Der Todesschrei der Hexen / Cry of the Banshee

England im 16. Jahrhundert: Nachdem Lord Edward Whitman viele Gefolgsleute der Hexe Oona niedermetzeln ließ, belegt die heidnische Priesterin den Lord und seine Familie mit einem Fluch. Sie beschwört einen teuflischen Rächer herauf, der in der Gestalt eines Hundes den grausamen Fluch erfüllen soll. Nachdem sein Sohn Sean der Bestie zum Opfer gefallen ist, leitet Whitman eine Treibjagd ein und erledigt den vermeintlichen Übeltäter. Kurz darauf wird jedoch auch seine Tochter Patricia ermordet. Pater Tom und Harry finden Oona. Von ihr erfahren sie, dass Roderick – ein mysteriöser Fremder – der Teufel in Menschengestalt ist und als dämonischer Hund seine Opfer fordert. Bevor Roderick auch seine Tochter Maureen tötet, will Whitman ihm den Garaus machen … (Ostalgica)

Man schreibt das sechzehnte Jahrhundert und Lord Edward Whitman (Vincent Price) ist der Magistrat, der mit eiserner Faust über einen Teil Englands regiert, insbesondere wenn es um Hexerei geht. Er duldet die heidnischen Künste gemäß dem Gesetz des Landes nicht und wenn er oder seine Männer eine Frau finden, die sich diesen Künsten hingegeben hat, lässt er sie seinen schrecklichen Zorn spüren, foltert oder tötet sie sogar. Dies alles geschieht natürlich nur aufgrund seiner Zufriedenheit vor Gott und seiner persönlichen sadistischen Ader. Heute beaufsichtigt er die Verurteilung einer dieser Hexen und nachdem sie mit dem Mal des Ketzers gebrandmarkt worden ist, sorgt er außerdem noch dafür, dass sie vorgeführt sowie durch die Straßen gepeitscht und dann zur Strafe an den Pranger gestellt wird – sie hat allerdings das „Glück“ mit ihrem Leben davon zu kommen. Kann sich denn niemand dieser Tyrannei entgegenstellen?

Um 1970 herum, an der Schwelle der sechziger Jahre in das folgende Jahrzehnt, gab es eine ganze Flut von britischen Horrorfilmen, die es sich zur Aufgabe gemacht hatten, die Möglichkeiten der Hexerei, ja sogar der Teufelsanbetung, unter jungen Menschen in den Vordergrund zu rücken. So waren es berühmte Kult-Titel wie Witchfinder General (Der Hexenjäger, 1968, in dem auch Vincent Price und Hilary Dwyer mitspielen) und The Blood on Satan’s Claw (In den Krallen des Hexenjägers, 1971), die ein Publikum anzogen, das diese Filme auch heute noch als haltbare Kulturgüter ansieht. Cry of the Banshee ist zu den Filmen dieses kurzen Wahns zu zählen und repräsentiert gleichzeitig eines der unbeliebtesten Exemplare, das als Abfallprodukt galt und Vincent Price wieder einmal die Möglichkeit gab, eine allzu vertraute Vorstellung abzuliefern.

Doch die Siebziger meinten es ziemlich gut mit dem Star, vor allem, weil er den historischen Schockern den Rücken kehrte und sich auf zeitgenössischere Kost konzentrierte. Filme, wie den hier besprochenen, konnte man später höchstens noch im Nachtprogramm des Fernsehens wiederfinden und dann auch nur in einer geschnittenen Fassung. Durch eine DVD-Veröffentlichung im frühen 21. Jahrhundert erfuhr der Streifen eine Verbesserung und wurde aufgrund dessen von denen wiederentdeckt, die sein Gespür für die feindliche Atmosphäre der damaligen Zeit zu würdigen wussten. Denn zu diesen Zeiten musste man sich mit den Autoritäten gut stellen, da es ansonsten schnell passieren konnte, dass man als Sündenbock missbraucht oder noch schlimmer als Staats- und/oder Gottesfeind angesehen wurde, was letztendlich zu Folter und Tod führte.

Egal, ob man nun unschuldig war oder nicht, der bloße Anspruch, einen anderen Weg durchs Leben gehen zu wollen (weg von der Heuchelei der sinnlos restriktivsten Regeln der Gesellschaft), sei es zu lieben, in wen man sich verliebt hat oder nicht in den Krieg ziehen zu wollen, hätte zu Streitereien oder Schlimmerem mit den Mächtigen geführt. Man kann sich schon denken warum diese Filme eine kurze Modeerscheinung dargestellt haben, oder etwa nicht? Ganz genau, die jungen Menschen, die wir hier sehen, waren die Stellvertreter der Blumenkinder, der Hippies, die die westliche Gesellschaft mit ihrem Gerede von Frieden und Liebe aufgerüttelt hatten und aus irgendeinem Grund zielten es Exploitation-Filmemacher auf dieses Publikum ab, indem sie Biker-Filme oder Hexenflicks drehten (manchmal vereinten die Filme sogar beide Themen, siehe Psychomania aka Der Frosch, 1973). Obwohl sich die Banshee (ein weiblicher Geist, dessen Jammern einen bevorstehenden Tod ankündigt) des Titels auf ein gelegentlich zu hörendes Heulen beschränkt und man keinen Blick auf die irische Volkslegende oder ihre Insignien werfen kann, befindet sich dieser Streifen dennoch in Verbindung mit den Geheimnissen der Natur.

Zumindest auf den ersten Blick, denn Der Todesschrei der Hexen war offensichtlich mehr daran interessiert, verschiedenen geschlechtsreifen Schauspielerinnen in diversen „Folterszenen“ die Kleider vom Leib zu reißen. Regisseur Gordon Hessler hält die Handlung mit einiger Begeisterung am Laufen, auch wenn ein „leichter“ Mangel an Kohärenz vorhanden ist. Die Grundidee wurde allerdings verstanden: Es gibt ein Monster in der Gegend, das von den stark verfolgten Hexen (angeführt von Oona – Elizabeth Bergner, die für einen Hippie etwas zu alt geraten ist) hervorgebracht wurde und unter den Bösewichten des Films Unheil anrichtet. Diese Schurken werden selbstverständlich von Vincent Price angeführt, der es sehr gut versteht diese Rolle (die für ihn bereits zur Routine geworden war) auf seine ganz eigene professionelle Art und Weise überzeugend anzulegen. Die Identität des besagten Monsters (eine Art Werwolf) sollte wohl eine Überraschung darstellen, obwohl der Film nur einen Charakter hergibt, der es hätte verkörpern können. Die Besetzung hält neben Hugh Griffith als Totengräber noch den Sexploitation-Star Essy Persson sowie Patrick Mower bereit, der hier wohl eher wegen seines brutal guten Aussehens, als wegen seiner schauspielerischen Fähigkeiten engagiert worden ist. Sally Geeson (Im Todesgriff der roten Maske, 1969) taucht auch für eine Szene auf. Bei Cry of the Banshee handelt es sich keineswegs um einen vergessenen Klassiker, doch im Kontext seiner Zeit ist der Film in seiner ungeschnittenen Form sicherlich einen Blick wert. Musik von Wilfred Josephs (oder Les Baxter in der US-Veröffentlichung von A.I.P.).

Der Todesschrei der Hexen erscheint im Rahmen der Ostalgica Classic Chiller Collection in einer Blu-Ray Edition. Das Bild wird im 1,85:1 Format (1080p, AVC, 23,976fps) präsentiert und macht (bedenkt man das Alter des Films) einen wirklich guten Eindruck, während auch beim Ton kein Grund zur Beschwerde besteht. Hier kann man zwischen der englischen und deutschen Spur (DTS-HD Master Audio 1.0) wählen, die sich beide klasse hören lassen. Möchte man sich den Film lieber im Originalton ansehen, so stehen englische Untertitel zur Verfügung. Als Extras beinhaltet die Combo, neben dem Deutschen Trailer zum Film und einem alternativen dt. Anfang, noch einen US-Trailer, einen US-TV-Spot, einen US-Radio-Spot, eine Bildergalerie sowie die UK- und US-Fassungen. Als besonderes Extra wurde der Bonusfilm Der Massenmörder von London von Roger Corman in die Veröffentlichung gepackt. Die klasse Edition kommt in einem ansprechend gestalteten Papp-Schuber daher und hat auch ein unterschiedliches Covermotiv zu bieten. Ostalgica gelingt eine tolle Veröffentlichung eines kleinen Horrorfilms, der es sicherlich nicht vermag im Fahrwasser der ganz Großen des Sub-Genres mit zu schwimmen, es aber dennoch versteht sein Publikum einigermaßen zu unterhalten. Auf jeden Fall einen Blick wert!

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  • Seitenverhältnis: 16:9 – 1.85:1, 16:9 – 1.77:1
  • Alterseinstufung: Freigegeben ab 16 Jahren
  • Regisseur: Hessler, Gordon
  • Laufzeit: 1 Stunde und 31 Minuten
  • Darsteller: Price, Vincent, Bergner, Elisabeth, Persson, Essy, Griffith, Hugh, Mower, Patrick
  • Untertitel: Englisch
  • Studio: Ostalgica

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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