Der Vernichter / Flash Solo / Il giustiziere sfida la città / Syndicate Sadists / Rambo’s Revenge

Die berüchtigte „Conti Gang“ kidnappt den Sohn des Mailänder Großindustriellen Marsili. Ein Privatdetektiv, der Conti auf die Spur kommt, wird ermordet aufgefunden. Sein gerissener Bruder Rambo – ein wilder Motorradfreak, schwarzes Schaf und Wunderkind – setzt sich im Auftrag der Kripo auf die Fährte der Gangster. Gegen die Übermacht benutzt er einen raffinierten Trick: 5 Millionen Lösegeld stehen im Feuer. Das riecht weit und sticht auch dem mächtigen Mafiaboss Paternò, dem Erzrivalen von Conti, in die Nase. Rambo spielt die beiden gegeneinander aus. Ein mörderischer Privatkrieg ohne Beispiel bricht los… (Ledick Filmhandel GmbH)

Kurzinhalt inkl. Spoiler !!!

Mailand. Ein Biker namens Rambo (Tomas Milian) – ein Ex-Gangster, der zu einem Vigilanten geworden ist – fährt in die Stadt ein, um einen alten Freund, Pino Scalia (Mario Piave), zu besuchen, der jetzt für eine Sicherheitsfirma arbeitet, die die Aktivitäten der örtlichen Mafia unter die Lupe nimmt. Die Conti-Bande entführt den Sohn des reichen Ingenieurs Marsili (Silvano Tranquilli), während Scalia, der die Männer hinter der Entführung schon bald entlarvt hat, von einem von Contis Männern, Duval (Antonio Casale), getötet wird. Rambo greift ein, um seinen toten Freund zu rächen und den entführten Jungen zu befreien. Zuerst entsorgt er Duval, dann setzt er die zwei Milliarden Lire Lösegeld als Köder ein, um die Bande des alten Paternò (Joseph Cotton) gegen die von Conti (Luciano Catenacci) aufzuhetzen, sodass sich die beiden Fraktionen beinahe gegenseitig vernichten. Obwohl er allein gegen die rücksichtslosen Überlebenden antreten muss, gelingt es Rambo die verbleibenden Banditen zu töten sowie den Jungen freizulassen. Der alte Paternò, nun isoliert und gedemütigt, begeht Selbstmord, während sich Rambo auf seinem Motorrad auf den Weg zu neuen Abenteuern macht.

Trotz des italienischen Titels (der übersetzt so viel bedeutet wie „Der Rächer fordert die Stadt heraus“) hat Umberto Lenzis Der Vernichter nur am Rande mit dem „Rebellenbürger“-Thread zu tun, der am besten von Enzo G. Castellaris Il cittadino si ribella (Ein Bürger setzt sich zur Wehr, 1974) repräsentiert wird. Rambo ist kein von Sorgen gequälter Bürger der Mittelklasse und mit absoluter Sicherheit kein gewöhnlicher. Er stellt eher einen Westernfilmcharakter dar, der in eine zeitgenössische städtische Umgebung versetzt worden ist, einen unehelichen Sohn von Clint Eastwoods Mann ohne Namen (abgesehen von dessen Amoralität), der ein Motorrad fährt, anstatt ein Pferd zu reiten. Darüber hinaus erinnern seine Kleidung, Haltung und Sprache an Milians beliebteste Figur, Nico Giraldi. Rambo trägt einen gewöhnlichen Vollbart sowie eine farbige Strickmütze und hat ein Händchen für ausgefeilte Dialoge. Eine der berüchtigtsten Zeilen des Films werden von Milians „Monolog des Lochs“ repräsentiert („Alles im Leben ist ein Loch: Man wird in einem Loch geboren, man isst durch ein Loch, man scheißt durch ein Loch und man endet in einem Loch“) und datieren das verbale Feuerwerk aus den folgenden Filmen des Schauspielers in der Rolle des unflätigen Polizisten voraus.

Angeblich war es Milian, der den Namen des Charakters vorgeschlagen hatte, nachdem er David Morrells Buch First Blood gelesen hatte. Der Arbeitstitel lautete Rambo fordert die Stadt heraus. Doch obwohl Lenzi Don Siegels urbanen Action-Thriller als großen Einfluss zitiert, leiht sich Vincenzo Manninos Drehbuch großzügig Charaktere und psychologische sowie narrative Entwicklungen aus dem Western aus und bestätigt somit ganz offensichtlich die Abstammung der poliziotteschi vom Western. Milians Rambo stellt eine großstädtische Version des einsamen umherstreifenden Antihelden dar. Er kommt auf seinem Motorrad anstatt auf einem Pferd in der Stadt an, spielt Verbrecherbosse gegeneinander aus (im Stil von Per un pugno di dollari / Für eine Handvoll Dollar, 1964) und verlässt die Stadt schließlich wieder auf seinem Motorrad, nachdem er die rivalisierenden Banden vernichtet und ein entführtes Kind befreit hat. Der Vernichter beinhaltet auch die obligatorische Kneipenschlägerei (Rambo verprügelt ein Paar Schläger in einer Bar mit einem Billardqueue), einen Jungen, der den Helden verehrt (wie es Brandon De Wilde mit Alan Ladd in Mein großer Freund Shane, 1953, George Stevens getan hat) und eine gutherzige Prostituierte (Femi Benussi), die jedoch von den Bösewichten zu Tode geprügelt wird, anstatt mit dem Helden in den Sonnenuntergang zu fahren. Für Romantik ist im Genre des poliziotteschi eben kein Platz vorhanden.

Sogar Charakterdarsteller wie Luciano Pigozzi sehen so aus, als kämen sie gerade vom Dreh einer Pferdeoper, während der Hauptschurke Joseph Cotton eine überraschende Variation von Gabriele Ferzettis gelähmten Eisenbahnmagnaten aus C’era una volta il West / Spiel mir das Lied vom Tod (1968) repräsentiert, da seine körperliche Behinderung (er ist blind) erst am Ende enthüllt wird – manche mögen darin eine unfreiwillige Umkehrung von Cottons Rolle als vorgetäuschter Gelähmter in Mario Bavas Gli orrori del castello di Norimberga (Baron Blood, 1972) wiedererkennen. Das i-Tüpfelchen stellt allerdings Milians ikonischer Insider-Witz dar, als er Conti „Corri, uomo, corri“ (Lauf, Mann, lauf —> nur in der italienischen Sprachversion zu vernehmen) zuruft und dabei den Titel von Sergio Sollimas Fortsetzung zu La Resa dei conti (Der Gehetzte der Sierra Madre, 1966) zitiert, in dem der kubanische Schauspieler die Rolle des mexikanischen Bauern Chuchillo verkörpert. Manninos Drehbuch befasst sich mit der Zunahme von Entführungen – dem am häufigsten wiederkehrenden Handlungselement in den poliziotteschi ab Mitte der 70er Jahre – und deutet auf eine weitere häufige Zutat hin, nämlich die Ausbreitung privater Sicherheitsdienste (siehe Tonino Valeriis Vai Gorilla / Der Gorilla, 1975). Lenzi würzt die Handlung mit seiner typischen Nachsicht gegenüber Gewalt, denn neben den erforderlichen blutigen Schießereien und Benussis scheußlichem Tod ist die Erstickung eines der Verbrecher (Giuseppe Castellano) mit dem Inhalt einer Herointüte, als ein besonders düsterer Höhepunkt zu bezeichnen.

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  • Alterseinstufung:‎ Nicht geprüft
  • Regisseur:‎ Lenzi, Umberto
  • Laufzeit: 1 Stunde und 34 Minuten
  • Darsteller:‎ Milian, Tomas, Cotten, Joseph, Alberti, Guido, Fiore, Maria, Galli, Ida
  • Untertitel: ‎Deutsch, Englisch
  • Studio: Ledick Filmhandel GmbH

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Filmliebhaber aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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