Die Stunde der Aasgeier / Carogne si nasce / If One Is Born a Swine… Kill Him

Mit der Ankunft eines Deputy Marshall und eines Revolverhelden namens „Mule“ in der Stadt Houstonville, Texas, spitzt sich ein Feldkrieg zwischen Viehzüchtern und Farmern zu. (375 Media/ True Grit / Cargo Records)

Bei Die Stunde der Aasgeier handelt es sich um einen allenfalls mittelmäßigen Italo-Western mit vielen Schießereien, lauter Action sowie etlichen bekannten Gesichtern. Der Streifen beschäftigt sich mit Feldkriegen zwischen Farmern und Viehzüchtern in Houstonville, Texas, wo sich der eigensinnige Deputy Marshal Grant (Glenn Sasxon) einfindet, um es dort mit einem fiesen Revolverhelden sowie mächtigen Einheimischen wie Bürgermeister Johnson (Renato Baldini) und dem schurkischen Alan Adams (Nello Pazzafini) aufzunehmen. Die beiden heuern nämlich den bereits erwähnten Revolverhelden Morgan Pitt (Gordon Mitchell) an – den man nur „Mule“ bzw. „Esel“ – nennt, um die armen Farmer sowie Grant fertig zu machen. Die Stunde der Aasgeier stellt einen recht gewöhnlichen Spaghetti-Western mit bestens bekannter Besetzung dar, in dem Glenn Saxon für Frieden und Ordnung in einer kleinen Stadt sorgt, die von einem korrupten Bürgermeister und dessen Rowdies beherrscht wird. Die Höhepunkte des Films werden von einer gruseligen, aufwühlenden Erhängungssequenz und dem bewegenden Finale während des Erntedankfestes repräsentiert, wenn sich eine ultimative Konfrontation voller Schießereien, Faustkämpfen und gewaltsamen Todesfällen entfesselt.

Glenn Saxson verkörpert den zähen, aggressiven, energischen sowie „witzigen“ Deputy Marshall Grant und macht seine Sache dabei recht gut. Saxson spielte in den verschiedensten Italo-Western mit, darunter Django spara per primo (Django – Nur der Colt war sein Freund, 1966), Il lungo giorno del massacro (Das Gesetz der Erbarmungslosen, 1968), Vayas con Dios, Gringo (Go with God Gringo, 1966) sowie Il magnifico texano (Desperado – Der Geheimnisvolle Rächer, 1967) und war auch in Abenteuerfilmen wie Luana la figlia delle foresta vergine (Luana – Der Fluch des weißen Goldes, 1968), Kriminal (1966) und Il marchio di Kriminal (1968) aktiv. Gordon Mitchell übernimmt die Rolle des fiesen sowie undurchsichtigen Revolverhelden Morgan Pitt, der den Spitznamen „Mule“ oder „Esel“ trägt und mindestens eine „faustdicke“ Überraschung auf Lager hat. Mitchell spielte zunächst hauptsächlich in Pepla wie L’ira di Achille (Der Zorn des Achilles, 1962), Maciste nella terra dei ciclopi (Maciste, der Sohn des Herkules, 1961) und Il conquistatore di Corinto (Der Eroberer von Korinth, 1961); tauchte allerdings auch in etlichen Spaghetti-Western auf wie Arrivano Django e Sartana… è la fine (Django und Sartana kommen, 1970), Inginocchiati straniero… I cadaveri non fanno ombra! (Tote werfen keine Schatten, 1970), Se t’incontro t’ammazzo (Unerbittlich bis ins Grab, 1971) und Per una bara piena di dollari (Adios Companeros, 1971), wo er normalerweise mit Demofilo Fidani und Gianni Crea (zwei Regisseure, die sich für einige der schwächsten bzw. schlechtesten Italo-Western verantwortlich zeichnen) zusammenarbeitete.

Die Nebenbesetzung besteht aus ziemlich bekannten Gesichtern wie Nello Pazzafini als gewöhnlicher Bösewicht, John Bartha als Farmer, Philippe Hersent als Deputy Sheriff, Spartaco Conversi als Sheriff Brown und Renato Baldini als niederträchtiger Bürgermeister Johnson, der die Siedler vertreiben will, um ihre Ländereien übernehmen zu können. Fausto Rossis atmosphärische Kinematographie kann als funktional bezeichnet werden, während Lallo Gori eine einigermaßen brauchbare Spaghetti-Partitur beisteuert, die später u.a. in etlichen Fidani-Epen recycelt worden ist. Die Stunde der Aasgeier wurde von Alfonso Brescia (als Al Bradley gelistet) recht ordentlich inszeniert. Brescia war ein unausgeglichener Handwerker mit langer Karriere, der die verschiedensten Filme in allen möglichen Genres mit niedrigem Budget gedreht hat. Darunter befinden sich Abenteuerfilme wie Ator il guerriero di ferro (Iron Warrior, 1987), Zanna Bianca e il cacciatore solitario (Von Wölfen gehetzt, 1975) und Superuomini, superdonne, superbotte (Sie hauen alle in die Pfanne, 1974); Science-Fiction-Filme wie Battaglie negli spazi stellari (Battle of the Stars, 1978); Pepla wie Il magnifico gladiatore (Der größte der Gladiatoren, 1964), Il conquistatore di Atlantide (Kampf um Atlantis, 1965) und La rivolta dei pretoriani (Der Aufstand der Prätorianer, 1964); poliziotteschi wie Sangue di sbirro (Blut eines Bullen, 1976), Napoli serenata calibro 9 (1978) und I contrabbandieri di Santa Lucia (Der große Kampf des Syndikats, 1979); Italo-Western wie Voltati… ti uccido! (100.000 verdammte Dollar, 1967), Killer calibro 32 (Stirb oder töte!, 1967) und I giorni della violenza (Sein Wechselgeld ist Blei, 1967).

Das Bild wird uns im 16:9 – 2.35:1 (anamorph) Format präsentiert und sieht recht annehmbar aus. Es ist klar, einigermaßen farbenfroh und beinahe vollkommen frei von Bildschäden. Es erweckt den Anschein, als würde es sich um eine sehr gut erhaltene VHS-Version handeln. Beim Ton liegen die deutsche sowie die italienische und englische Spur in DD 2.0 vor. Alle drei Tonspuren hören sich mehr oder weniger ok an. Hier gibt es höchstens Unterschiede im Klang zu erkennen, wobei die italienische Spur am besten wegkommt, während die deutsche recht dumpf klingt (zudem noch leicht a-synchron ist) und die englische im Hintergrund zuweilen ein wenig rauscht. Extras gibt es außer einem Wendecover, keine. Es ist sehr löblich, dass relativ seltene Italo-Western, wie dieser hier, ganz tief aus der Mottenkiste hervorgekramt werden, doch sollte das Preis- / Leistungsverhältnis in solchen Fällen dann auch stimmen, was bei dieser Edition leider nicht der Fall ist. Zudem liegen uns auch keine Informationen vor, ob es sich um eine offiziell lizensierte Veröffentlichung handelt oder nicht!?

Aufgrund der oben angesprochenen Gründe können wir für diesen Titel keine Kaufempfehlung aussprechen. Doch letztendlich muss jeder für sich selbst entscheiden.

  • Seitenverhältnis: ‎16:9 – 2.35:1
  • Alterseinstufung:‎ Freigegeben ab 18 Jahren
  • Regisseur:‎ Alfonso Brescia
  • Medienformat: Breitbild
  • Laufzeit: 1 Stunde und 27 Minuten
  • Darsteller:‎ Glenn Saxson, Gordon Mitchell, Fernando Sancho, Mavie Bardanzellu, Renato Baldini
  • Sprache: ‎Italienisch (Dolby Digital 2.0 Mono), Deutsch (Dolby Digital 2.0 Mono), Englisch (Dolby Digital 2.0 Mono)
  • Studio:‎ 375 Media / True Grit / Cargo Records

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Filmliebhaber aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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