Die Nacht der offenen Särge / Drácula contra Frankenstein / Dracula, Prisoner of Frankenstein

Der Wissenschaftler Dr. Exorcio, begleitet von seinem aus Leichenteilen geschaffenen Monster und seinem missgebildeten Diener Morpho, strebt die Weltherrschaft an. Er erweckt den Vampir Graf Sartana mit einem Blutbad wieder zum Leben und bringt ihn unter seine hypnotische Gedankenkontrolle. Dr. Seward, der den Grafen erst kürzlich mit einem Silbernagel gepfählt hat, ist wenig begeistert von Dr. Exorcios Plänen und sucht mithilfe der naturkundigen Amira die Brut des Bösen zu vernichten. Doch auch die Vampire wollen sich von Dr. Exorcios Gedankenherrschaft befreien und rufen in einer Vollmondnacht den Werwolf zu Hilfe. (Colosseo Film)

Graf Sartana (Howard Vernon) lauert in der Umgebung einer kleinen europäischen Stadt und ist – unterstützt durch die Verwandlung in eine Fledermaus – bereits durchs Fenster in das Schlafzimmer einer jungen Frau eingebrochen, um ihr das Blut aus dem Körper zu saugen. Jonathan Seward (Alberto Dalbés), Arzt in einem nahe gelegenen Sanatorium, schöpft Verdacht, weil eine seiner Patientinnen sehr sensibel auf eine mögliche Anwesenheit einer übernatürlichen Macht des Bösen reagiert. Dr. Seward gelingt es zunächst den Grafen mit Hilfe eines Silbernagels unschädlich zu machen, doch zu allem Überfluss trifft auch noch Dr. Exorcio (Dennis Price) in der Gegend ein, um den Grafen aufzuspüren und wieder zum „Leben“ zu erwecken.

Dieses Vorhaben ist als ein Akt unglaublicher Böswilligkeit oder sowas Ähnliches anzusehen, weil es ehrlich gesagt schwierig ist genau zu sagen, was der äußerst seltsame Dr. Exorcio eigentlich vorhat. Tja und das alles ist Jess Francos höchst einzigartigem Stil zu verdanken. Der war ja bereits berüchtigt für das, was einige als eine enorm schäbige Herangehensweise an das Filmemachen betrachteten und musste für dieses Werk ziemlich viel Kritik einstecken, da er sich hier aus dem großen Buch des Horrorfilmschaffens seines Landsmannes Jacinto Molina Álvarez „bediente“, um diesem somit seine eigene Art von Tribut zu zollen.

In diesem Fall dreht es sich um die Universal-Monster der dreißiger und vierziger Jahre, weswegen man hier also ein Zusammentreffen zwischen Dracula (Graf Sartana) und Frankenstein erwarten darf, was sich auch aus dem Originaltitel ergründen lässt. Recht spät im Film taucht zudem noch ein Überraschungsgast für zusätzliche „Aktion“ auf. Dennis Price näherte sich zu diesem Zeitpunkt bereits dem Ende seiner Karriere und konnte nicht viel in die Rolle des verrückten Wissenschaftlers einbringen, schon gar nicht den durchtriebenen sowie gehobenen Sinn für Humor, den er in allen möglichen billigen Chillern und Thrillern aus dieser Zeit versprühte. Howard Vernon war offensichtlich nur angewiesen worden sein Gesicht zu verziehen, um die Reißzähne der Figur zu zeigen und beließ es auch dabei, was dem Publikum nun nicht gerade den unwiderstehlichsten Grafen präsentiert, den es je zu Gesicht bekommen hat.

Dabei ist nicht gerade hilfreich, dass er, wenn er in den Hals eines Mädchens gebissen hat, letztendlich mit einem leuchtend roten Mund präsentiert wird, der so gut wie gar nicht gruselig rüberkommt und er deswegen eher einem Mann mit kirschrotem Lippenstift ähnelt. Das Make-up ist mit absoluter Sicherheit sowieso nicht zu den Stärken des Flicks zu zählen, da man im Gesicht von Frankensteins Monster ganz offensichtlich mit einem roten Stift gezeichnete „Stiche“ und „Nähte“ erkennen kann, obwohl seine einfache Boris-Karloff-artige Erscheinung bereits ausgereicht hätte, um erkennen zu können, um wen es sich hier eigentlich handeln soll. Doch während Die Nacht der offenen Särge mit seinem somnambulem Tempo und dem Mangel an Dialogen sowieso bereits müde Zuschauer sehr leicht in den Schlaf schicken könnte, sind es eben genau diese Eigenschaften, die an einen Stummfilm aus den zwanziger Jahren erinnern, eine Art farbiger Nosferatu, eine Symphonie des Grauens oder Ähnliches, eben nur in sehr viel langweiliger.

Gelegentlich gibt es zwar schon einem Dialog zu lauschen, doch dann gestaltet sich dieser meistens ziemlich kurz sowie unsinnig, egal welche Sprachversion man sich ansieht, wobei der böse Doktor Exorcio die Notizen seines Tagebuchs vorliest und über „Das große Jenseits“ schwafelt, das er behauptet erobert zu haben, indem er sein Frankenstein Monster zum Leben erweckt und Graf Sartana in seinen wissenschaftlichen Bann gezogen hat. Was man natürlich überhaupt nicht bemerken kann, da sich der Graf einfach wie für ihn gewohnt in eine Fledermaus verwandelt (mit den aller billigsten Effekten) und die Körper aller jungen Damen aussaugt, die das Pech haben seinen Weg zu kreuzen – man beachte dabei, dass sich der Gore-Quotient für einen europäischen Horrorstreifen dieses Jahrgangs als enorm niedrig erweist.

Dieser bereits erwähnte, besondere Gaststar entpuppt sich als Der Wolfsmann, gespielt von einem pseudonymen Schauspieler (Brandy) mit pelzigem Gesichts-Make-up, der sich für einen Wrestling-artigen Kampf auf Frankensteins Monster stürzt, wobei man vergeblich nach einem konkreten Grund dafür sucht, warum er überhaupt auftaucht. In Colosseo Films Inhaltsangabe kann man lesen, dass sich die Vampire von Dr. Exorcios Gedankenherrschaft befreien wollen und in einer Vollmondnacht den Werwolf zu Hilfe rufen, was allerdings niemals geschieht, jedenfalls nicht On-Screen. Aufgrund einer Szene, in der eine Zigeunerin all dies nochmal zusammenfasst, könnte man meinen Franco würde die Sensibilität des Publikums ansprechen wollen und diese Geste sogar für einen flüchtigen Moment voller Kurzweil empfinden. Obwohl Die Nacht der offenen Särge einer seiner meistgesehenen Filme zu sein scheint, sehen ihn nur wenige Leute als ihren Favoriten an.

Bei Amazon bestellen oder streamen

  • Seitenverhältnis:‎ 16:9 – 2.35:1
  • Alterseinstufung:‎ Freigegeben ab 16 Jahren
  • Regisseur:‎ Franco, Jess
  • Medienformat: Breitbild
  • Laufzeit: 1 Stunde und 22 Minuten
  • Darsteller:‎ Price, Dennis, Vernon, Howard, Nichols, Britt, Bilbao, Fernando
  • Untertitel: ‎Deutsch, Englisch
  • Studio: ‎Colosseo Film

Beim Film-Retro-Shop bestellen

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Filmliebhaber aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

Das könnte dich auch interessieren …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.