Deranged – The Confessions of a Necrophile

Nach dem Tod seiner Mutter bringt Ezra ihren Leichnam vom Friedhof nach Hause. Er umsorgt die Verstorbene und spricht mit ihr. Leider fällt die alte Dame immer mehr auseinander und so ist Ezra gezwungen, „Ersatzteile“ zu besorgen, um sie zu erhalten. Anfangs plündert er nur die Gräber frisch Verstorbener, doch bald wendet er sich den Lebenden zu. Immer mehr Frauen verschwinden in der kleinen Gemeinde. Als die Polizei dem irren Ezra schließlich auf die Schliche kommt, steht ihr in seiner Scheune eine grauenvolle Entdeckung bevor. (Wicked-Vision Media)

Das ist ein lokaler Reporter aus Wisconsin, Tom Sims (Leslie Carlson), der eine traurige Geschichte zu erzählen hat. Die Namen wurden geändert, doch auf die garstigen Details wird er nicht verzichten. Sollte man also nervös veranlagt sein, sei man gewarnt, denn die Geschichte von Ezra Cobb (Roberts Blossom) ist keine angenehme oder gar vergnügliche. Ezra war ein Farmer, der alleine mit seiner Mutter (Cosette Lee) lebte, um die er sich kümmerte, seitdem sie bettlägerig geworden war. Sie war sehr krank und klagte schließlich eines Abends, als er ihr Suppe zum Abendessen einflößte, über Atembeschwerden. Während sie zu sterben begann, warnte sie ihren Sohn verstärkt vor dem Bösen der Frauen und dass er sich niemals auf eine von ihnen einlassen sollte, außer vielleicht Maureen (Marian Waldman), weil sie fett war. Nachdem der alten Frau das Blut aus dem Mund zu sprudeln begann, würde für Ezra nichts mehr so sein, wie zuvor.

1974 wurden zwei Filme veröffentlicht, die beide auf den wahren Gräueltaten des berüchtigten Ghuls Ed Gein basieren. Es handelt sich dabei um Blutgericht in Texas und Deranged, während Tobe Hoopers Film auch heute noch weiterhin für Aufsehen sorgt und als Klassiker auf diesem Gebiet angesehen wird, gestaltet sich das kanadische Werk noch obskurer, konnte sogar ein paar Fans gewinnen, aber nichts Vergleichbares im Maßstab des anderen Films erreichen. Das Drehbuch von Co-Regisseur Alan Ormsby hält zumindest eine gewisse Übereinstimmung mit den Fakten des Gein-Falls bereit (im Gegensatz zu Alfred Hitchcocks Psycho, der auch davon inspiriert wurde) und stellte für eine Weile die am ehesten akkurate Adaption des Stoffs dar, bis Steve Railsback in dem verhaltenen Biopic Ed Gein – In the Light of the Moon (2000) groß aufspielte.

Sucht man in einem sehr entnervenden Fall nach Genauigkeit, dann kann man mit Deranged – The Confessions of a Necrophile recht zufrieden sein, denn trotz des niedrigen Budgets (oder gerade deswegen?) erscheint der Streifen aufgrund seiner „billigen“ aber doch ziemlich niederschlagenden Atmosphäre viel gruseliger und authentischer, als viele Horrorfilme mit größerem Etat. Dennoch handelt es sich hier um eine professionelle Produktion, denn das Team um Deranged hatte mit Children Shouldn’t Play with Dead Things und Dead of Night zuvor bereits zwei Chiller gedreht (der ursprüngliche Regisseur Bob Clark war hier Produzent, ließ sich wegen des „speziellen“ Themas allerdings nicht im Abspann aufführen). Der Ton, den sie bei Deranged gefunden haben, liegt irgendwo zwischen deprimierend, abstoßend und seltsam humorvoll, als ob die Absurdität von Esra – eigentlich von Gein – nicht zu leugnen, ja sogar lustig gewesen wäre, wenn man sie in eine gesündere Form von Exzentrizität dirigiert hätte. Doch Ezra ist besessen von Leichen, die er auf dem örtlichen Friedhof ausgräbt.

Zuerst holt er sich seine Mutter zurück, da er sicher ist, sie würde noch leben und mit ihm reden. Ezra bildet sich in Taxidermie, um ihren Körper erhalten zu können, braucht aber Ersatzteile und schließlich noch weitere Gesellschaft, also holt er ein paar andere Leichen von diversen Friedhöfen und beginnt sich mit ihnen zu amüsieren. Von diesem Zeitpunkt an wäre es wichtig Ezra zu stoppen, bevor er damit anfängt eigene Leichen zu produzieren, aber die Städter halten ihn für einen schüchternen Kerl mittleren Alters, den sie nicht ernst nehmen, wenn er erzählt, was er in seinem zu Hause so alles anstellt. Wäre dieses Garn nicht schon seltsam genug gewebt worden, so fügten Ormsby und Jeff Gillen zusätzlich solche Elemente wie einen On-Screen Erzähler (David Cronenbergs Liebling Carlson) hinzu, zu dem geschwenkt wird, während er dem Publikum berichtet, was gerade los ist.

Deranged ist mit vielen seltsamen, jedoch effektiven Komponenten wie dieser ausgestattet, wobei Make-up-Experte Tom Savini die Leichen zur Verfügung stellte (natürlich in Attrappen Form, so engagiert war er denn doch nicht), was diesen Flick über so manchem billigen 70er-Schocker stehen lässt. Der berühmte Slogan lautete „Pretty Sally Mae died a very unnatural death! …But the worst hasn’t happened to her yet!“, was einen wilden Ritt andeutet, obwohl tatsächlich ein eher zurückhaltendes Ambiente herrscht, das mit verschiedenen set-pieces seine Höhepunkte findet. So, wie während Ezras Besuch bei Maureen, die eine Seance mit ihm abhält und dabei versucht ihn mit einer List zu verführen. Hätte Ezra doch nur nachgegeben, so wäre er vielleicht glücklich geworden, der ätzende Einfluss seiner Mutter wiegt jedoch so schwer auf seiner Seele, sodass er sich davon nicht mehr erholen kann. Der letzte Akt zeigt die bereits zuvor erwähnte Sally, die von Ezra durch den Wald gejagt wird, so als wolle der Film vorgeben (eventuell auch für die Trailer), es handele sich in Wirklichkeit um einen stalk & slash Streifen. Was zuvor geschieht – mit Blossoms vorsichtig zurückhaltenden aber dennoch äußerst beunruhigenden schauspielerischen Leistung – ist wirklich beeindruckender. Deranged stellt ein enorm seltsames Werk dar, ist allerdings besser, als viele andere Filme auf diesem Gebiet.

Wicked-Vision Media veröffentlicht Deranged – The Confessions of a Necrophile als Nummer 26 ihrer Collector’s Edition im Mediabook (BluRay und DVD), mit drei verschiedenen Cover-Motiven, die jeweils limitiert sind. Bild (1,85:1/1080p) und Ton (Deutsch + Englisch DTS-HD Master Audio 2.0) bewegen sich auf hohem Niveau, da kann man sich nicht beschweren. Deutsche oder englische Untertitel können zugeschaltet werden. Extras: 24-seitiges Booklet mit einem Text von Christoph N. Kellerbach / Audiokommentar mit Tom Savini und Calum Waddell / Audiokommentar mit Jörg Buttgereit und Dr. Gerd Naumann / Einleitung von Jörg Buttgereit / Interview mit Produzent Tom Karr / Deranged Chronicles: The Making of „Deranged“ / The Ed Gein Story: Producer Tom Karr on Location / „A Blossoming Brilliance“: Scott Spiegel über „Deranged“ / Ed Gein – American Maniac: True-Crime-Dokumentation / Das Sequel, welches keines war: Hinter den Kulissen von „Creep“ / „Kannibale und Liebe“ – Mitschnitt des Theaterstücks von Jörg Buttgereit / Kurzfilm: „Ein Moment der Stille am Grab von Ed Gein“ / Original-Kinotrailer / Alternativer Trailer / Teaser-Trailer / „Trailers from Hell“ mit Adam Rifkin / Trailer zu: „Kannibale und Liebe“ / Bildergalerie. Insgesamt handelt es sich bei Deranged wieder einmal um eine äußerst gelungene Mediabook-Edition mit enorm viel Bonusmaterial, die bei Liebhabern und Freunden von dieser Art von Filmen enorm gut ankommen sollte. Allerdings mit Sicherheit nicht jedermanns Sache sein dürfte.

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limitiert auf 222 Stück

Darsteller: Robert Blossom, Cosette Lee, Robert Warner, Micki Moore
Regisseur(e): Allen Ormsby, Jeff Gillen
Untertitel: Deutsch
Region: Alle Regionen
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Wicked-Vision Media
Produktionsjahr: 1974
Spieldauer: 84 Minuten

limitiert auf 444 Stück

limitiert auf 222 Stück

Diese Edition wurde uns freundlicherweise von Wicked-Vision Media zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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