Die Mörderbestien / La morte ha sorriso all’assassino / Death Smiles On A Murderer

Es ist die Geschichte eines Mannes, der eine alte Inka Formel findet. Schnell merkt er, dass man mit dieser Formel Tote auferstehen lassen kann. Der Mann beschließt sie für seine eigene Reihe von Rachemorden zu verwenden.

Fragen, Fragen, Fragen – man wird während des gesamten Films mit ihnen konfrontiert sein und wenn man nicht aufpasst, sogar noch nach dem Abspann. Selbst wenn man in der Lage sein sollte, die Puzzleteile zusammenzusetzen – was nicht so einfach ist, weil die Geschichte manchmal nicht linear und sogar absichtlich schwer verständlich erzählt wird – fragt man sich immer noch „wie?“ und „warum“? in Bezug auf einige Details. Einer von mehreren italienischen Gothic-Horror-Flicks, die in den frühen 70er Jahren gedreht wurden und Elemente des Giallo einbrachten, um zu versuchen, ein Genre mit abnehmender Popularität wiederzubeleben, stellt La morte ha sorriso all’assassino ein ausgesprochen künstlerisches Unternehmen dar, das reich an traumhafter Atmosphäre, ungewöhnlichem Editing und stilisierter Kameraarbeit ist. Überraschenderweise entpuppt sich Joe D’Amato als Regisseur und Co-Autor dieses Films. D’Amato dürfte hauptsächlich für Buio Omega (Sado – Stoß das Tor zur Hölle auf, 1979), Antropophagus (Der Menschenfresser, 1980) und Rosso sangue (Anthropophagous 2/Absurd, 1981) bekannt sein, obwohl man als Teenager evtl. auch seine Softporno-Trilogie Elf Tage und elf Nächte (1987) durchgesessen hat. Letztendlich kennt man D’Amato eher als Sleaze-Händler, denn als guten Filmemacher, doch Die Mörderbestien kann stark mit seiner Qualität und sicherlich auch mit seinen künstlerischen Neigungen punkten.

Der sehr eigentümliche, wenn auch gelegentlich frustrierende Death Smiles On A Murderer hat viel zu bieten, was den Film für seine Zuschauer sicherlich sehr interessant machen dürfte. Das Drehbuch wurde von D’Amato, Romano Scandariato und Claudio Bernabei geschrieben, obwohl letzterer wohl nur eine Schreibkraft von D’Amato gewesen ist, der im Abspann dieses Films tatsächlich unter seinem richtigen Namen Aristide Massaccesi firmiert. Zum ersten Mal in seiner Karriere war der Mann tatsächlich stolz auf einen seiner Filme und gab es auf seine Identität zu verbergen, obwohl er sich bald darauf endgültig für den nom de plume Joe D’Amato entschied. Die Geschichte wird D’Amato gutgeschrieben, die laut Scandariato „mehr oder weniger auf einer Seite“ Platz gefunden haben soll. Der erste Entwurf wurde etwas umfangreicher geschrieben, doch als der Produktion nur ein geringes Budget von 150 Millionen Lire zur Verfügung gestellt wurde, mussten bestimmte Dinge geändert oder gar gestrichen werden – was teilweise erklären könnte, warum zwei Nebenhandlungen drastisch gekürzt wurden (andererseits vielleicht aber auch nicht).

Die Werke von Edgar Allan Poe, einschließlich einer Person, die lebendig hinter einer Mauer begraben wird und Sheridan La Fanus oft verfilmter Carmilla scheinen wichtige Einflüsse gewesen zu sein. Der Streifen wurde unter dem Arbeitstitel Sette strani cadaveri (Sieben seltsame Leichen) in den Elio Studios in Rom und in zwei nahe gelegenen Villen gedreht. Einige Szenen, die nicht im Drehbuch enthalten sind, wurden am Set improvisiert, darunter auch die sehr bekannte, in der Luciano Rossi von einer Katze das Gesicht zerfetzt bekommt. D’Amato soll den gewünschten Effekt erreicht haben, indem er die Katze einfach in Rossis Gesicht warf. Da die Verleiher von Florida Cinematografica wenig Schlagkraft hatten, wurde der Film an der Abendkasse für schwache Geschäfte freigegeben und erhielt eine amerikanische Veröffentlichung im Fernsehen unter dem Titel Death Smiles At Murder. Der Film eröffnet mit einem Mann, der über den Körper seiner toten Geliebten gestützt weint und sagt, er habe seine einzig wahre Liebe verloren. Allerdings stellt das Publikum dann plötzlich fest, dass sie seine Schwester war, weswegen jegliches Mitgefühl für ihn umgehend verloren geht, da in einer Rückblende gezeigt wird, wie er sie vergewaltigt – wobei D’Amato lobenswerte Zurückhaltung an den Tag legt.

Schnitt zu den beiden im Bett, wo sie zu ihm sagt, sie wolle mit ihm weggehen. Doch dann sieht man, wie sie zuerst auf spielerische Art und Weise und schließlich ernsthaft vor ihm flieht, bevor sie einem anderen Mann in einer seltsamen Montage (über der eine dieser schmerzhaft schönen Themenmelodien spielt, die man oft in italienischen Filmen dieser Zeit zu hören bekommt) begegnet und sich in ihn verliebt. Man könnte schwören es würde sich um Musik von Ennio Morricone (mit wortlosem weiblichen Gesangsbeitrag der wunderbaren Edda Del ‚Orso) oder Carlo Savina handeln, wobei sie tatsächlich von Berto Pisano stammt. Wie auch immer, jetzt wird zu einer Kutsche geschnitten, die vorbei rast und ihr Passagier recht bald im Haus der von Ravensbrücks landet, ohne sich an etwas erinnern zu können, während der Fahrer durch den Unfall blutig ums Leben kam. Man könnte nun erwarten, dass man bald mehr Hintergrundgeschichte in Form von Rückblenden präsentiert bekommen würde, aber dieser Film gibt seinen Zuschauern bis zum Ende nicht viel mehr, was ein mutiges Unterfangen darstellt, da man so nicht mehr über Gretas traurigen Hintergrund und ihre genaue Herkunft erfahren kann, was dem Publikum vielleicht erlaubt hätte, mehr Sympathie für sie zu empfinden.

Die Inhaltsangabe der Arrow Video Blu-Ray enthüllt bereits recht viel vom Plot. Sollte man sich also für den Kauf dieser Scheibe entscheiden, ist zu empfehlen, sich nicht die Rückseite durchzulesen und ohne viel Vorwissen an Die Mörderbestien heranzugehen, zumal hier mit Sicherheit versucht wird nicht zu spoilern! So findet sich Greta (Ewa Aulin), die offensichtlich aus einem schrecklichen Leben geflohen ist, bald in einem vollkommen anderen wieder. Es stellt wahrscheinlich keine große Sache dar, dass Walter (Sergio Doria) ihr leidenschaftlich verfallen ist und auch nicht, dass seine Frau Eva (Angela Bo) Eifersucht versprüht, aber nicht weil er sie betrügt, sondern weil sie sich auch zur ihr hingezogen fühlt. Irgendwann versucht Eva, Greta im Bad zu ertränken, doch dann verwandelt sich alles irgendwie in eine lesbische Liebesszene. Nun ja, es handelt sich eben auch immer noch um einen D’Amato Film. In der Zwischenzeit hat Inspektor Dannick (Attilio Dottesio) wirklich eine schwierige Aufgabe zu bewältigen, um die Vorgänge aufzuklären, ebenso wie das Publikum. Dr. Sturges (Klaus Kinski) hat nämlich eine Formel gefunden, welche die Toten wieder zum Leben erwecken kann – wobei hier erstmal das Enttäuschendste an Death Smiles On A Murderer offenbart werden muss: obwohl der Film stark mit ihm beworben wurde, hat the one and only Klaus Kinski nur wenige Szenen zu spielen und scheidet beinahe schon zur Hälfte des Verfahrens aus – nicht, dass man für einige Zeit nicht vergessen werden kann, wie er ohne ersichtlichen Grund mit einer Nadel in Gretas Augapfel sticht und sie dann in der nächsten Szene keine Anzeichen davon zeigt!

An anderer Stelle begeht jemand blutige Morde, wobei sich die extremen Aufnahmen von Gore manchmal irgendwie auf amüsante Art und Weise präsentieren – zum Beispiel gibt es einen Rasiermesserangriff zu bestaunen, bei dem das Gesicht des Opfers erst nach zwei oder drei Schnitten mit Blut besudelt wird. Der Angriff der Katze dauert eine ganze Minute lang und wird wahrscheinlich irgendwann zum Lachen anregen. Schließlich ermordet Eva Greta und ihr Vater taucht zur Beerdigung auf und er ist … nun, das soll es jetzt in Bezug auf die Geschichte gewesen sein, die hier nicht weiter enthüllt wird. Ergeben die Dinge am Ende einen Sinn? Die Antwort ist ja, wenn man es zulässt, den Film in der Welt des Übernatürlichen stattfinden zu lassen. Doch selbst dann wird man sich immer noch über einige Dinge wundern, während man sich fragt, warum in diesem Film Szenen vorkommen, in denen ein Dienstmädchen vermutlich von einem der anderen Charaktere verfolgt und letztendlich ermordet wird, obwohl diese Sequenzen nirgendwo hinführen. Wahrscheinlich soll man an das mächtige Böse dieses Charakters erinnert werden, doch wozu, wenn nicht einmal aufgeklärt wird, wer dieser böse Charakter überhaupt ist!? Und die letzte Szene ist wirklich als meschugge zu bezeichnen. Man kann einfach nicht herausfinden, ob sie nur als dummer letzter Schreckmoment oder als Hinweis auf einen wiederkehrenden Albtraum gedacht ist, in dem eine der Figuren gefangen sein könnte – und dabei handelt es sich nicht um den einzigen Teil dieses Films, der an Mario Bavas Lisa e il diavolo (Lisa und der Teufel) aus demselben Jahr erinnert.

Bavas Operazione paura (Die toten Augen des Dr. Dracula, 1966) scheint ebenfalls ein Einfluss zu sein. D’Amato stolpert zu einigen Gelegenheiten, insbesondere wenn er es nicht versteht die potenziell aufregenderen Szenen dieses Films optimal zu nutzen, während sich Pisano an langsames Musikmaterial hält, anstatt den Zuschauern einige actionreiche Cues zu spendieren. Obwohl das eher weniger ins Gewicht fällt, weil Pisanos Partitur ganz einfach nur zum dahinschmelzen schön zu hören ist. Die Kinematographie – von D’Amato höchstselbst – stellt schon was dar. Okay, man bekommt viele dieser Zooms präsentiert, die selbst Bava für eine Weile gerne eingesetzt hat, aber häufig auch seltsame Kamerawinkel, Nahaufnahmen und POV-Einstellungen. Einige Szenen spielen in dunstiger, geringfügiger Zeitlupe ohne Dialog, wobei nur die Musik die Dinge zusammenhält, während sie für die Verknüpfung einiger scheinbar eher zufälliger Montagen unerlässlich ist.

Die Verwendung elektronischer Instrumente in manchen Teilen kann als seltsam beschrieben werden – doch es funktioniert. Die Partitur scheint jedoch immer wieder dieselben zwei oder drei Stücke zu wiederholen. Außerdem gibt es ein ziemlich schwaches „Gesicht einer zerfallenden Leiche“ zu bewundern, das wirklich nur wenig überzeugend rüberkommt. Ewa Aulin spielt etwas hölzern, wobei man sich allerdings fragen kann, ob sie ihre Rolle absichtlich so angelegt hat. Luciano Rossi ist als Frank ziemlich Furcht erregend, obwohl er wenig Leinwandzeit abbekommen hat. Die Mörderbestien könnte in einigen Aspekten ein wenig nachlässig konzipiert sein, insbesondere in Bezug auf seine Handlung – wobei jedoch bezweifelt werden kann, dass D’Amato in erster Linie nach Kohärenz strebte. Stattdessen scheint er versucht zu haben sich dem Drogenrausch-artigen, surrealen Albtraumgefühl zu nähern, das Dario Argento und Lucio Fulci einige Jahre später mit Suspiria (1977) bzw. …E tu vivrai nel terrore! L’aldilà (Über dem Jenseits, 1981) auf ein hohes Niveau bringen sollten. Man kann zwar noch immer nicht behaupten, dass Joe D’Amato tatsächlich ein bedeutender, nicht anerkannter Meister des Kinos war, doch es scheint, als habe er mit La morte ha sorriso all’assassino wirklich versuchen wollen, etwas anderes zu kreieren.

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  • Seitenverhältnis : 16:9 – 1.85:1
  • Regisseur : Joe D’Amato
  • Medienformat : PAL, Blu-ray
  • Darsteller : Klaus Kinski, Ewa Aulin, Angela Bo, Sergio Doria, Attilio Dottesio
  • Untertitel: : Englisch, Englisch
  • Sprache, : Italienisch (Dolby Digital 1.0), Englisch (Dolby Digital 1.0)
  • Studio : Arrow Video

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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