Die Engel von St. Pauli

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Jule Nickels, angestammter Unterweltkönig von St. Pauli, bekommt Konkurrenz, als eine Wiener Zuhälterbande in sein Revier eindringt und in Hamburg ebenfalls Geschäfte mit der Prostitution machen will. Gerade entbrennt ein Krieg unter den beiden Zuhältergruppen, da wird die taubstumme Prostituierte Lisa von einem Freier brutal ermordet. Um zu verhindern, dass eine Sonderkommission der Polizei ihre Geschäfte stört, machen nun beide Gangstergruppen Jagd auf den Täter. (Subkultur Entertainment)

Die Engel von St. Pauli

Die Engel von St. Pauli, ein Streifen über die Hamburger Kiez-Szene, erscheint heutzutage eher datiert, obwohl dies wohl mehr mit der veränderten Gesellschaft zu tun hat, als mit der Glaubwürdigkeit des Films. Die Besetzung ist hervorragend, die meisten wichtigen Sprechrollen sind mit bekannten deutschen Charakterdarstellern ausgefüllt worden, die alle ihre Figuren exzellent und sehr geschmeidig mit einem angemessenen Flair von Hamburgs „Rotlicht-Milieu“ St. Pauli in Szene setzen. Horst Frank (Jule Nickels), Werner Pochath (Herbert Priel), Karl Lieffen (Radensky) und Herbert Fux (Holleck) als Schurken zusammen in einem Film, das kann ja nur galaktisch werden! Als hätte der Hamburger Kriminalkommissar Beringer (Günther Neutze) nicht schon genug zu tun, so bekommt er zusätzlich gleich noch doppelten Ärger: Es droht ein Bandenkrieg zwischen Hamburger und Wiener Luden zu eskalieren. Der etablierte „Kiez-König“ Jule Nickels gerät mit dem österreichischen Zuhälter Holleck (herrlich Herbert Fux mit viel Wiener Schmäh) arg aneinander, als der ausländische Eindringling versucht den Einheimischen Konkurrenz zu machen. Seine hauseigenen Wiener Huren hat er dafür gleich mitgebracht. 

Die Engel von St. Pauli

Demzufolge kommt es zu einigen unschönen Konfrontationen zwischen den rivalisierenden Banden, wobei u.a. der homosexuelle „Schwuli“ (Jürgen Lier) und die taubstumme Prostituierte Lisa Naumann (Irmgard Riessen) zu Tode kommen. Da die beiden Toten unter dem Schutz der Nickels-Bande standen, bedeutet das selbstverständlich Rache. Jule, in dessen Armen Lisa starb, missfällt in diesem Zusammenhang ganz besonders die verstärkte Polizeipräsenz auf dem Kiez, die natürlich seine Geschäfte im erheblichen Maße stört. So beschließt er, ganz in der Tradition von Gustaf Gründgens in Fritz Langs Klassiker M – Eine Stadt sucht einen Mörder, den mutmaßlichen Psycho-Killer auf eigene Faust zu jagen und unschädlich zu machen. Um dieses Ziel erreichen zu können, beschließen Jule und Holleck einen Waffenstillstand bis der Hurenmörder Herbert Priel (wunderbar Werner Pochath) gefasst ist. Allerdings arbeiten beide im Hintergrund weiter mit Nachdruck daran den jeweils anderen endgültig zu vernichten. Die Engel von St. Pauli von Jürgen Roland ist eine routiniert inszenierte Milieu Studie, die hauptsächlich aufgrund der vielen bekannten und liebgewonnenen Gesichter überzeugen kann. Die Kritik beschrieb den Film damals als „Verbrecher-Folklore, die St. Pauli wie Soho und die Bronx aussehen lässt“ und nur für Kiez-Nostalgiker aufregend wäre. Ich halte dem entgegen, dass der Streifen für jeden (vor allem deutschen) Film-Nostalgiker sehr empfehlenswert ist, da schon bei der Besetzung kaum Wünsche offen bleiben und auch der recht simpel gehaltene Plot gut funktioniert, was Angels of the Street zu einer kurzweiligen sowie interessanten Reise in die Vergangenheit des Hamburger Kiezes und des deutschen Films macht.

Die Engel von St. Pauli

Subkultur Entertainment bringt den Film im Rahmen ihrer Edition Deutsche Vita als Nummer 5 im Mediabook + Amaray heraus und hat damit wirklich gute Arbeit geleistet. Bild und Ton präsentieren sich in hervorragender Qualität, während auch die Extras nicht zu kurz kommen. Neben einem Booklet (liegt nur im Mediabook vor und stand somit nicht für die Besprechung zur Verfügung), gibt es ein Interview mit Horst Frank und eines mit Herbert Fux zu bestaunen, die beide qualitativ nicht sonderlich hochwertig aber dafür äußerst interessant sind. Weiterhin kann man einem Audio-Interview mit Regisseur Jürgen Roland lauschen, auf eine Lacationstour (Damals und Heute) gehen, einen Restaurationsvergleich sowie den englischen/französischen Titelvorspann, eine recht umfangreiche Bildergalerie, eine französische Lokalisation, den Kinotrailer (deutsch, englisch, französisch) und eine EDV-Trailerschau ansehen. Ausserdem bieten uns Pelle Felsch und Oliver Nöding einen ziemlich unterhaltsamen Audiokommentar.

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Die Engel von St. Pauli BluRay

  • Darsteller: Horst Frank, Werner Pochath, Herbert Fux, Karl Lieffen, Günther Neutze
  • Regisseur(e): Jürgen Roland
  • Sprache: Deutsch (DTS HD 1.0), Englisch (DTS HD 1.0), Französisch (DTS HD 1.0)
  • Untertitel: Deutsch, Englisch
  • Bildseitenformat: 16:9 – 1.66:1
  • FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
  • Studio: Subkultur Entertainment
  • Produktionsjahr: 1969
  • Spieldauer: 101 Minuten

Die Engel von St. Pauli

Die Engel von St. Pauli

Diese BluRay wurde uns freundlicherweise von Subkultur Entertainment zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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1 Antwort

  1. 9. Februar 2016

    […] Aus deutschen Landen stammt der großartige „Die Engel von St. Pauli“ von Jürgen Roland, der hier, ebenso wie seine Filmbesprechung auf Nischenkino, uneingeschränkt […]