Die Brut des Bösen / Roots of Evil

Der fiese Giftzwerg Van Bullock regiert die spanische Unterwelt mit eiskalten Methoden. Wer nicht nach seinen Regeln spielt, landet auf der Abschlussliste und bekommt Besuch von seinem üblen Schläger Komo! Um die Weltherrschaft im Drogenschmuggel zu erlangen, will er eine unscheinbare Karateschule als Umschlagplatz benutzen, welche dem unbezwungenen Karatelehrer Frank Mertens gehört. Doch Van Bullock hat die Rechnung ohne Mertens gemacht, denn der will nicht verkaufen und stellt sich furchtlos den hinterhältigen Attacken des Drogenbarons in den Weg. Mit Hilfe der verführerischen Cora lockt ihn Van Bullock in eine ausweglose Falle, doch als Mertens die Intrige durchschaut, verwandelt sich der friedfertige Karatelehrer in eine unaufhaltsame Kampfmaschine. Angetrieben von dem Wunsch nach Rache, tritt Frank Mertens den härtesten Kampf seines Lebens an! (Subkultur Entertainment)

„Ich werde ein Schachspiel aus den Knochen seines Schädels bauen.“ Ein unbezahlbarer Moment des Dialogs aus einer größtenteils wertlosen Produktion, Die Brut des Bösen gilt als das erste (und vielleicht einzige) in Deutschland produzierte Kampfkunst-Epos der Welt. In Madrid mit einer Besetzung spanischer Nebendarsteller gedreht, stellt dies die einzige Hauptrolle für die deutsche Schlagerlegende Christian Anders dar, der die Musik und das Drehbuch des Films selbst schrieb sowie die Hauptrolle spielte und die Co-Regie übernahm. Anders ist ein Bruce Lee-Möchtegern-Filmstar, dessen Idee es ist, das Schauspiel und den Stil seines Helden so genau wie möglich zu kopieren. Leider fehlt ihm sowohl das Charisma als auch das Können von Lee, stattdessen kommt er als ziemlich erbärmlicher, aber dennoch ernsthafter Kämpfer rüber, der versucht, den Film auf seinen hölzernen Schultern zu tragen. Das funktioniert zwar überhaupt nicht, der Effekt stellt sich allerdings als urkomisch heraus.

Die Handlung ist von Anfang an als klischeehaft und ermüdend zu beschreiben. Zuerst bekommt man zu sehen, wie Anders in seinem eigenen Kampfclub trainiert, wobei man mitbekommt was für ein netter Kerl er ist, indem er seine Sekretärin freundlich behandelt und die Trainierenden unterstützt. Schon bald macht sich ein „Zwerg“ (Deep Roy als Van Bullock) in der Nachbarschaft breit und ist bestürzt eine rivalisierende Karateschule in der Gegend vorzufinden, in der er selbst ein solches Geschäft eröffnen wollte. Anstatt einen anderen Ort zu wählen, wie es 99% der Menschen tun würden, versucht er stattdessen Anders dazu zu bringen, woanders hinzuziehen. Seine Bestechungsgelder und Machtdemonstrationen scheitern, sodass Van Bullock härtere Geschütze auffahren muss. Also schickt er eine Gruppe von Schlägern auf den örtlichen Friedhof, wo Anders seinem verstorbenen Lehrer Respekt zollt.

Nachdem die Methoden des kleinwüchsigen Mannes zum wiederholten Mal versagt haben, platziert er Drogen in Anders‘ Mantel und ruft die Polizei, woraufhin Anders auf unbestimmte Zeit im Gefängnis eingesperrt wird. Zu diesem Zeitpunkt gibt der schwierig zu ertragende Film den Geist für ungefähr eine halbe Stunde vollkommen auf, da es an Handlung und/oder Action mangelt. Schließlich erfährt Anders, dass Van Bullock für seine Inhaftierung und den Tod einer Freundin verantwortlich ist. Folglich bricht er aus dem Gefängnis aus (in einer Szene, die sogar John Rambo beeindrucken würde) und unterbricht Van Bullocks Orgie in dessen Villa auf dem Land. Die Polizei erscheint und zwingt Anders verwundet in den Wald zu fliehen, wohin Van Bullock und sein Leibwächter ihm folgen, um ihn endgültig zu erledigen.

Der Film ist schlecht geplottet, weswegen sich die Geschichte ziemlich uninteressant gestaltet und keinen intendierten Humor bietet, um den bleiernen Dialog zu beleben. Dafür bekommt man eine Menge an unabsichtlichem Humor geboten. Die Action-Sequenzen an sich sind jedoch nicht schlecht geraten. Offensichtlich sind die Kämpfer nicht so geschickt wie in asiatischen Produktionen, doch sie wissen sich vernünftig zu bewegen und bieten zumindest etwas, das es wert ist angeschaut zu werden. Zuschauer, die auf viel Sex und Gewalt hoffen, werden von der politisch korrekten Haltung dieses Films leider enttäuscht sein. Es gibt zwar eine Orgie zu „bestaunen“, doch muss es sich dabei um die zahmste Orgie handeln, die jemals gedreht wurde – eine Frau kämpft damit ihr dünnes Kleid durchgehend anzubehalten, wobei sich die leicht bekleideten Darstellerinnen nicht wirklich als ansprechend erweisen. Die Action gestaltet sich praktisch unblutig und die einzig fiese Verletzung stellt ein doppelter Beinbruch während des Klimax dar. Einer der wenigen gut gelungenen Stunts besteht darin, dass Anders durch ein Fenster im ersten Stock geworfen wird und anschließend über das Dach eines Autos rollt. Eine überraschend ordentlich inszenierte und gut geschnittene Sequenz in einer ansonsten unterdurchschnittlichen Produktion.

Szenen, in denen Anders nur in Unterwäsche (hart) trainiert wirken teilweise eher abstoßend, während ein Großteil des Unterhaltungswerts des Films vom übertrieben spielenden Deep Roy kommt, aus dem heutzutage ein etablierter Schauspieler in Hollywood geworden ist (Charlie und die Schokoladenfabrik, Transformers: Die Rache, Star Trek Into Darkness, Star Trek: Beyond). Man schaue sich nur den urkomischen Höhepunkt an, in dem er von unserem ehemaligen Helden kurzerhand in einen Fluss geworfen wird! Die Brut des Bösen ist gelegentlich so schlecht, wodurch der Streifen schon wieder gut wird, wobei lange Strecken des Nichts die Geduld des Publikums schon hart auf die Probe stellen können. Für Fans solcher filmischer Kuriositäten sollte Die Brut des Bösen auf jeden Fall mindestens ein Blick wert sein, denn auf seine ganz eigene (unbeabsichtigte) Art und Weise versteht es der Film so einiges an Spaß zu versprühen.

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Darsteller: Christian Anders, Maribel Martín, Dunja Rajter, Deep Roy, Fernando Bilbao
Regisseur(e): Christian Anders, Antonio Tarruella
Format: Limitierte Auflage, Breitbild
Untertitel: Deutsch, Englisch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Subkultur Entertainment
Produktionsjahr: 1979
Spieldauer: 85 Minuten

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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