Die Frau mit der 45er Magnum / Ms .45

Thana ist eine junge, stumme und zurückgezogen lebende Frau in New York. Tagsüber arbeitet sie bei einer Modeschneiderei in Manhattan. Eines Tages wird sie auf dem Weg nach Hause in einer dunklen Seitengasse von einem maskierten Fremden vergewaltigt. Verstört und verletzt rettet sie sich nach Hause, wo jedoch ein Einbrecher nochmals über sie herfällt. Diesmal kann sich Thana aus dem brutalen Griff des Mannes befreien, ihn überwältigen und seine Waffe entwenden. Die zutiefst schockierenden Erlebnisse machen aus der schüchternen, unscheinbaren Frau Schritt für Schritt einen hasserfüllten Rache-Engel, der nachts gezielt Ausschau nach Opfern hält. Schon bald zieht sich eine blutige Spur durch die Straßen von New York. (X-Cess Entertainment)

Thana (Zoë Lund) arbeitet als Näherin im New Yorker Bekleidungsviertel und obwohl ihr Chef Albert (Albert Sinkys) streng ist, schätzt sie den Job, da sie nicht sprechen kann und dort nicht viel kommunizieren muss. Wegen ihrer Stummheit lebt sie zurückgezogen und unternimmt keinen Versuch mit ihren Kollegen zu „sprechen“, doch sie realisiert dabei nicht, dass dieser Zustand zur Verantwortung wird, als sie eines Abends nach Hause geht und in einer Seitengasse von einem Vergewaltiger angegriffen wird. Sie kann nicht schreien und muss die Tortur ertragen, aber es kommt noch schlimmer.

Die Frau mit der 45er Magnum wird oft als weiblicher Death Wish (Ein Mann sieht rot, 1974) bezeichnet und wurde auch mit Roman Polanskis Repulsion (Ekel, 1965) verglichen, weil auch hier eine mehrfach missbrauchte junge Frau dargestellt wird, die aus der Bahn gerät und ihr Ventil in Mord und Totschlag findet. Die Darstellerin spielte unter dem Pseudonym Lund, da sie eigentlich Zoë Tamerlis hieß und noch zur Highschool ging, als sie aus dem Nichts gerissen wurde, um in Abel Ferraras Nachfolger seines weitaus raueren, wenn auch thematisch ähnlichen The Driller Killer – Der Bohrmaschinenkiller (1979) mitzuspielen. Da sie eine lautstarke Befürworterin von Heroin gewesen ist, stellt es sehr wahrscheinlich keinen Schock dar zu erfahren, dass sie im Alter von nur 37 Jahren an drogenbedingten Ursachen verstarb. Angesichts ihres Erbes an ungewöhnlichen Filmen, ist dies als eine furchtbare Verschwendung von individuellem Talent zu bezeichnen – sie war auch Drehbuchautorin (Bad Lieutenant; Hot Ticket).

Lund war nie ein wahrer Filmstar, doch wenn dieses Werk außerhalb von Kultkreisen weiter verbreitet gewesen wäre, hätte das möglicherweise ihr Profil erhöht, denn ihre Vorstellung als rächender Todesengel wird noch immer von vielen Fans geschätzt. Thanas schlechter Tag besteht darin, auf dem Heimweg vergewaltigt zu werden, doch damit ist es noch nicht genug, denn als sie in ihre Wohnung zurückkehrt, wird sie ein zweites Mal von einem Einbrecher missbraucht. Diesmal wehrt sie sich jedoch, indem sie dem Angreifer auf den Kopf schlägt, um ihn dann mit einem Bügeleisen zu erschlagen und den Rest des Films damit zu verbringen seine Körperteile in Taschen gepackt, in der Stadt verteilt, zu entsorgen.

Verständlicherweise bringt sie das an den Rand des Wahnsinns, wenn man allerdings die Art von Menschen betrachtet, mit denen sie jeden Tag zu tun hat, kann man sich schon fragen, warum sie nicht bereits früher übergeschnappt ist. Jeder Mann in diesem Film stellt irgendeine Art von überheblichen, schmierigen, abscheulichen und potentiellen Vergewaltiger dar und da sich Thana die Waffe des getöteten Einbrechers angeeignet hat (mit der ihr nie die Kugeln ausgehen!?), nimmt sie es auf sich, die Straßen für die Frauen der Stadt zurückzuerobern. So wird sie zur Serienmörderin, wobei sich die Zuschauer nicht sicher sein können, ob Sie ihr unverblümtes Verhalten begrüßen oder eher bemitleiden sollten, dass es zu solchen Extremen kommen musste, bevor sie ein Gefühl von Kontrolle wahrnehmen kann.

Natürlich gibt es noch eine andere Möglichkeit und die besteht darin sie zu fürchten, als wäre sie ein(e) Horrorfilm-Bösewicht(in), etwas, das nicht oft in der von Death Wish ausgelösten Vigilanten-Film-Welle geschehen ist. Wenn überhaupt, soll man diejenigen respektieren, die ihre Waffen gegen die Kriminalität erheben und Gleiches mit Gleichem vergelten. In Nicholas St. Johns Drehbuch herrscht zusätzlich eine Stimmung religiöser Manie und zwar nicht nur, weil Thana gegen Ende des Films als Nonne verkleidet auf einer Kostümparty ausrastet, sondern auch, weil Sex als etwas in der Gesellschaft außer Kontrolle geratenes angesehen wird. Die Tatsache, dass Männer in unbändige Sex-Monster verwandelt werden, kann sowohl als puritanischer, als auch feministischer Punkt angesehen werden. Für manche Betrachter stellt Thana eine Ikone weiblicher Macht dar, ihre schrecklichen Erfahrungen haben sie jedoch zu einer höchst konservativen Verrückten gemacht – schließlich könnte der Grundsatz vieler Slasher-Filme „Sex bedeutet Tod“ hier genauso gut gelten. Dank Lund kann man Thana verstehen und Verständnis dafür aufbringen, dass das Leben in diesem Höllenloch jede sensible Person verrückt werden lassen könnte.

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  • Darsteller: Darlene Stuto, Helen McGara, Abel Ferrara Zoë Tamerlis Lund. Albert Sinkys
  • Produzenten: Abel Ferrara
  • Region: Region 2
  • FSK: Freigegeben ohne Altersbeschränkung

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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