Die letzten Amerikaner / Kommando Bravo / Southern Comfort

Louisiana, 1973: Die Flussgebiete sind die Heimat der Cajuns, den Nachfahren französischer Einwanderer am Rande der Zivilisation. In diesem sumpfigen Niemandsland begibt sich ein neunköpfiger Reservistentrupp der Nationalgarde auf ein Übungsmanöver. In 48 Stunden wollten sie wieder zu Hause bei ihren Familien sein. Doch sie überschreiten die Grenze in ein Gebiet, in das sie nicht gehören. Sie verstoßen gegen Gesetze, von denen sie nicht wussten, dass es sie gibt. Und je weiter sie gehen, desto näher kommen sie dem Nirgendwo. Die Reservisten versuchen aus dem undurchdringlichen Sumpfgelände zu entkommen, aber das Manöver wurde längst zur erbarmungslosen Menschenjagd. Auf die sind sie weder militärisch noch psychisch vorbereitet, und einer nach dem anderen fällt ihr zum Opfer… (Turbine Medien)

Ein Platoon von Nationalgardisten wird bei einem Wochenendmanöver in die Sumpfgebiete Louisianas geschickt und in Trupps aufgeteilt. Einer dieser Trupps wird von Sergeant Poole (Peter Coyote) angeführt, einem harten, aber fairen Mann, dem ein neuer Rekrut aus Texas – Corporal Hardin (Powers Boothe) – zugeteilt wird. Poole warnt Hardin, er solle bloß keinen Ärger machen, doch es ist letztendlich nicht Hardin, der später für Probleme sorgen wird. Zunächst einmal feuern die Männer allerdings ihre Platzpatronen ab und freuen sich darauf am Ende ihrer Mission auf eine Gruppe von Prostituierten zu treffen. Diese wurden von PFC Spencer (Keith Carradine), dem Klugscheißer der Patrouille, organisiert. Als sich der Trupp jedoch in der Wildnis widerfindet, stoßen die Männer schnell an ihre Grenzen.

Zu Beginn des ironisch betitelten Streifens Southern Comfort stolpert Fred Wards Corporal Reece über ein Fischernetz, das Trapper ausgelegt haben. Anstatt darüber hinweg zu steigen, zerstört er es und demonstriert somit die fatale Missachtung der Truppe gegenüber ihrer Umwelt und den Einheimischen. Regisseur Walter Hill (siehe Retrospektive) verfasste das Drehbuch zusammen mit Michael Kane sowie David Giler und man kann sofort erkennen nach welchen Parallelen sie strebten. Denn bei dem Film handelt es sich um eine Allegorie des Vietnamkriegs, wobei die Soldaten hier eindeutig die hochmütigen und fehlerhaften Vereinigten Staaten von Amerika repräsentieren, die sich überheblich in dem Irrglauben befinden, sie könnten einen scheinbar unvorbereiteten und unterlegenen Feind locker und leicht besiegen.

Natürlich ist es der Trupp, der sich als unvorbereitet sowie unterlegen erweist, denn zunächst einmal liest Sergeant Poole ihre Karte falsch, weswegen sie nun einen Fluss überqueren müssen, was nicht geplant war. Zufällig stolpert Reece über drei Kanus und überredet seine Kameraden diese zu benutzen bzw. zu stehlen, während ein Soldat mit Gewissensbissen eine Nachricht für die Trapper hinterlässt, denen sie gehören. Die Hälfte des Flusses ist kaum überquert, als die Besitzer aus dem Unterholz auftauchen, bei denen es sich um sogenannte Cajuns handelt, wobei sich die Gardisten nicht sicher sind, ob diese Hinterwäldler Englisch sprechen oder nicht, was letztendlich auch gar keine Rolle spielt, als der Streiche spielende PFC Stuckey (Lewis Smith) mit seinem Maschinengewehr Platzpatronen in ihre Richtung abfeuert.

Die Antwort der Cajuns? Nun, ihnen ist nicht bewusst, dass sie nicht in Gefahr sind, also erschießen sie den Sergeant, wodurch sich nach und nach eine fein tarierte Spannung aufbaut, die bis zum Ende niemals nachlässt. Die Truppe muss sich nun aus dem Wasser bis zum Ufer vorkämpfen, wo beraten wird, was als nächstes zu tun ist, da sie jetzt ohne Anführer dastehen. Sergeant Casper (Les Lannom) erweist sich als ein schwacher Ersatz für Poole, während er sich selbst als Leiter der Gruppe installiert, obwohl ihn niemand ernst nimmt. In gewisser Weise stellt der Film eine Dekonstruktion männlicher Attitüden dar, weil die übriggebliebenen Männer alle versuchen sich durch eine verzweifelte Situation zu bluffen, indem sie ihre Aggressionen einsetzen und versuchen sich somit gegenseitig zu übertrumpfen.

Erfolgreich ist dabei keiner von ihnen, da sie nicht nur dem Sumpfgebiet beinahe hilflos ausgeliefert sind, sondern auch ihren Jägern, wobei die fast unsichtbaren Cajuns Teil der Landschaft werden, eine Urgewalt, die genauso leicht Bäume auf den Kopf ihrer Beute krachen lassen kann sowie sie in mannigfaltige Fallen zu locken oder mit Schrotflinten abzuknallen. Allerdings gelingt es den Soldaten einen der Cajuns gefangen zu nehmen, als sie den Trapper Brion James (perfekt besetzt) in seiner Hütte aufspüren und ihn beschuldigen Poole getötet zu haben, obwohl sie keine Beweise bereitstellen können. Die wachsende Paranoia bringt Corporal Bowden (Alan Autry) um den Verstand, weswegen er die Hütte des Trappers in die Luft sprengt, was ein weiteres Beispiel dafür repräsentiert, wie sich die Soldaten selbst sabotieren. Die Echos des Vietnamkrieges sind dabei sehr offenkundig, da die Charaktere symbolischer rüberkommen als lebende Menschen, obwohl Carradine und Powers Boothe durchweg exzellente Vorstellungen abliefern. Southern Comfort spielt sich wie ein Horrorfilm ab, denn man weiß nicht wer überleben oder was vom Trupp übrig bleiben wird, wobei der Streifen es bestens versteht ein gewisses Maß an Nervenkitzel mit rücksichtsloser Effizienz über seine gesamte Laufzeit zu verteilen. Die stimmungsvolle Musik stammt von Ry Cooder.

Southern Comfort erscheint im Hause Turbine Medien GmbH, wobei man dem Label zu dieser gelungenen Veröffentlichung zum wiederholten Male nur gratulieren kann. Der Film ist uneingeschränkt zu empfehlen, während die Scheiben nicht nur auf technischem Gebiet zu überzeugen wissen, sondern auch Einiges an sehr interessantem Bonusmaterial zu bieten haben. Das Bild wird in 1,78:1 (1080p24 Full HD) / 1,78:1 (16:9 anamorph, PAL) präsentiert und sieht wirklich klasse aus. Es zeigt sich sehr farbenfroh, enorm scharf und wunderbar detail- und kontrastreich. Bei der Qualität der angebotenen Tonspuren (Deutsch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD MA 2.0, Deutsch DD 2.0, Englisch DD 2.0) gibt es ebenfalls keine Beschwerden anzumelden.

Bonusmaterial:
Restaurierter Original-Monoton – Wird er leben oder wird er sterben – Interview mit Regisseur Walter Hill* (HD, ca. 44 Min.) – Retro-Fassung (4:3, Open Matte) – US-Kinotrailer* – Deutscher Kinotrailer (HD) – Buchteil von Tobias Hohmann über die Entstehungsgeschichte

*mit optionalen deutschen/englischen Untertiteln

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Produktionsland: USA 1981
Regie: Walter Hill
Darsteller: Keith Carradine, Powers Boothe, Fred Ward, Franklyn Seales
FSK: freigegeben ab 16 Jahren
Sprache / Ton: Deutsch DTS-HD MA 2.0, Englisch DTS-HD MA 2.0, Deutsch DD 2.0, Englisch DD 2.0
Bildformat: 1,78:1 (1080p24 Full HD), 1,78:1 (16:9 anamorph, PAL)
Untertitel: Deutsch, Deutsch f. Hörgeschädigte, Englisch, Englisch f. Hörgeschädigte
Laufzeit: 106 Minuten

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Diese Edition sowie das Bildmaterial (teilweise) wurde uns freundlicherweise von Turbine Medien zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Filmliebhaber aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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