Die Brut – The Brood

Die Brut - The Brood

Als Frank Carveth feststellt, dass seine Tochter Candy von ihrer Mutter Nola misshandelt wird, geht er der Sache auf den Grund: Seine Ex-Frau wird im ominösen „Somafree Institute“ therapiert. Ihr Arzt Dr. Raglan arbeitet mit einer kontroversen Technik, die Aggressionen seiner Patienten in physische Manifestationen umwandelt. Je mehr sich Nolas Wut in den Behandlungen steigert, desto gefährlicher wird es für alle, gegen die sich ihr Zorn richtet. Dr. Raglans Klinik mutiert zur Brutstätte des Bösen …

Die Brut - The Brood

Die Brut kontrastiert Scheidung sowie Angst in Eltern-Kind-Beziehungen mit einer Geschichte, die im Grunde einen verrückten Rachefeldzug darstellt, der sich schnell in grausame Gewalt verwandelt. Wie bei Scanners präsentiert sich das Grauen nur in kurzen Schüben und während es spürbar ist, dass David Cronenberg nicht sehr viel Budget zur Verfügung hatte, treibt er seinen nahtlosen, unkomplizierten Stil zu wahren Höhen; man weiß, dass etwas Schlimmes geschehen wird, solange es etwas mit der kleinen Cindy (Candice Carveth, die enorm an Carol Anne aus Poltergeist erinnert!) zu tun hat. Der Körper, der Geist und die Dualität, wie üblich für Cronenberg, spielen auch hier eine gewichtige Rolle, doch es gibt etwas, was bei The Brood sehr viel stärker berührt sobald der Film endet: Die Dekonstruktion der Familie (die man in einem sexuell frustrierteren und emotional dementeren Kontext in Dead Ringers – Die Unzertrennlichen von 1988 sehen kann), wobei es sich am Ende herausstellt, dass sich die Dinge niemals wirklich als „glücklich“ und/oder „gelöst“ entwickeln, da sie sich auf grausige und blutige Art und Weise manifestieren. Cronenberg hatte während der Entstehungszeit des Films selbst mit seinen Dämonen zu kämpfen, weil er seine Frau und seine kleine Tochter an eine Sekte verlor, was wohl seine eigene „Brut“ repräsentierte. Ein Schuss filmischen Horrors direkt aus dem Unterbewusstsein in der Gestalt eines bewussten Blicks auf das, was der Geist nur zu sondieren vermag und dass bestimmte Probleme dabei nicht gelöst werden können. Doch zuerst zum Wesentlichen: Oliver Reed spielt den Psychiater Dr. Raglan, der eher wie ein Hypnotiseur agiert, da er ein ungewöhnliches Verfahren anwendet, das seine Patienten in einen Trance-Zustand versetzt, um sie mit ihren Vergangenheits-Traumata mit Familienmitgliedern oder anderen Menschen zu konfrontieren sowie sie davon zu befreien, indem deren über Jahrzehnte angestaute Wut in Form von Ausschlägen, Nesselsucht oder sogar Krebs ausbricht. Bei Nola (Samantha Eggar auf dem Höhepunkt ihrer Karriere) entfaltet sich das Ganze vollkommen anders mit voller Kenntnis dessen, was sie unter ihrem Raglan (Achtung Wortspiel!) verbirgt. Kleine gruselige Kinder in Parkas (die an den Zwerg aus Wenn die Gondeln Trauer tragen erinnern) beginnen nach und nach Nolas Mutter, ihren Vater und die Kindergärtnerin, die an ihrem Ex-Mann Frank (Art Hindle) interessiert ist, brutal zu ermorden. Frank ist ratlos und weiß nicht was er tun soll, doch es ist ihm bewusst, dass seine Tochter in großer Gefahr schwebt, weil sie nach einem Wochenendbesuch bei der Mutter Bisswunden, Kratzer und blaue Flecken auf dem Rücken hat. Wie kann die Mordserie nur beendet werden?

Die Brut - The Brood

Zunächst könnte man sich fragen, ob dies alles mit der distanzierten Vorstellung des kleinen Mädchens zu tun hat, das sich in Momenten der Verzweiflung in einer Ecke zusammenkauert. Eigentlich ist das wohl eher eine konkrete Vision davon, was die Scheidung mit dem Kind angestellt hat, was dann noch gruseliger und verstörender rüberkommt, als sie nicht weint und/oder ausrastet, als sie die mit einem Fleischhammer verdroschene Großmutter tot in der Küche vorfindet. Es ist vor allem die Trennung von Vater und Mutter, die der Regisseur zu erforschen scheint. Gleichzeitig werden die Aktivitäten von Dr. Raglan auf eine recht fadenscheinige Weise präsentiert, denn man erfährt nicht wirklich was dessen Art von Psychotherapie eigentlich erreichen soll bzw. erreicht und warum er mit seinen unorthodoxen Methoden nicht schon längst aus dem Geschäft gekickt worden ist. Oliver Reeds (der wie gewohnt toll spielt, obwohl er wie gewöhnlich ständig betrunken war) Szenen sind enorm zweideutig: Der Zuschauer kann sich nicht richtig sicher sein was und wie er es tut aber er tut es und er erschafft im Falle von Nola seine schlimmste Schöpfung. Die ist nämlich beunruhigender, ja sogar weitaus erschreckender als jeder typische Serienmörder, maskierter Wahnsinnige oder Untote; das Monster, welches Nola in ihrem Schoß trägt (eines von Cronenbergs berüchtigtsten Bildern). Eine erschreckende Implikation, wie kompromisslos Liebe und Hass in ihr harmonieren. Wenn das anhaltende Gefühl entsteht dies sei viel zu sehr ein Horrorfilm über Psychoanalyse, nicht verzweifeln; die kleinen mutierten Kinder oder was auch immer sie sein sollen, gehören zu den unheimlichsten und schrecklichsten Wesen, die man jemals im Medium Film gesehen hat. Sie lassen Chucky wie eine Cabbage Patch Puppe aussehen und fügen dem Streifen ein schonungslos brutales Element zu, was nicht so wirken würde, wenn andere Wesen wie zum Beispiel Erwachsene gewählt worden wären. Insgesamt ist der Film nicht ganz so gut strukturiert oder von dem Tempo wie man es von Cronenbergs besten Filmen gewohnt ist (erst nach den ersten beiden Mordszenen kommt der Film wirklich in Gang), doch das reicht trotzdem dazu aus sich als ein Must-See zu qualifizieren. Der Regisseur, der sich ebenso wie das Genre in Frage stellt, zeigt mit Die Brut, dass die Erforschung der Seele und der eigentlichen Krankheit des Geistes *hinter* den üblichen blutigen Morden und konventionellen Charakteren, die diese Filme normalerweise bevölkern, stattfinden kann. Betrachte man es als eine Version von Carl-Gustav Jung im Bahnhofskino.

Die Brut - The Brood

Mit dieser Collector’s Edition beschert Wicked-Vision Media diesem Horrorklassiker nicht nur seine deutsche HD-Premiere, sondern er liegt auch erstmals in Deutschland in der unzensierten Unrated-Fassung vor. Das brillante HD-Bild stammt von einem 35mm-Kamera-Negativ. Auf technischem Gebiet weiss die Edition wirklich zu überzeugen, denn auch beim Ton gibts keinerlei Beschwerden. Zudem wurde brandneues Bonusmaterial produziert: Die Featurettes „Childhood Memories“ (mit Cindy Hinds*), „Scoring the Brood“ (mit Howard Shore*), „Cronenberg Compositions“ (mit Mark Irwin*) und „Pierre David on The Brood“(mit Pierre David*) sind allesamt sehr interessant und geben einiges an Hintergrund zum Film wieder. Außerdem gibt’s noch einen Radio-Spot*, TV-Spot, Teaser, Trailer, eine Artwork-Galerie, Lobby Cards, Promotionsmaterial, ein Filmprogramm und eine Super-8-Fassung** zu bestaunen. Besonders zu erwähnen sind wie bereits gewohnt die beiden Audiokommentare von Prof. Dr. Marcus Stiglegger und Kai Naumann sowie von Prof. William Beard*, die beide äußerst informativ und gleichzeitig unterhaltsam geraten sind. Abgerundet werden die Boni mit einem 24-seitigen Booklet mit Text von Prof. Dr. Marcus Stiglegger, der auch einiges an Wissenswertem über den Film beinhaltet. Zusätzlich ist die DVD-Version des Films mit allen Extras enthalten. Das Mediabook wird in einer kratzfesten, matten Beschichtung ausgeliefert und enthält einen aufwendigen partiellen UV-Lack, der bei Lichteinfall Schriftzüge sichtbar macht. Damit die Optik nicht zerstört wird, werden alle technischen Spezifikationen auf zwei On-Serts gedruckt, die nach dem Entfernen der Folie in das Mediabook gelegt werden können.

* optional deutsche Untertitel / ** optional deutsche und englische Untertitel

 

Die Brut - The Brood

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Die Brut - The Brood BluRay DVD

  • Darsteller: Art Hindle, Henry Beckman, Susan Hogan, Samantha Eggar, Oliver Reed
  • Regisseur(e): David Cronenberg
  • Format: Limited Collector’s Edition
  • Sprache: Deutsch (DTS HD 2.0 Mono), Englisch (DTS HD 2.0 Mono)
  • Untertitel: Deutsch, Englisch
  • Region: Region B/2
  • Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
  • FSK: Nicht geprüft
  • Studio: Wicked-Vision Media
  • Produktionsjahr: 1979
  • Spieldauer: 92 Minuten

Die Brut - The Brood BluRay DVD uncut unzensiert

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Diese Edition wurde uns freundlicherweise von Wicked-Vision Media zur Verfügung gestellt.

 

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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1 Antwort

  1. 22. August 2016

    […] und der brandneuen Veröffentlichung von Wicked-Vision-Media begeistert. Auf Beides geht er in seiner Review ausführlich […]