Die 36 Kammern der Shaolin / Shao Lin san shi liu fang

China zur Zeit des grausamen Terrors der Mandschuregierung: Die Shaolin bilden in ihrem Tempel junge Mönche zu todbringenden Kämpfern aus. Bevor sich die jungen Männer „Meister“ nennen dürfen, müssen sie 35 Kammern durchlaufen, in denen sie in die Künste des tödlichen Kampfes mit allen Waffen als auch mit bloßen Händen eingeweiht werden. Der Begabteste von allen ist der junge Liu Yu-Te. Nach dem Ende seiner Ausbildung, und der Gründung der 36.Kammer, zieht er los, um sich mit den Mandschus zu messen und der Unterdrückung des Volkes für immer Einhalt zu gebieten. (filmArt)

Es gibt eine 36. Kammer!? Nicht bis ein junger Mann den berühmten Shaolin-Tempel betritt, um die Kenntnisse der Kung-Fu-Meister außerhalb des Tempels unter den Bauern zu lehren, damit sich diese gegen die korrupten Generäle, die sein Heimatdorf terrorisieren, endlich zur Wehr setzen können. Die 36. Kammer der Shaolin repräsentiert Alles, was außerhalb des Tempels existiert und San Te ist fest entschlossen derjenige zu sein, der sie installiert. Doch die Shaolin-Mönche, die ihr Wissen bisher immer geheim gehalten haben, sind nicht so begeistert von dieser Idee. Der Wunsch nach Rache ist allerdings ein mächtig starkes Gefühl.

San Te (Gordon Liu), der zu Beginn des Films noch Liu Yu-te genannt wird und ein junger Schüler des Lehrers Ho (Wai Wang) ist, wird Zeuge wie eine mächtige Gruppe von Manchu-Generälen sein Heimatdorf besetzt, wo sein Vater einen Fischladen betreibt. Aufgrund öffentlicher Folterung der Rebellen bis hin zur Zerstörung der Schule Hos werden die Generäle Tien Ta (Lo Lieh) und Tang San-yao (Wilson Tong Wai – Shing) von der Bevölkerung gehasst, doch die Dorfbewohner sind ohnmächtig, vor allem seit Rebellen General Yin (Lau Kar – Wing) gefangen genommen und auf dem Dorfplatz als Abschreckung für jeden, der beabsichtigt seinem Beispiel zu folgen, aufgehängt worden ist. Yin wird als Held deklariert, weswegen Liu Yu-te seinem Lehrer in die Rebellion folgt. General Tang San-yao reagiert jedoch sehr schnell, tötet Lehrer Ho und all jene, die mit den Rebellen sympathisieren. Nachdem das Geschäft seines Vaters zerstört wurde, verlässt Liu Yu-te das Dorf auf der Suche nach Hilfe und reist zum berühmten Shaolin-Tempel, um Kung Fu zu lernen. Der Weg zur Erleuchtung ist allerdings hart und trotz seiner Fortschritte auf den Pfaden der fünfunddreißig Kammern der Shaolin kann es für den jungen Mönch, der nun als San Te bekannt ist, keinen Weg zurück nach Hause geben.

Das scheinbare Ziel des Regisseurs Lau Kar – Leung war es offenbar ein Kampfkunst-Drama zu erschaffen, das die Zeit und die Anstrengung, die benötigt werden, um eine Kunst wie Kung Fu erlernen zu können, realistisch darstellt. Hier wird nicht im Karate-Kid-Stil einen langen Sommer über eine Kampfkunst erlernt, denn Kar – Leung setzt mit einem Trainingsregime im südlichen Shaolin-Tempel, das sieben Jahre dauert, auf Authentizität. Die Novizen müssen zunächst einmal lernen auf einem Floß von Stöcken zu balancieren, sowie einiges an Demut zeigen – lange bevor unbewaffneter Kampf und die Kunst des Kampfes mit Waffen auf dem Programm stehen. Trotz einer Laufzeit von knapp zwei Stunden ist nicht genügend Zeit vorhanden, um den Inhalt aller fünfunddreißig Kammern zu exponieren und so wählt Kar – Leung gerade einmal eine Handvoll aus – zum Beispiel das oben genannte Floß, das Tragen von Wassereimern auf einen Hügel, das Schlagen einer Glocke und das Folgen einer Kerze nur mit den Augen. So einfach, wie sich das anhört, ist es jedoch nicht, denn die Shaolin-Mönche haben die Gewohnheit, die Prüfung, die am Ende jeder Kammer abzulegen ist, unter erschwerten Bedingungen stattfinden zu lassen. Wird Die 36 Kammern der Shaolin dadurch eventuell schnell langweilig? Zugegeben, der Großteil des Films beschäftigt sich mit der Ausbildung eines Anfängermönchs aber die Sequenzen im Shaolin-Tempel sind sehr gut inszeniert, mischen Action und Humor mit einem Sinn für die Ordnung des Shaolin-Tempels und werden von zwei hochklassigen Martial Arts Szenen begleitet – ein Schwertkampf zwischen Lau Kar – Wing und Wilson Tong Wai – Shing eröffnet den Film und bei Gordon Lius Rückkehr in sein Dorf steht viel Blutvergießen an. Dabei stößt Kar – Leung einige Genre-Konventionen um…

Die 36 Kammern der Shaolin wird in Kampfkunstkreisen hoch gehandelt, glänzt zwar nicht so sehr wie Der Mann mit der Todeskralle (Enter the Dragon, 1973), ist jedoch ein Segen für diejenigen, die es nach einer realistischeren Darstellung von Kampfkünsten dürstet. Die sieben Jahre, die San Te im Shaolin-Tempel verbringt, sind immer noch eine relativ kurze Zeit, um eine Kampfkunst zu erlernen – einen schwarzen Gürtel zu erhalten bedeutet „nur“ die Ausbildungszeit hinter sich zu lassen, was länger als zehn Jahre dauern kann – aber eben deutlich länger als im traditionellen Martial-Arts Film, wo Reflexe innerhalb von wenigen Wochen geschliffen werden. Durch die Entscheidung seinen Film so zu gestalten, hat Regisseur Lau Kar – Leung mit Die 36 Kammern der Shaolin einen Streifen produziert, der eine „Liebesgeschichte des Geistes“ repräsentiert, wie er es nannte, sowie ein Liebesbrief an die Legende der Shaolin-Tempel und ihr Erbe der Kampfkünste sein soll. Der Erfolg kommt bei Kung Fu von Innen, weswegen Kar – Leung San Tes Kampf mit seinem eigenen Geist in den Vordergrund stellt. Dessen anfängliches Versagen entsteht aus seiner Unfähigkeit sein Herz und nicht nur seine Fäuste auf die Aufgaben zu konzentrieren, mit denen er gerade konfrontiert wird. Diesen internen Konflikt so erfolgreich auf Film zu bannen, sowie das Blutvergießen, mit dem er beginnt und endet, macht aus Die 36 Kammern der Shaolin einen äußerst gelungenen Film mit einer eher seltenen Herangehensweise innerhalb des Genres.

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  • Darsteller: Chin Yuen-San, John Cheung, Wang Lung-Wei, Hui Ying-Hung, Cheng Szu-Chia
  • Regisseur: Liu Chia-Liang
  • Format: Limited Collector’s Edition, Widescreen
  • Sprache: Mandarin (DTS HD), Deutsch (DTS HD)
  • Untertitel: Deutsch
  • Bildseitenformat: 16:9 – 2.35:1
  • FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
  • Studio: filmArt
  • Produktionsjahr: 1978
  • Spieldauer: 115 Minuten

Die Nummer 7 der Shaw-Brothers-Collector’s-Edition ist da! filmArt veröffentlicht auch Die 36 Kammern der Shaolin in Form einer BluRay/DVD Combo, die wieder einmal über eine hervorragend saubere Bildqualität (2,35:1; 1080p/anamorph) verfügt. Der Ton bietet mit der deutschen (Neu- und Kinosynchro.) und der Mandarin drei Spuren, die allesamt gut klingen. Hierfür können deutsche Untertitel zugeschaltet werden. Als Extras beinhaltet die Combo ein Artbook mit dem kompletten deutschen Aushangfotosatz des Films, den Originaltrailer, der in High Definition daherkommen sowie noch weitere Trailer und eine Bildergalerie. Die Original deutsche Kino-&WA-Fassung kann auch in HD abgespielt werden. Ach ja, an ein Wendecover mit alternativem Covermotiv (deutsches Kinoplakat) ist ebenfalls gedacht worden. Lau Kar – Leung bringt dem geneigten Martial-Arts-Fan mit Die 36 Kammern der Shaolin einen authentischen, emotionalen, harten und teilweise blutigen Kung-Fu-Film, der gegen Ende voller Überraschungen steckt. Bei diesem tollen Streifen und dieser äußerst gelungenen Veröffentlichung bleiben beinahe keine Wünsche offen, weswegen die Combo in keinem Sammlerregal fehlen darf!

Diese Edition wurde uns freundlicherweise von filmArt zur Verfügung gestellt.

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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1 Antwort

  1. 24. April 2017

    […] Sehr viel besser ist da doch das Shaw-Brothers-Meisterwerk „Die 36 Kammern der Shaolin“, welches Bluntwolf auf Nischenkino […]

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