Die Katze mit den Jadeaugen / Il gatto dagli occhi di Giada

Eine junge Tänzerin wird Zeuge eines brutalen Mordes und selbst fast zum Opfer. Während der mutmaßliche Täter die Frau jagt, stellt die Polizei Ermittlungen an, die sich zunächst auf ein Tonband beschränken, welches durch Zufall wichtige Hinweise beinhaltet. Leider haben noch mehr unschuldige Menschen mit der Sache zu tun, die allesamt nach und nach Besuch vom Killer bekommen. Als der Freund der Tänzerin private Ermittlungen aufnimmt, scheint sich der Kreis zu schließen! (X-Rated)

Der italienische Originaltitel, der übersetzt Die Katze mit den Jadeaugen bedeutet, macht deutlich, dass er an die Gialli der frühen 70er Jahre erinnern soll. Um es auf den Punkt zu bringen handelt es sich hier ohne Frage um eine Hommage an Dario Argento. Das routiniert verfasste Drehbuch wurde von Roberto Natale mitgeschrieben, zu dessen früheren Verdiensten Mario Bavas Operazione paura (Die toten Augen des Dr. Dracula, 1966) und zwei Filme für Regisseur Massimo Pupillo (5 tombe per un medium, 1965 und Scarletto – Schloß des Blutes, 1965) gehören. Er war auch daran beteiligt Ernesto Gastaldis Theaterstück A… come assassino im Jahr 1966 auf die Leinwand zu bringen. Leider ist das Drehbuch (das von Regisseur Antonio Bido und einigen weiteren Mitarbeitern mit verfasst wurde) ein ziemliches Derivat und bietet nur sehr wenige Überraschungen. Die endgültige Enthüllung der Motivation des Mörders die Verbrechen zu begehen, repräsentiert eine der wenigen phantasievollen Errungenschaften, die man in dem Streifen finden kann. Die Charakterisierung der Protagonisten stellt dagegen einen weiteren wunden Punkt des Films dar. Einfach ausgedrückt, es gibt niemanden in Il gatto dagli occhi di Giada, in den man Emotionen investieren könnte. Dies liegt allerdings nicht daran, dass sie zu unsympathisch oder moralisch verwerflich wären; schließlich lebt das Genre von solchen miesen Typen.

Stattdessen sind die Charaktere einfach zu dünn und langweilig entwickelt worden, um das Interesse an ihnen aufrechterhalten zu können. Anstelle einer wirklich innovativen Inspiration greift Regisseur Antonio Bido auf die Filme von Dario Argento zurück. Bereits der Originaltitel erinnert an die sogenannte Tier-Trilogie von The Bird with the Crystal Plumage (Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe, 1970), Die neunschwänzige Katze (1971) und Vier Fliegen auf grauem Samt (1971). Es gibt eine Strangulation zu bestaunen, die an Die neunschwänzige Katze erinnert. Unter Hinweis auf Profondo rosso (Rosso – Die Farbe des Todes, 1975), wird ein weiteres Opfer zu Tode verbrüht. Der letztere Film lässt sich auch in dem gruseligen alten Haus, das der Amateurdetektiv unter die Lupe nimmt, wiederfinden. Eine Reihe von Drohanrufen, bei denen der Mörder in gedämpften, mehrdeutigen Tönen spricht, repräsentiert einen weiteren Argento-Standard, ebenso wie der Hinweis, der im Hintergrund eines der Anrufe gehört werden kann. Zu guter letzt scheint die Musik der Gruppe Trans Europa Express darauf bedacht zu sein, um jeden Preis Goblins Score zu Deep Red zu evozieren. All dies soll nun nicht bedeuten, Watch Me When I Kill (US-Titel) sei ein mieses Beispiel für den filone. Dem Film mag es zwar an Originalität mangeln, kompetent inszeniert worden ist er allerdings allemal.

Bidos Begeisterung für das „Genre“ manifestiert sich hier und da. Einige der Morde sind unerwartet wirkungsvoll geraten, insbesondere das Ableben des wichtigsten Nebendarstellers (Fernando Cerulli) in der Badewanne. Mario Vulpianis Kinematografie ist professionell, wenn auch wenig bemerkenswert, während die Goblin-ähnliche Musik effektiv eingesetzt wird. Corrado Pani, der eine anständige Leistung als Lukas abliefert, führt die Besetzungsliste an. Sein Charakter erweist sich als nicht besonders interessant, weswegen Pani auf Manierismen zurückgreift, wie an einem Zigarrenstumpen zu knabbern (so als wäre er gerade von einem Sergio Leone Western Set hereingeschneit), um das zu kompensieren. Pani war zuvor in Interrabang (1969) sowie im Grenzgänger Giallo Testa Giù Gambe in Aria (1972) aufgetreten, wobei sich der hier vorliegende Flick als seine letzte Auseinandersetzung mit dem „Genre“ herausstellen sollte. Paola Tedesco spielt Mara, die wenig Eindruck hinterlässt, während Franco Citti als Pasquale mit Leichtigkeit einige Szenen stiehlt. Seine Rolle bezüglich den Morden wird für eine Weile zweideutig gehalten, wobei Citti einer der wenigen Schauspieler der Besetzung ist, der es versteht seinem Charakter eine Art Innenleben zu verleihen.

Franco Citti wurde 1935 in Rom geboren und von Pier Paolo Pasolini „entdeckt“, der ihn in Hauptrollen für Filme wie Accattone – Wer nie sein Brot mit Tränen aß (1961), Mamma Roma (1962), Edipo Re – Bett der Gewalt (1967) und Decamerone (1971) besetzte. Citti arbeitete auch für Größen wie Francis Ford Coppola (Der Pate, 1972), Elio Petri (Todo Modo, 1976) und Valerio Zurlini Seduto alla sua destra (Töten war ihr Job, 1968). Zusätzlich tauchte er auch in populistischerer Kost, wie den Italo-Western Requiescant (Mögen sie in Frieden ruh‘n, 1967) und Ammazzali tutti e torna solo (Töte alle und kehr allein zurück, 1968) sowie den poliziotteschi Uomini si nasce poliziotti si muore (Eiskalte Typen auf heißen Öfen, 1976), Roma, l’altra faccia della violenza (Die blutigen Spiele der Reichen, 1976) und La banda del trucido (Die Gangster-Akademie, 1977) auf. Neben der Hauptbesetzung liefert Genre-Veteran Fernando Cerulli (als Badewannen-Opfer Giovanni Bozzi) eine solide Vorstellung ab. Ihn sollte man aus Italo-Western wie Un uomo chiamato Apocalisse Joe (Spiel dein Spiel und töte, Joe 1970), Jesse & Lester – Due fratelli in un posto chiamato Trinità (Ein Halleluja für zwei linke Brüder, 1972), La vita, a volte, è molto dura, vero Provvidenza? (Providenza – Mausefalle für zwei schräge Vögel, 1972) sowie Un genio, due compari, un pollo (Nobody ist der Größte, 1975) kennen. Zusätzlich trat er auch in etlichen anderen italienischen Genrefilmen in kleinsten Nebenrollen auf, wie zum Beispiel Das Schloß der blauen Vögel (1971), Milano Kaliber 9 (1972), Der Teufel führt Regie (1973), Die weiße Mafia (1973), Die Mörderbestien (1973), Zwei Supertypen räumen auf (1976) und Wer hat dem Affen den Zucker geklaut? (1982). Regisseur Antonio Bido wurde 1949 geboren und begann Mitte der siebziger Jahre als Regieassistent beim Film, bevor er mit Il gatto dagli occhi di Giada debütierte. Dieser Debütfilm erwies sich als erfolgreich genug, um ihm mit Solamente nero (Schatten des Todes, 1978) den Dreh eines weiteren Giallo zu ermöglichen. Bido sollte bis zum Jahr 2000 noch sporadisch im Filmgeschäft weiterarbeiten, doch sein Output war nicht mehr sehr produktiv, während seine Karriere mit ziemlicher Sicherheit durch den allgemeinen Zusammenbruch der italienischen Filmindustrie in den 80er Jahren beeinträchtigt wurde.

Darsteller: Corrado Pani, Paola Tedesco, Franco Citti, Fernando Cerulli, Giuseppe Addobbati
Regisseur(e): Antonio Bido
Format: Limitierte Auflage
Sprache: Italienisch (DD), Deutsch (DD)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
FSK: Nicht geprüft
Studio: X-Rated Kult DVD
Produktionsjahr: 1977
Spieldauer: 95 Minuten

Das 16-seitige tenebrarum-Booklet von Filmanalytiker Martin Beine ist wieder einmal enorm lesenswert !!!

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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