Die unerbittlichen Vier / I quattro inesorabili / The Relentless Four

Texas Ranger Sam Garrett (Adam West) versucht die Unschuld des gesuchten Rex Calhoun nachzuweisen. Vier übel beleumundete Cowboys sind, im heimlichen Gefolge des Deputies, hinter dem Gesuchten her, um die Belohnung einzustreichen. Schon bald erschießen sie Calhoun und lassen Garrett ohne Pferd und Wasser in der Wüste zurück. Später töten sie einen reichen Farmer und sorgen dafür, dass der Texas Ranger als Schuldiger angesehen wird. Garrett wird ins Gefängnis geworfen, kann aber fliehen und muss sich nun selbst der vier Galgenvögel erwehren, denn die Witwe des Ermordeten hat ein Kopfgeld von 2.000 Dollar auf Garretts Ergreifung ausgesetzt. Ein harter Kampf ums Überleben beginnt…

Diese spanisch/italienische Co-Produktion gehört zu den ersten Filmen des Eurowestern Genres, die in der sogenannten Pre-Leone-Phase entstanden sind. Die unerbittlichen Vier wurde im Jahr 1965, ein Jahr nach Leones erstem Western, veröffentlicht doch der Held verkörpert hier noch einen Gesetzesvertreter, während die Kopfgeldjäger nach wie vor als Aasgeier dargestellt werden und nicht als Menschen, die eine mögliche Notwendigkeit in ihrer Profession sehen außer ihr Geld mit Mord und Totschlag zu verdienen. Was dabei stark verwundert, ist, dass der Streifen nach eben diesen Aasgeiern benannt ist und nicht nach dem Ranger?! Man könnte sich fragen, warum man den Streifen nicht zum Beispiel mit Il Magnifico Ranger / Der grandiose Ranger betitelt hat? Praktisch alle Elemente, die das Spaghetti-Western-Genre populär gemacht haben (und immer noch machen), lassen sich in Die unerbittlichen Vier nicht finden, wobei die Atmosphäre eher an die Art von B-Filmen erinnert, in denen John Wayne auftrat, bevor er zum großen Star wurde.

Das Gefühl von Beschränktheit wird noch durch die Tatsache vergrößert, dass der Ranger von Adam West verkörpert wird, dem Schauspieler, der Batman in der Live-Action-TV-Serie aus den sechziger Jahren gespielt hat. Er hat zwar das richtige Gesicht für den Job, doch ohne seinen Batman-Anzug sieht der schlanke West doch ziemlich zerbrechlich aus, fast „tuntig“, wozu sein rosa Hemd ebenfalls gehörig beiträgt. Abgesehen von West bekommt man mit Claudio Undari aka Robert Hundar (als Boss der unerbittlichen Schurken) und Luis Induni (als der pflichtbewusste Sheriff Luke) außerdem noch zwei Schauspieler in Rollen von Hauptcharakteren geboten, die recht oft in diesen frühen Eurowestern aufgetreten sind. Weiterhin kann man eine ganze Reihe von Gesichtern wiedererkennen, die einem aus vielen anderen Euro- bzw. Italo-Western bekannt sind: Roberto Camardiel (Jeffrey Anders), Raf Baldassarre als Ralph Baldwyn (Kopfgeldjäger), Cris Huerta (Deputy Sheriff), Francisco Sanz (Doktor), José Canalejas (Rex Calhoun) und Giovanni Cianfriglia (Deputy Sheriff).

Die meisten von ihnen haben allerdings noch nicht einmal eine Sprechrolle spendiert bekommen. Paola Barbara als Witwe gibt dem Begriff Groll eine ganz neue Bedeutung, da sie sich als noch unerbittlicher erweist, als die vier Männer des Titel. Sie ist bereit jedem eine große Belohnung zu zahlen, der ihr den Mörder ihres Mannes lebend bringt, so dass sie zusehen kann, wenn er gehängt wird… Die unerbittlichen Vier ist keineswegs als ein großartiger Film zu bezeichnen, es gibt jedoch auch noch erheblich schwächeres Italo-Western Material da Draußen. Die Handlung könnte man für konventionell, ja sogar banal halten aber einige Sequenzen, vor allem das Finale, sind wirklich gut in Szene gesetzt worden. Dem Skript gelingt es einige Spannung aus einer scheinbar vorhersehbaren Situation unseres Helden (der in aller Öffentlichkeit vor den Bürgern gehängt wird) zu kreieren: Gibt es hier denn keinen Blondie, der das Seil zerschießt und wie zur Hölle überlebt er trotzdem die Hinrichtung?!

Repräsentiert der Ranger denn etwa eine Art Houdini? Die Erklärung, die gegen Ende einfach mal schnell nebenbei eingeschoben wird, erweist sich übrigens als genauso zweifelhaft wie ulkig. Der Film ist von Miguel Fernández Mila, an verschiedenen Orten in ganz Spanien (die meisten von ihnen in der Region um Madrid), ganz wunderbar aufgenommen worden. Marcello Giombinis musikalische Untermalung wird einem Western durchaus gerecht, obwohl das Titellied Ranger, gesungen von Raoul, irgendwie zu fröhlich daher kommt. Letztendlich handelt es sich hier (trotz aller Meckerei) um einen frühen, ordentlichen Spaghetti-Western, dessen größte Schwäche dann doch die Faustkämpfe darstellen, die gelegentlich so künstlich wirken, dass man fast schon erwartet diese Cartoon-Geräusch-Blasen wie peng!!, whamm!! oder kapow!! würden erscheinen, wenn Batman, ähm Adam West seine Gegner schlägt (das heißt, er verfehlt sie jedes Mal um ein paar Zentimeter). Regisseur Primo Zeglio zeichnete sich auf Italo-Western Gebiet noch für I due violenti (Das Gesetz der Zwei, 1964) mit George Martin und Killer, adios (1968) mit Peter Lee Lawrence verantwortlich. Ob Produzent Adriano Merkel ein Onkel unserer allseits „beliebten“ Angela ist, konnte leider nicht recherchiert werden.

Das Bild wird in 16:9 anamorph (2.35:1) präsentiert und ist exzellent restauriert worden. An einigen Stellen kann man zwar erkennen, dass der Film aus drei verschiedenen 35mm Kinorollen „zusammengeflickt“ werden musste, doch das fällt gar nicht weiter ins Gewicht. Eine Erklärung hierfür liefert Wild Coyote zu Beginn des Streifens ab. Die beiden Tonspuren (Deutsch/Englisch DD 2.0) gehen ebenfalls vollkommen in Ordnung. Leider konnte kein Material mit der original italienischen Tonspur aufgetrieben werden, doch das ist zu verschmerzen. Als Extras stehen ein US-Trailer, Beispiele der Restaurierung und eine Bildergalerie zur Verfügung. An ein Wendecover wurde auch gedacht. Wild Coyote beschert uns mit Die unerbittlichen Vier eine anständige Veröffentlichung eines bereits vergessenen Italo-Westerns mit spanischer Beteiligung. Der Film ist zwar eher als mittelmäßig zu bezeichnen, versteht es aber angemessen zu unterhalten, ist weitgehend gut inszeniert worden und auch die ausgezeichnete Besetzung weiß zum größten Teil zu überzeugen. Fans und Sammler sollten zuschlagen, da es sich hier um eine kleine Rarität handelt, an die vormals nur schwierig heranzukommen war!

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  • Seitenverhältnis: 16:9 – 2.35:1
  • Alterseinstufung: Freigegeben ab 16 Jahren
  • Regisseur: Primo Zeglio
  • Medienformat: PAL, Breitbild
  • Laufzeit:‎ 1 Stunde und 30 Minuten
  • Darsteller: Adam West, Claudio Undari, Robert Hundar, Red Ross, Roberto Camardiel
  • Sprache: ‎Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)
  • Studio: ‎Wild Coyote

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Filmliebhaber aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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