Die Bronx-Katzen / The Jezebels / Switchblade Sisters

Es herrscht Terror auf den Straßen von Los Angeles! Kriminelle Jugendbanden liefern sich harte Schlachten um die Vorherrschaft und die Polizei ist machtlos. Die junge Einzelgängerin Maggie ist das neueste Mitglied der Mädchengang „Dagger Debs“ und deren Anführerin Lace freundet sich schnell mit der neuen Rekrutin an, doch bald schon fängt sie an zu zweifeln, denn offenbar findet auch ihr Freund Dominic, der Anführer der „Silver Daggers“, Gefallen an dem Neuzugang. Patch, die rechte Hand von Lace, ist eifersüchtig auf den Neuzugang und als die Mitglieder der „Dagger Debs“ immer mehr zu Maggie aufsehen, schmiedet sie einen diabolischen Plan, um Maggie loszuwerden. Als Maggie dahinter kommt, entbrennt ein unbarmherziger und blutiger Kampf innerhalb der Gang und aus Freunden werden erbitterte Feinde! (Subkultur Entertainment)

Lace (Robbie Lee) ist die Anführerin der Dagger Debs, der Mädchengang, die als weibliche Ergänzung zu den Daggers fungiert (einer rein männlichen Gang), doch letztendlich treten die Mädchen noch beeindruckender auf, als die Jungs. Sie suchen absichtlich nach Ärger und haben dabei nur einen Gedanken, nämlich alle sowie jeden um sie herum mit ihren sorgfältig gewarteten Springmessern einzuschüchtern. Als sie also bei einer Snack-Bar aufkreuzen, um die anderen Gäste zu vertreiben, zeigt sich Lace sehr verärgert, weil ein Mädchen sich weigert ihren Platz zu verlassen. Bei diesem Mädchen handelt es sich um Maggie (Joanne Nail), die neu in der Stadt ist. Es bricht also zwangsläufig ein Handgemenge aus, wobei Maggie als Siegerin hervorgeht – zumindest bis die Polizei eintrifft und die Gang sowie Maggie in eine Haftanstalt eskortiert … zum wiederholten Male!

Nun, Jack Hill kennt sich mit Exploitation-Filmen aus, wie dieser Girl-Gang-Thriller beweist. In Switchblade Sisters mixt er ein bisschen Women-in-Prison-Film mit ein wenig High-School-Film, um eine Handlung zu erhalten, die sich geradezu Shakespear-artig präsentiert, obwohl man das vom überreifen Dialog sicherlich nicht behaupten kann. Allerdings braucht der das auch überhaupt nicht sein. Die Damen selbst präsentieren sich entsprechend hart sowie autoritätsverachtend und, um ehrlich zu sein, sehen ziemlich grobschlächtig aus (obwohl Maggie Susan Dey ähnelt, wenn man die Augen halb schließt). Was jedoch die Gefahr mit sich bringt, das Ganze ins absurd Übertriebene oder sogar Lächerliche abgleiten zu lassen: vielleicht war das zum Teil sogar Jack Hills Absicht, im Versuch den Streifen unterhaltsam zu gestalten. Für Fans der Switchblade Sisters ist er zweifellos erfolgreich gewesen.

Die Dagger Debs haben unter Einigem an Melodrama zu leiden, das selbst für Douglas Sirk „ein bisschen zu viel“ gewesen wäre. Grassierende Eifersucht, Messerkämpfe, ungeplante Schwangerschaften, Vergewaltigungen, tote Freunde und so weiter, tragen alle zu einem Ton bei, der vor vorhandenen Spannungen (die mit erschreckender Regelmäßigkeit ausbrechen) praktisch bebt, so als hätten die Charaktere keine Verwendung für die Feinheiten der zivilisierten Gesellschaft. Es mag keinen ausdrücklich genannten Grund dafür geben, warum sie dieses Stadium erreicht haben, oder genauer gesagt, nie darüber hinausgekommen sind, doch die Umgebung von urbanem Verfall und Elend macht deutlich: diese Brut hatte nie eine Chance und kann sich glücklich schätzen, wenn sie ein Alter über Zwanzig erreicht. Dem Aussehen der Darsteller nach zu urteilen, haben es einige von ihnen sogar bis in ihre Dreißiger geschafft, obwohl sie noch immer auf die High School gehen.

Die Geschichte bezieht sich auf den Abgang der Debs, allerdings nicht von der Schule oder dem College, sondern von ihrem Status als Anhängsel der Daggers. Sie entwickeln sich zu einer vollwertig eigenständigen Gang und verpassen dem Feminismus einen zweifelhaften Schlag, indem sie illustrieren, dass sie genauso bösartig und hinterhältig, wie ihre männlichen Gegenstücke sein können, wenn nicht sogar noch schlimmer. Sollte man das als Statement zur Gleichberechtigung der Frau ernst nehmen, könnte es allerdings auch eine Parodie auf die Sorgen der Zeit im Zusammenhang mit den medialen Debatten darstellen. In Switchblade Sisters können diese Schwestern zweifellos auf sich selbst aufpassen. Der Wendepunkt kommt, als die Daggers mit einer rivalisierenden Gruppe zusammenstoßen, die vom offensichtlich zu alten Crabs (Chase Newhart) angeführt wird und mit einer zynischen Masche einen Jugendtrainingsclub mit kostenlosen Mahlzeiten betreibt. In Wirklichkeit könnte es ihnen jedoch nicht egaler sein, wem sie helfen.

Dies führt zu einer großen Straßenschießerei, an der eine Girl-Gang von „schwarzen“ Militantinnen beteiligt ist, die von der immer mächtiger werdenden Maggie rekrutiert wurde, nachdem sie die Debs in die Jezebels (unverschämte, schamlose oder moralisch hemmungslose Frauen) umgetauft hat, um deren Image aufzupolieren. Die Revolutionärinnen (angeführt von Marlene Clark mit dem seltsamen Namen Muff) zitieren Mao und fahren einen gepanzerten Wagen. All dies findet nach einer anderen Schießerei auf einer Rollschuhbahn statt. Auch die „trashigen“ Dialoge sind für ein paar Lacher gut – besonders einprägsam gestaltet sich Robbie Lees brodelnde Darbietung ihrer Zeilen, doch fast jede(r) Darsteller/in mit Sprechrolle bekommt guten Dialog verpasst. Die Bronx-Katzen ist besser als She Devils on Wheels (1968), doch ein paar Motorräder wären auch hier nicht verkehrt gewesen. Ebenfalls erwähnenswert: Kitty Bruce (als Donut, die symbolisch Dicke) ist die Tochter von Lenny Bruce. Er wäre wohl stolz auf sie gewesen. Das Traurige ist, dass Jack Hill nach The Jezebels nie wieder einen Film gedreht hat, ein echter Verlust – sein Achtziger-Fantasy-Epos Sorceress (Die Mächte des Lichts, 1982) wurde ihm aus den Händen gerissen, wonach ihn seine Chancen verließen, selbst nach seiner Wiederentdeckung in den neunziger Jahren.

Subkultur Entertainment bringt Switchblade Sisters als Nr. 05 ihrer Grindhouse-Collection Vol. 2 in einer tollen DVD / Blu-Ray Combo Veröffentlichung heraus. Das Bild wird uns im 1.85:1 (1080p / anamorph) Format präsentiert, ist sehr gut restauriert worden und lässt kaum Raum zum Meckern. Der Ton bietet mit der deutschen und englischen zwei Spuren (DTS HD MA Mono / DD1.0 Mono), die angenehm zu hören sind. Hierfür können wahlweise deutsche oder englische Untertitel zugeschaltet werden. Als besonderes Extra beinhaltet die Combo ein 11-seitiges Booklet mit tollen, interessanten sowie informativen Texten von Thorsten Hanisch „Jack Hill – Kommerz mit Vision“ und Sarah Held „Start Gangs – Stop Street Harassment!“ Die klasse Veröffentlichung kommt in einem ansprechend gestalteten O-Card Schuber daher und hat auch ein unterschiedliches Covermotiv zu bieten.

Bonusmaterial:

–  Audiokommentar von Marcus Stiglegger und Kai Naumann —> wie gewohnt, sehr interessant, informativ sowie unterhaltsam

– Audiokommentar von Jack Hill und Quentin Tarantino (englisch mit optionalen dt. Untertiteln) —> den Beiden bei ihren Ausführungen zum Film etc. folgen zu können, stellt einen absoluten Genuss dar

– Bildergalerie

– US Trailer: THE JEZEBELS

– US Trailer: SWITCHBLADE SISTERS

– Brandneue Making-of-Dokumentation: „We are the Jezebels!“ (englisch mit optionalen dt. Untertiteln)

– Archivinterview mit Jack Hill, Robbie Lee und Joanne Nail (englisch mit optionalen dt. Untertiteln)

Jack Hill und Joanne Nail beim Grindhouse Film Festival (englisch mit optionalen dt. Untertiteln)

– Featurette: „On location with Jack Hill and Elijah Drenner“ (englisch mit optionalen dt. Untertiteln)

– Grindhouse Trailershow

Diese Ausgabe ist längst vergriffen und derzeit leider nicht bei Amazon gelistet. Eine sehr gute Alternative stellt die UK Blu-Ray von Arrow Video (Amazon UK) dar.

  • Seitenverhältnis: ‎16:9 – 1.85:1, 16:9 – 1.77:1
  • Alterseinstufung: ‎Nicht geprüft
  • Regisseur: ‎Hill, Jack
  • Medienformat: ‎Limitierte Auflage
  • Laufzeit: ‎1 Stunde und 31 Minuten
  • Darsteller: ‎Lee, Robbie, Nail, Joanne, Gayle, Monica, Brauner, Asher, Newhart, Chase
  • Untertitel: Deutsch, Englisch
  • Sprache: Deutsch (DTS HD Mono), Deutsch (DD 1.0 Mono), Englisch (DTS HD Mono), Englisch (DD 1.0 Mono)
  • Studio: Subkultur Entertainment

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Die Screenshots stammen nicht von dieser Edition !!!

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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