Die Hölle der lebenden Toten / Virus

Auf einer abgelegenen Insel wird in einer riesigen Fabrik mit einem gefährlichen Virus experimentiert. Durch einen Störfall gerät das Experiment außer Kontrolle und kann nicht mehr gestoppt werden. Der Kontakt zur Forschungseinrichtung bricht schließlich ab. Eine schwer bewaffnete Kommandoeinheit soll die Lage auf der Insel aufklären und rausfinden, was wirklich passiert ist. Die Elitesoldaten treffen im Einsatzgebiet auf eine Reporterin und jede Menge aggressiver Untoter. Stück für Stück wird die ganze Insel von den lebenden Toten in Beschlag genommen und für die wenigen Überlebenden beginnt ein tödlicher Kampf, aus dem es kein Entkommen gibt… (XT-Video)

In einer Chemiefabrik und einem Forschungslabor wird ein streng geheimes Experiment durchgeführt, das jedoch fürchterlich schief läuft, da die Wissenschaftler einige schwere Fehler begangen haben. Als zwei von ihnen die Anlage untersuchen, entdeckt einer eine tote Ratte, die zwischen einigen wichtigen Komponenten liegt und nimmt sie ungläubig mit, um sie seinem Begleiter zu zeigen – doch die Ratte ist nicht tot, erwacht zum Leben, beißt in seine Hand und gelangt irgendwie in seinen Schutzanzug, wo sie munter zubeißt, bis er stirbt. Gerade als dies geschieht, wirkt sich ein Leck des Gases (das vom Labor entwickelt und von der Fabrik hergestellt wurde) auf die Arbeiter aus, wobei der Chefwissenschaftler feststellt, dass er gerade die Büchse der Pandora geöffnet hat, während die schlurfenden Massen der Untoten zu marschieren beginnen …

Ja, es ist wieder Zombie-Zeit! Von der ersten Blütezeit der Ära oder eher von irgendwo in der Mitte, als die Italiener beschlossen, dass es eine großartige Idee wäre Inspiration in den Werken von George A. Romero zu finden. Dies war zwar bereits seit No profanar el sueño de los muertos (Das Leichenhaus der lebenden Toten, 1974) in den siebziger Jahren der Fall gewesen, doch erst mit der Ankunft von Romeros Dawn of the Dead (Zombie, 1978) wurde das Genre mit richtiger Energie versorgt und eine Reihe von Produktionen folgte diesem Vorbild, wobei mit Dan O’Bannons The Return of the Living Dead (Verdammt, die Zombies kommen, 1985) nur wenige Jahre später der letzte Zombie-Film der achtziger Jahre veröffentlicht wurde, bevor das Genre im 21. Jahrhundert ein großes Comeback feierte.

Wie in dieser späteren Zeit beruhte der Reiz solcher Dinge damals darauf, wie einfach es war, Zombies zum Feindbild zu machen. Die brauchten keine Charakterisierung, keinen Dialog oder komplexe Motivation. Alles was sie tun mussten war in grottigem Make-up (schön billig) herumzuwandern, um gelegentlich auf einen der professionellen Schauspieler der Besetzung zu treffen und sich einen Bissen Menschenfleisch zu holen: hier stellt die Schulter den bevorzugten Bereich dafür dar, obwohl es auch seltsames Waden- oder Gummifingerknabbern zu bestaunen gibt. Unglücklicherweise für diejenigen, die intelligente Unterhaltung suchen, haben Leute wie Regisseur Bruno Mattei immer wieder bewiesen, wie schwierig es ist Filme so zu gestalten, wie zum Beispiel Romero es tat. Viele Regisseure haben sich dafür entschieden, die Zuschauermenge mit übermäßig viel Gore zufriedenzustellen, um das Interesse aufrechterhalten zu können.

Was uns zu Die Hölle der lebenden Toten bringt, einem von mehreren Namen für dieses Werk, das von einem der „Trash“-Meister des Schrecklichen (wenn es denn so etwas überhaupt geben kann) Bruno Mattei, gedreht wurde. Hier strebt er Lucio Fulcis Regieführung nach, wurde mit der Zeit allerdings dafür bekannt einige der schlechtesten Exploitation-Filme seiner Zeit gedreht zu haben. Jemand wie er kann (s)eine Anhängerschaft nur finden, wenn er konsequent genug ist, wobei ihn nur wenige beschuldigen würden unter seinen eigenen Maßstäben gearbeitet zu haben (geschweige denn darüber). Niemand würde Virus mit großartigem Filmemachen verwechseln, da der Streifen eine gewisse Offenheit in seinem Wunsch an den Tag legt, die angestrebten Schocks mit dem niedrigstmöglichen Budget abliefern zu können. Es existieren nämlich tatsächlich Menschen, die darauf anspringen oder reagieren sie vielleicht nur darauf, weil sie sehen wollen, wie Zombies ihre Köpfe weggeblasen bekommen..?

Genau daran müssen sich die Protagonisten nämlich erinnern: der einzige Weg, die Untoten aufhalten zu können besteht darin ihnen in den Kopf zu schießen. Sie werden mindestens zweimal von einem der Soldaten daran erinnert und dennoch schießen sie immer wieder auf die Brust, was einen frustriert den Bildschirm anbrüllen lässt: „Der Kopf, Ihr Narren!!!“ Obwohl die Geschichte in dieser komischen Fabrik beginnt, spielt der größte Teil des Geschehens in einem Dschungel der Dritten Welt, in dem sich eine Gruppe von Journalisten, darunter Lia (Margit Evelyn Newton), von den Eingeborenen oder jedenfalls von den Untoten bedroht fühlt. Sie und ihr Kameramann treffen auf eine Gruppe von Soldaten, die davor Terroristen erschossen haben (die wiederum eine schreckliche Warnung vor dem Gas übermitteln wollten, zuvor jedoch niedergeschossen wurden) und werden nun von hilfsbereiten Einheimischen, die als Zombies verkleidet sind, einer nach dem anderen auf verschiedenste Art und Weise abgemurkst und verspeist. Zwischen den set-pieces gibt es insgesamt etwa eine halbe Stunde an Wildlife und anthropologischem stock-footage zu sehen, das eingearbeitet wurde, um die Laufzeit zu verlängern. Ja, der Film ist schlecht sowie idiotisch und jagt stets hinter den ekelhaftesten Einstellungen her … wobei diese Aspekte genauso gut als Pluspunkte angesehen werden könnten. Die Musik stammt von Goblin und dürfte vertraut klingen.

Bei Amazon derzeit nicht gelistet

Actors: Margit Evelyn Newton, Frank Garfield, Selan Karay, Robert O’Neil
Directors: Bruno Mattei
Language: Deutsch, Italienisch D 1.0
Region: Region 2
Aspect Ratio: 1.85:1, DVD 16:9
Number of discs: 1
Studio: XT-Video Entertainment
Run Time: 101 minutes

Das 10-seitige tenebrarum-Booklet mit dem Aufsatz „Ein Virus hält die Welt in Atem – Bruno Matteis apokalyptische Höllenversion“ von Filmanalytiker Martin Beine ist wieder einmal enorm lesenswert !!!

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

Das könnte Dich auch interessieren …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.