Die Tiger von Kwantung / Guangdong shi hu xing yi wu xi / Ten Tigers of Kwangtung

Während der Mandschu-Dynastie versucht ein Stadthalter die Nachfahren der 10 Tiger von Kwantung zu töten. Der Geheimbund der 10 Tiger hat von Jahren den Vater des Stadthalters ermordet und gilt seither als führender Kopf der Rebellen, die sich dem Kampf gegen die Mandschu Tyrannei verschworen haben. Keine leichte Aufgabe, denn der Geheimbund der 10 Tiger hat seine Kung-Fu Techniken über die Jahre meisterhaft an seine Erben weitergetragen. (filmArt)

Die Tatsache, dass Die Tiger von Kwantung eine essenzielle All-Star-Besetzung von Kampfkünstlern der Shaw Brothers A-Liste aufbieten kann und vom berühmten Regisseur Chang Cheh inszeniert wurde, lässt ihn in vielerlei Hinsicht sofort zum Scheitern verurteilt sein. Während man möchte, dass der Film eine Avengers–mäßige Ansammlung von Charme, Action und Großartigkeit repräsentiert, kommt er eher wie Ocean’s Thirteen rüber, mit viel zu viel Talent, das im Wesentlichen für Wegwerf-Charaktere und eine übermäßig ambitionierte Handlung verschwendet wird, die sich sowieso unsicher zu sein scheint, was sie mit der Hälfte ihrer Figuren anstellen soll. Während der Film aufgrund seiner Star-Power mit ein paar äußerst gelungenen Martial Arts Vorstellungen und einem starken Gespür für Action-Sequenzen bis zu einem gewissen Grad gerettet werden kann, stolpert der Rest von Guangdong shi hu xing yi wu xi doch ganz gewaltig.

Als ein junger Mann und ein korrupter Anführer ihre Kräfte bündeln, um sich an fünf jungen „Brüdern“ zu rächen, setzen sie alles daran, um die legendären „Zehn Tiger“ aus ihrem Versteck zu locken, damit sie einen Plan zu Ende führen können, der Jahre zuvor gescheitert war, als sich die „Zehn Tiger“ ursprünglich zusammengeschlossen hatten, um eine Rebellion gegen die Behörden loszuschlagen. Die Idee hinter Ten Tigers of Kwangtung ist ganz einfach als verdammt episch zu bezeichnen. Zehn legendäre Kämpfer, die sich zusammenschließen, um eine Rebellion gegen die Behörden auszulösen!? Eine Besetzung legendärer Shaw-Schauspieler wie Ti Lung und eine Handvoll des Venoms-Mobs (Die unbesiegbaren Fünf, 1978) sorgen für einen Film, den jeder Shaw Brothers-Fan mit Selbstachtung gesehen haben muss. Unter der Regie von Chang Cheh fährt Die Tiger von Kwantung einige charismatische Darbietungen auf, denn jeder Tiger ist mit einer besonderen Kung-Fu-Stil Spielerei ausgestattet, einschließlich eines Mannes, dessen Finger unzerbrechlich und immens stark sind. Während sich die Action, besonders gegen Ende, ziemlich beeindruckend gestaltet, ist es doch die Besetzung, die das Highlight des Streifens darstellt.

Die Tiger von Kwantung kann jedoch auf keinen Fall als ein perfekter Film bezeichnet werden. Trotz aller Elemente, die mit Besetzung und Regisseur für ihn sprechen, erweist sich das Konzept des Streifens als einfach zu groß geraten. Es fühlt sich beinahe so an, als gäbe es den Originalfilm und eine Fortsetzung, die zusammengefügt wurden, um einen großen epischen Film daraus zu generieren. Die Hauptgeschichte handelt eigentlich von den Söhnen der Zehn Tiger, die nacheinander vom rachsüchtigen Sohn eines korrupten Anführers getötet werden, den die ursprünglichen Zehn Tiger bei ihrer Rebellion töten mussten. Der Film springt also mit langgestreckten Rückblenden zu den ursprünglichen Zehn Tigern zurück und zeigt wie sie trotz ihrer Differenzen zusammengefunden haben, um kraftvoll und aggressiv handeln zu können. Der Film springt dann wieder zurück in die Gegenwart, um die Hauptgeschichte fortzusetzen. Dieses Hin- und Herspringen gestaltet sich manchmal etwas verwirrend und da sich der größte Teil der Charakterentwicklung auf die Rückblenden beschränkt, bleiben den Söhnen unserer Helden in der Regel nur wenige Entwicklungsmöglichkeiten. Vom Start weg laufen sowieso viel zu viele Charaktere in beiden Geschichten herum, doch wenn man sie nun auch noch kombiniert, bleibt noch weniger Zeit, um gerade einmal ein paar wenige von ihnen konkretisieren zu können.

Positiv zu vermerken ist, dass der Film genügend Action und verrückte Kampfkunstsequenzen auf Lager hat, um den Hunger aller Kung-Fu-Fans stillen zu können. In den Rückblenden lösen unsere Helden ihre Differenzen mit einer soliden Menge an Faustkämpfen, während sich ihre Söhne in der Gegenwart zusammenschließen müssen, um gegen Bösewichte mit „lächerlichen“ Mordwaffen-Gimmicks zu kämpfen. Man bekommt auch eine der epischsten Enthauptungen der Filmgeschichte zu sehen, geschweige denn in einem Kung-Fu Film. Ja, Chang Cheh hat es eben schon immer gut verstanden, wie man die Gewalt in seinen Filmen auf die nächste Stufe hieven kann. Die Tiger von Kwantung stellt einen äußerst unterhaltsamen Film dar und trotz der Fehler beim Versuch, das Material von zwei Filmen in einen zu stopfen, gleichen die charmante Besetzung sowie die bissigen Kampfsequenzen viele dieser Probleme wieder aus. Als Fan von Shaw Brothers Filmen passt der Streifen ganz großartig in die Sammlung, auch wenn man gelegentlich über den mangelnden Zusammenhalt des Films verblüfft sein dürfte.

Die Nummer 10 der Shaw-Brothers-Collector’s-Edition ist endlich da!!! filmArt bringt Die Tiger von Kwantung in Form einer Blu-Ray Veröffentlichung heraus, die wieder einmal über eine hervorragend saubere Bildqualität (2,35:1; 1080p) verfügt. Der Ton bietet mit der deutschen und der kantonesischen zwei Spuren, die befriedigend gut klingen. Hierfür können deutsche sowie englische Untertitel zugeschaltet werden. Als Extras beinhaltet die VÖ ein Artbook mit dem kompletten deutschen Aushangfotosatz des Films und den Originaltrailer. Die original deutsche Kino-Fassung kann auch in HD abgespielt werden. Ach ja, an ein Wendecover mit alternativem Covermotiv (deutsches Kinoplakat) ist ebenfalls gedacht worden. Chang Cheh bringt dem geneigten Martial-Arts-Fan mit Die Tiger von Kwantung zwar keinen besonders brutalen oder emotional harten Kung-Fu-Film, doch der Streifen versteht es dafür mit exzellenter Martial Arts zu überzeugen. Bei diesem tollen Streifen und dieser äußerst gelungenen Veröffentlichung bleiben beinahe keine Wünsche offen, weswegen sie in keinem Sammlerregal fehlen darf!

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  • Seitenverhältnis: 16:9 – 2.35:1
  • Alterseinstufung: Nicht geprüft
  • Regisseur: Cheh, Chang
  • Medienformat: Breitbild
  • Laufzeit: 1 Stunde und 27 Minuten
  • Darsteller : Fu Sheng, Alexander, Lung, Ti, Meng, Lo, Feng, Lu, Li, Wang
  • Untertitel: : Deutsch, Englisch
  • Studio : filmArt

Diese Edition wurde uns freundlicherweise von filmArt zur Verfügung gestellt.

Das Bildmaterial stammt nicht von dieser Edition.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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