Die Toten Augen des Dr. Dracula

Die Toten Augen des Dr. Dracula (Operazione Paura bzw. Kill, Baby… kill!) ist ein italienischer Horrorfilm von Mario Bava aus dem Jahre 1966.

Ein scheinbarer Selbstmord eines Hausmädchens bringt Inspektor Kroger (Piero Lulli) in ein von einem angeblichen Flucht belegtes Dorf. Er bestellt den Gerichtsmediziner Dr. Eswai (Giacomo Rossi-Stuart) dorthin, um ihm zu assistieren. Der Selbstmord ist nicht der einzige schräge Todesfall dieser Art, und alle Spuren führen zur Gräfin Graps (Giovanna Galletti) in ihrem Schloss. Der wenig kooperative Bürgermeister (Luciano Cartenacci) kann Eswai wenig helfen, und als Kroger dann ebenfalls umkommt, macht er sich alleine auf, das Mysterium von Schloss Graps zu lösen… ein gefährliches Unterfangen, nicht nur für ihn sondern auch die junge Monica (Erika Blanc), die zu Besuch in dem Dorf sich ihm anschließt….

Meine Fresse. Sorry, aber das musste mal gesagt werden. Mario Bava zeigt hier mal wieder, warum er der gekrönte Gott seines Genres ist. Jede Aufnahme ein Gemälde, jeder Effekt sitzt präzise, jedes Motiv Teil seiner Erzählung. Er greift zwar die klassischen Motive des Gruselfilms auf, das in den 60ern seltsam populär war (vor allem waren die englischen Hammer Studios damit immens erfolgreich), drückt dem Genre aber seine Interpretation auf, und schuf hier einen packenden, albtraumbehafteten Gothic-Horror Kultfilm, der von vorne bis hinten überwältigend scheint.

Dazu holt er sich als etwas verlorenen Nebendarsteller den guten Piero Lulli, bekannt aus Italowestern, und lässt sich von Altmeister Carlo Rustichelli einen stimmigen und gruseligen Score bauen. Man nehme etwas Nebel, Windgeräusche – und creepy Kids und Puppen – und schon ist alles dabei was einem damals den Schlaf rauben konnte. Der Schock-Effekt ist heute nicht mehr so immens, aber man muss dem Film lassen, auch heute noch mehr Atmosphäre zu vermitteln als die Quersumme sämtlicher kontemporärer Horrorfilme aus Hollywood. Splatter braucht niemand um unterhalten zu werden.

Zwar ist der Film schauspielerisch eher etwas schwach, abgesehen vom „Burgomeister“ und der alten Gräfin Graps, aber der Star des Films ist das großartige Bühnenbild, das Spiel von Licht und Schatten, die fabelhaften Farben und die gekonnte Kamera-Arbeit. Vor allem das restaurierte Bild der BluRay lässt erneut eine Wertschätzung von Bavas enormer Handwerkskunst zu. In allen Farben des Regenbogens und mit sämtlichen ihm zur Verfügung stehenden Tricks zieht er den Zuschauer in den Bann seiner etwas dünnen Geschichte, brennt unvergessliche Einstellungen in die Erinnerungen ein, als möchte er sagen: hier, mach noch dreihundert Screenshots, hier ist jede Einstellung ein Meisterwerk.

Der film Zeigt Bavas cineastische Macht, die sich denjenigen offenbart, die jenseits eines simplen Gruselfilmchens die visuelle Pracht genießen, den subtilen Horror mögen und die Ode an das Genre an sich.

Das Bild der BluRay ist hervorragend. Man bekommt natürliche Farben mit viel Filmkorn, sehr satte Paletten, gute Kontraste und Schwarzwerte. Auch wenn das alles nicht immer super scharf ist und teilweise Kantenglättung und/oder Rauschfilter zu weniger Details führen, ist es doch ein sehr sehr schönes Bild.

Bei den Synchros wird es kompliziert. Es gibt eine alte und eine neue dt. Synchro, ausserdem den Italienischen oder Englischen Ton zur Auswahl. Darauf erpicht, beim ersten mal gucken gleich nahe an der Originalvision der Filmemacher zu sein, guckte ich den Film erstmal auf italienisch mit Untertiteln. Rauschen. Was nicht heisst dass dies die beste Option sein muss.

Was Extras anbelangt, so spielt beim Einlegen der Disc eine kurze Intro von Erika Blanc. Auf der Film Disc gibt es ausserdem mehrere Trailer und TV Spots, den neuen und sehr unterhaltsamen und informativen Audiokommentar von Tim Lucas (engl., ohne UT) sowie eine Bildergalerie mit seltenem Werbematerial. Interviews mit Erika Blanc, Lamberto Bava, Micaela Esdra, Fabio Melelli sind nicht auf der Haupt-BluRay die uns zum Test zur Verfügung stand, sondern auf der Bonus DVD. Den Film gibts in dem Mediabook auch noch als DVD Version.

Fazit: Ein Gothic-Horror Meisterwerk von Herrn Bava. Verpackt von Koch in einer Veröffentlichung die ihr Geld zweifelsohne Wert ist. Die Bava Reihe geht mit #3 also munter und hochwertig weiter.

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Die BluRay wurde uns freundlicherweise von Koch Media bereitgestellt.

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Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info, TripleFeatureFoundation.org und FuriousCinema.com

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1 Antwort

  1. 13. Mai 2017

    […] eine gespenstische Hand, die ein Gesicht auf eine Fensterscheibe drückt (Operazione paura aka Die toten Augen des Dr. Dracula, 1966) oder ein Zimmer voll von gesichtslosen Schaufensterpuppen (Il rosso segno della follia aka […]

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