Die Unschuld (L’Innocente)

Die Unschuld

Die Unschuld ist Luchino Viscontis letzter Film, erschienen 1976.

Tulio Hermil (Giancarlo Giannini) ist mit Giuliana (Laura Antonelli) in einer unglücklichen Ehe. Er hegt eine Affaire mit der schönen Teresa (Jennifer O’Neill), zu der er sich so hingezogen fühlt dass er auch gegenüber seiner Frau keine Scham hat, sie sogar um Hilfe zu bitten als er mit ihr Probleme hat. Doch seine Frau, wenn auch etwas spät, nimmt die Situation nicht einfach so hin sondern beginnt, auch selbst aktiv zu werden. Als Tulio realisiert, dass sie ebenfalls „untreu“ wird, zieht es ihn wieder zu ihr zurück…. als sie schwanger wird, gerät Tulios Situation ins wanken und das betuchte Leben aus den Fugen.

Die Unschuld

Visconti, wie immer einen hang zu malerischen Bildern, opulenten Innensets und der Klassenthematik, malt in seinem letzten Werk nochmal einen bissigen Kommentar über die Dekadenz der Oberschicht. Anders als in Der Leopard, aber mit einigen Parallelen zu dem kürzlich rezensierten Conversation Piece, kommt es in dieser Story nicht zur Reflektion. Der Fürst weiß sehr genau was um ihn herum geschieht, und der Professor ist Beobachter und Opfer zugleich. Hier ist es nur der Zuschauer, bis zu einem kleinen Grad Teresa, denen auffällt was sich abspielt. Der chauvinistische, genau genommen schon abwartige Tulio, und wie er mit Menschen – Frauen – um ihn herum umgeht, das war in den 70ern noch revolutionär und seiner Darstellung im Film, heutzutage aber könnte es zeitgemäßiger gar nicht mehr sein.

Die Unschuld

Während die erste Hälfte eine interessante Liebesintrige oder ein Ehedrama verspricht, bietet die zweite Hälfte von Die Unschuld eher ein schräges Drama um ein ungewolltes Kind, bei dem alle Beteiligten ihr Fett weg bekommen. Es ist ein seltsames Ende sowohl eines Films, als auch einer Karriere (Visconti starb leider kurz nach Ende der Dreharbeiten), denn es endet auf einer total bitteren Note. Zwar hat mich der Film sehr überzeugt, und er ist natürlich visuell auch mal wieder außerordentlich, aber es ist auch ein pessimistisches, deprimierendes Stück Film.

Die Unschuld

Jennifer O’Neill (The Psychic) verleiht dem Ganzen ein wenig Flair und stiehlt finde ich auch Laura Antonelli (A Man Called Sledge, Malizia) die schau, die sich zwar zweimal entblättern darf, aber keine gute Leinwandpräsenz hat. Der gute alte Giannini (Casino Royale, Black Belly of the Tarantula) spielt sehr überzeugend und…. eklig, sehr passend. Es ist ein sehr gut gemachter, schon auch unterhaltsamer, aber bitterböser, bissiger und niederschmetternder Kommentar über die inhaltslose und egoistische Dekadenz der von Hermil repräsentierten Klasse.

Die Unschuld

Mir stand zur Rezension nur eine DVD zur Verfügung, demnach zu urteilen dürfte aber bei der BluRay das Bild besonders farbenfroh und – soweit es sich von der DVD aus beurteilen lässt – relativ makelloses sein. Eine völlig solide Präsentation des Films. Neben der deutschen Synchronfassung gibt es auch die italienische Spur (getestet) und optionale deutsche Untertitel. Es gibt außer dem Trailer und einigen Bildern keine weiteren Extras.

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Eine DVD des Films wurde uns zur Verfügung gestellt. Screenshots via Italo-Cinema

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info und FuriousCinema.com

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