alte Fluch erfüllt sich und holt einen nach dem anderen ein! Welche Rolle spielt der alte Priester, der die Geschehnisse von damals miterlebte und immer noch in der Gegend wohnt? Eine alles entscheidende Nacht des Grauens bricht an! Kann sich der Fluch erfüllen oder kann er gebrochen werden? (X-Rated)

Ja, es ist nicht seltsam, dass Witch Story in einigen Gebieten als Superstition 2 veröffentlicht wurde, da sich die beiden Streifen in Stil und – mehr oder weniger – Geschichte ziemlich ähnlich sind. Das Drehbuch ist, gelinde gesagt, ziemlich generisch gehalten, doch Alessandro Capone war ein kompetenter Regisseur, weswegen der Film wie eine Million Euro aussieht. Oder mindestens eine halbe Million. Oder vielleicht fast eine Viertelmillion, um ehrlich zu sein. Wie auch immer, die Kinematographie ist als hervorragend zu bezeichnen, ebenso wie das visuelle Geschichten erzählen. Ausnahmsweise hatte dieser italienische Horrorfilm aus dem Ende der 80er Jahre auch einen Bühnenbildner an Board, der sich tatsächlich darum kümmerte etwas Vernünftiges mit den Schauplätzen anzufangen, anstatt nur ein Gemälde schief aufzuhängen. Tanz der Hexen strotzt nur so vor Atmosphäre und ist so fantastisch ausgeleuchtet, dass sich jede Aufnahme wie ein Kunstwerk gestaltet.

Wenn es doch nur ein besseres Skript gäbe, denn hier gibt es absolut nichts Neues zu entdecken. Die Jugendlichen streiten sich und haben Sex, gehen alleine weg und werden getötet, hören lahme Rockmusik und alle haben diesen besonderen, gerade nicht besonderen Look, den die Italiener so sehr liebten, als sie damals junge Möchtegern-Schauspieler in den USA gecastet haben. Hat man viele dieser italienischen Produktionen gesehen, die zwischen 1985 und 1990 in den USA gedreht wurden, so kann man die Besetzungen normalerweise wiedererkennen. Nein, es sind meistens nicht die gleichen Schauspieler, aber es handelt sich um die gleichen Charaktere. Was sich wie eine sehr zurückhaltende Parodie amerikanischer Teenager anfühlt, weniger albern als in lokalen Produktionen, jedoch auch ohne jegliches Charisma. Witch Story hat eine etwas bessere Besetzung zu bieten, als viele andere Filme des Genres, was den Streifen allerdings nicht daran hindert, einige der schlechtesten Schauspieler dabei zu haben, die man bisher gesehen hat – und hier schaut man Pierre Agostino an, der schlafwandelnd seinen Weg in einer wichtigen Rolle als Priester geht.

Die Jugendlichen selbst sind eigentlich in Ordnung und es scheint – aber man liegt hier wahrscheinlich wieder einmal falsch – ein paar Szenen von Improvisation zu geben, die besser funktionieren, als man gedacht hätte. Das Streitgespräch zwischen den Kids, besonders das zu Tisch, klingt beinahe schon realistisch. Wie steht es denn dann mit dem Gore!? Nun, Tanz der Hexen gestaltet sich nicht besonders gory, ist aber brutal sowie enorm blutig und liefert auf diese Art und Weise ab. Man würde sich jedoch etwas mehr an grafischer Gewalt wünschen, nicht nur billige „Messerstechereien“. Das soll allerdings nicht bedeuteten, der Film wäre lahm oder Ähnliches. Letztendlich stellt er sich sadistischer und dunkler dar, als zum Beispiel Umberto Lenzis ähnlich gearteter und großartiger La casa 3 (Ghosthouse, 1988).

X-Rated veröffentlicht Tanz der Hexen als Nummer 57 der X-Rated-Eurocult-Collection im Mediabook (DVD+Bluray) mit drei verschiedenen Covern, die alle limitiert sind. Allerdings ist der Film jetzt auch in der kleinen Hartbox zu bekommen. Bild (1,66:1 / 1080p) und Ton (deutsch und italienisch DD 2.0) bewegen sich auf sehr gutem Niveau, da kann man überhaupt nicht meckern. Deutsche Untertitel können zugeschaltet werden. Die Extras haben einige Highlights zu bieten und zwar einen Audiokommentar von Filmwissenschaftler Dr. Kai Naumann, der wie gewohnt viel Interessantes zu berichten hat sowie ein 20seitiges tenebrarum-Booklet mit dem Titel „Witch Storys“ (nur im Mediabook enthalten) mit Bildern und Beiträgen von Filmanalytiker Martin Beine mit einer Fülle an Information und somit sehr lesenswert. Die weiteren Boni bestehen aus einer 42minütigen Dokumentation „An Italian Witch in Florida“, unter anderem mit Regisseur Alessandro Capone, Kameramann Roberto Girometti und dem Komponisten Carlo Maria Cordio, die neben internen Produktionsinfos auch viel über die wahre Hexenjagd in Florida berichten – 44 Minuten Original Casting von „Witchstory“, persönlich zur Verfügung gestellt von Regisseur Allessandro Capone – Hinter den Kulissen von „Witchstory“ – Original Set-Fotos aus dem Privatarchiv des Regisseurs.

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Darsteller: Amy Adams, Ian Bannen, Todd Conner, Gary Kerr, Jason M. Lefkowitz
Regisseur(e): Alessandro Capone
Sprache: Italienisch (Dolby Digital 2.0), Deutsch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Deutsch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.66:1
FSK: Nicht geprüft
Studio: X-Rated
Produktionsjahr: 1989
Spieldauer: 97 Minuten

Diese BluRay wurde uns freundlicherweise von X-Rated zur Verfügung gestellt.

Leider war es uns nicht möglich eigene screenshots anzufertigen.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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