Die wilde Meute / Il tempo degli assassini

Rücksichtslos und ohne Hemmungen terrorisiert eine kriminelle Jugendbande die Straßen von Rom. An der Tagesordnung stehen Vergewaltigung, Diebstahl und Vandalismus. Nichts ist vor ihnen sicher und das größte Ziel ihres Anführers Piero ist es, endlich zu den ganz Großen zu gehören. Ihm gegenüber steht ein gnadenloser Kommissar, dem jedes Mittel recht ist, der Bande das Handwerk zu legen. Als sie endlich ihren größten Coup vorbereiten, werden sie verraten und von der Polizei in einer wahnsinnigen Verfolgungsjagd durch die Stadt gehetzt. Doch Piero schwört grausame Rache für den Verrat und sieht sich schon bald mit dem aggressiven Ermittlungsmethoden der Polizei und dem Zerfall seiner Gang konfrontiert. (Subkultur Entertainment)

Mit einem Titel, der Arthur Rimbaud zitiert und Joe Dallesandro in der Hauptrolle als Piero (in der dt. Fassung Peter), einem kriminellen Nichtsnutz, der sich schwer tut seinen Weg in die römische Unterwelt zu finden, bringt Die wilde Meute viel mehr an Ambition auf den Tisch, als der Film bewältigen kann. Wie bei anderen Filmen, die in dieser Zeit von Carlo Maietto und der „Playmen“ -Verlegerin Adelina Tattilo produziert wurden, treffen realistische und soziologische Ambitionen auf Zugeständnisse an das Publikum, während Piero Regnolis Drehbuch einen potboiler vieler verschiedener Einflüsse darstellt.

Die Wilde Meute beginnt als Riff über die unteren Klasse auf dem von Pier Paolo Pasolini inspirierten A Violent Life (Una vita violenta, 1962, Brunello Rondi und Paolo Heusch), während Dallesandro und seine Männer in ihrem Alfa Romeo die Stadt verwüsten und Autounfälle sowie Kollisionen verursachen, einfach nur so, für den Nervenkitzel. Marcello Andrei folgt den Taten seiner Charaktere, während die bei jeder möglichen Gelegenheit stehlen, schlagen und vergewaltigen: In einer beeindruckenden und unbehaglichen Szene belästigen Piero und seine Bande ein Pärchen in einem Autoscooter und schlagen dann den jungen Mann (ein sehr junger Ottaviano Dell’Aqua) brutal zusammen, sehr zur Gleichgültigkeit der anwesenden Menschenmenge.

Piero Regnolis Drehbuch weicht mit dem Charakter des mürrischen, missbräuchlichen und skrupellosen Kommissars Catrone (Martin Balsam) von den üblichen poliziotteschi Klischees ab. Dem Kommissar macht es nichts aus, einen schüchternen Teenager als Köder zu verwenden, um seinen Gegner in die Hände zu bekommen. Die Geschichte taucht jedoch gleichzeitig tief in das pralle Melodrama ein und zwar mit der Nebenhandlung über das naive Mailänder Mädchen Sandra (Cinzia Mambretti, ebenfalls zu sehen in Carlo Lizzanis Storie di vita e malavita / The Teenage Prostitution Racket, 1975), das von Piero verführt sowie geschwängert und schließlich von seinen Männern in einer besonders unangenehmen Szene vergewaltigt wird. Angesichts seines Bestehens auf Brutalität und Gewalt, nimmt Die wilde Meute (der angeblich auf wahren Begebenheiten beruht) bereits das Sub-Genre voraus, das vom Circeo Massaker inspiriert wurde, welches im folgenden Jahr stattfinden sollte.

Dallesandro spielt als Vorstadt-Versager im Wesentlichen eine gemeinere Variation seiner Charaktere aus Paul Morrisseys Filmen. In einer Szene nimmt er sogar sein Baby wie in Flesh (1968) auf den Arm. Andrei und Regnoli lassen ihn, wann immer möglich, sein Hemd ausziehen, aber Pieros Charakter – der davon träumt ein großer Krimineller zu sein, doch im Wesentlichen seine Zeit in Bars und Spielhallen wie ein „hängengebliebener“ Teenager verschwendet, der sich außerdem noch den ausführlichen sowie kritischen Vorträgen eines dynamischen kettenrauchenden Mönchs (ein ziemlich lächerlich aussehender Rossano Brazzi) unterziehen muss – gestaltet sich eher wegen der nervösen Leinwandpräsenz des italienisch-amerikanischen Schauspielers interessant, als für Regnolis stereotypen Dialog.

Piero beschwert sich über eine „Scheißwelt“, die Angst und das proletarische Unwohlsein des Charakters bleiben jedoch eher unentwickelt und allgemein gehalten. Darüber hinaus ist Andreis Regie als hilflos unzureichend zu beschreiben, wie nicht nur die zufällige Verwendung subjektiver Einstellungen bei Carone zeigt (ein Stilmerkmal, das seiner Funktion und Bedeutung beraubt wird, da Carone nicht wichtig genug ist, um den Standpunkt der Filmemacher vermitteln zu können), wobei das knappe Budget des Films während der Sequenzen auf der Polizeistation offenbart wird, wo das Büro des Kommissars wie ein hastig zusammengeschustertes bürgerliches Wohnzimmer aussieht. Magali Noël hat als Pieros verbitterte Frau nur recht wenig Bildschirmzeit abbekommen.

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  • Darsteller: Joe Dallesandro, Martin Balsam, Magali Noel, Rossano Brazzi, Guido Leontini
  • Regisseur(e): Marcello Andrei
  • Format: Limitierte Auflage
  • Sprache: Italienisch (DTS HD Mono), Deutsch (DTS HD Mono)
  • Untertitel: Deutsch, Englisch
  • Region: Region B/2
  • Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
  • FSK: Nicht geprüft
  • Studio: Subkultur Entertainment
  • Produktionsjahr: 1975
  • Spieldauer: 101 Minuten

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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