Die Dunkle Seite des Mondes

Die Dunkle Seite des Mondes ist ein deutscher Psychothriller mit Moritz Bleibtreu in der Hauptrolle. Er lief kurzeitig in einigen Kinos, aber seltsamerweise nur in sehr speziellen Ketten oder auch nicht, daher hatte ich ihn verpasst. Nun kommt er ins Heimkino.

Der Wirtschaftsanwalt Urs (Moritz Bleibtreu) verhandelt gerade noch knallhart eine Pharma-Fusion, als sich am nächsten Tag bei ihm im Büro eine furchtbare menschliche Tragödie abspielt. Sein Leben, eben noch Senkrechtstarter, Jaguar, Partner der Kanzlei, ist plötzlich eine leere Hülse, er beginnt an sich zu zweifeln. Geplagt von dem menschlichen Blutzoll für den er vielleicht mit verantwortlich ist, zieht er sich zurück, macht mit seiner Freundin Evelyn (Doris Schretzmayer) Schluss. Er lernt die jungeLucille (Nora von Waldstätten) kennen, und erlebt seinen ersten Pilz-Trip im hessischen Wald. Seither hat er sich scheinbar nicht mehr unter Kontrolle, wird Jähzornig. Wie besessen versucht er herauszufinden welche Pilzgattung ihm so zu setzt, während gleichzeitig die Intrigen um die von ihm verantwortete Firmenfusion beginnen, ihn einzuholen. Allen voran der neue Vorstandsvorsitzende Pius Ott (Jürgen Prochnow), der eine ganz eigene Agenda verfolgt……

Die dunkle Seite des Mondes

Moritz Bleibtreu habe ich irgendwie schon länger nicht mehr gesehen, aber vor einigen Monaten in einer Talkshow, in der eben der Film vorgestellt wurde. Das Warten hat sich für mich durchaus gelohnt. Ich bin mir  zwar nun nicht sicher ob es einen Kinogang wert gewesen wäre, aber der Film ist durchaus unterhaltsames Kino. Bleibtreu kann sich hier außerdem ziemlich austoben, und eine Spannbreite als Schauspieler bieten, die er sonst nicht ausleben kann, schließlich ist Urs nicht nur ein knallharter Wirtschaftsjurist, sondern dann eben auch Pilzsammler, Tatverdächtiger, Schizophrener, aber auch Liebhaber, und Drogenkonsument. Das ist ein bunter Mix, den er da zu stemmen hatte, und das meines Erachtens ziemlich gut hinbekommt, auch wenn die Sprünge teilweise recht krass sind, und darunter die Nachvollziehbarkeit bzw. Plausibilität der Story etwas leidet, aber daran sind die Drehbuchautoren Schuld, nicht der Mime.

Da wären wir auch schon beim Thema Erzählweise. Wie in einem etwas zu ambitionierten deutschen Fernsehkrimi üblich, bleibt wenig Zeit für Charakterentwicklung. Es geht alles viel zu schnell, und während viel Zeit für Drogentrips, Naturaufnahmen und anderen Gedöhns bleibt, finde ich zumindest sind die Sprünge teilweise zu groß. Außerdem ist der Film trotz seiner interessanten Story letztendlich doch recht vorhersehbar und schmeckt ein klein wenig nach Schema-Thriller. Auch dieser Ott ist kein sehr vielschichtiger Schurke, sondern recht flach in Hollywood-Manier dargestellt, was nicht unbedingt an Prochnow liegt, aber auch der hat ja schon lange nichts mehr gemacht was einem richtig im Gedächtnis bleibt….

Die dunkle Seite des Mondes

Das klingt nun etwas negativ, man muss aber sagen der Film fühlt sich rundum frisch an, sieht optisch echt klasse aus, nimmt sich jede Menge frecher künstlerischer Freiheiten die sonst im glatt polierten ÖR-Filmemarkt nur selten Anwendung finden, und erzählt eine gewagte, kontroverse und auch ein klein wenig abgedreht Geschichte. Insgesamt ein sehr unterhaltsamer Psychothriller, und: der Erfolg gibt Regisseur Rick Recht, der dreht jetzt als naechstes The Super mit Val Kilmer. Klar, für echten Erfolg muss man den konservativen Maschen der deutschen Filmbranche erstmal entfliehen. Ich bin mal gespannt was da noch so kommen wird.

Die BluRay kann mit sehr satten Farben punkten, sowohl die starken Schwarztöne als auch die lebhaften Grüns des Waldes, die BluRay sieht echt Spitze aus. Trotz aller cinematographischen Finessen kann der Film zwar seinen „deutschen“ Look nicht so ganz abschütteln, aber dieser satte Look hilft schon sehr. Übrigens hat man öfter das Gefühl dass das Bild am Rand etwas verwischt, das scheint mir aber Stilelement zu sein, denn der Protagonist agiert im eigenen „Nebel“, erlebt Drogentrips und ist schizophren. Was den Ton betrifft, ebenfalls Volltreffer. Gute Tiefen, verständliche Dialoge und starker Soundtrack helfen dem Film, seine Kulisse aufzubauen, was durch die recht gute Räumlichkeit der Tonspur noch unterstrichen wird, sehr gut gemacht. Die Tonspur ist in 5.1 DTS HD-MA gehalten, ich denke da hätte man aber durchaus noch einen drauflegen können. Es liegt eine Hörfilmfassung für Sehgeschädigte mit bei, das hat man denke ich auch der ZDF-Koproduktion zu verdanken. Untertitel für Hörgeschädigte gibt es ebenso. Leider gibt es keine englischen Untertiteln, was das Produkt leider für internationale Käufer uninteressant macht.

Die dunkle Seite des Mondes

Extras gibt es auch einige. Ein zehnminütiges Interview mit Moritz Bleibtreu, ein vierminütiges mit Jürgen Prochnow, ein vierzehnminütiges mit Regisseur Stephan Rick und eines mit dem schweizer Romanautor Martin Suter (5min). Neben dem Kinotrailer gibt es dann noch ein Making-Of (36min), das wirklich deutlich mehr ist als die übliche Marketing-Masche, sondern eben ein echter Blick in die Entstehung des Films. Es kommen alle Beteiligte zu Wort, es gibt einen Blick hinter die Kulissen, viele Analysen, Filmszenen und mehr, das ist schon eine sehr interessante Begleitung zum Film.

Also ein rundes Erlebnis. Erstklassiges deutsches Autorenkino mit einigen Schwächen aber guten Ambitionen, sehr guten Schauspielern, und das ganze auf einer technisch exzellenten BluRay mit einem guten Maß an interessantem Bonusmaterial. Da kann man schon zugreifen,  zumal der Preis aktuell fair ist.

Bei Amazon bestellen

Die Dunkle Seite des Mondes BluRay

Die BluRay wurde uns freundlicherweise für diese Rezension zur Verfügung gestellt.

Pin on PinterestShare on StumbleUponTweet about this on TwitterShare on Google+Share on Facebook

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info, TripleFeatureFoundation.org und FuriousCinema.com

Das könnte Dich auch interessieren...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.