Django – Den Colt an der Kehle / Chiedi perdono a Dio… non a me / May God Forgive You… But I Won’t

Während Django in der nahen Stadt verweilt, wird seine Farm überfallen und seine Familie brutal ermordet. Der Mexikaner Barrica hat das Massaker beobachtet und hilft dem Pistolero bei der Identifikation der Täter. Im Gegenzug für seine Hilfe bekommt er die Leichen der Banditen, die Django um die Strecke bringt und kassiert das auf diese ausgesetzte Kopfgeld. Als sich heraus stellt, dass hinter dem Überfall die berüchtigte Smart-Bande steckt, muss Django sein gutes altes Maschinengewehr reaktivieren… (Explosive Media)

Chiedi perdono a Dio … non a me ist der erste von zwei Western (vor Quintana, 1969), die unter Vincenzo Musolinos Regie entstanden sind. Zuvor war der Tausendsassa des italienischen Genrekinos als Schauspieler, Autor, Regieassistent, Produktionsleiter und Produzent tätig gewesen. Der Film stellt eine lose Fortsetzung von Cjamango (Django – Kreuze im blutigen Sand, 1967) dar, der von Musolino geschrieben wurde, jedoch unter der Regie von Eduardo Mulargia mit Sean Todd (aka Ivan Rassimov) umgesetzt worden ist. Mulargia sollte eigentlich auch bei Django – Den Colt an der Kehle Regie führen, zog sich jedoch nach einer Meinungsverschiedenheit mit dem Autor und Produzenten Musolino zurück, der dann die Regieführung übernahm und auch Rassimov durch George Ardisson ersetzen ließ.

Während er sich gerade nicht zu Hause aufhält, wird Cjamango (in der deutschen Version Django) MacDonalds gesamte Familie ausgelöscht. Schon bald findet er heraus, dass die Morde von seinem Nachbarn, dem Rancher Stuart (der auch der Vater seiner ehemaligen Verlobten Virginia ist), angeordnet wurden. Stuart (Luigi Pavese) wird jedoch von genau den Männern getötet, die er vorher für die Drecksarbeit bezahlt hatte, nämlich von der Bande der Gebrüder Smart. Nachdem Cjamango den jüngeren der beiden Brüder Jack Smart (ein nicht allzu smarter Alkoholiker) umgebracht hat, wird er vom älteren, schlaueren und rücksichtsloseren Dick Smart (Dragomir Bojanic-Gidra als Anthony Ghidra aufgeführt) und dem Rest der Gang gefangen genommen sowie gefoltert. Cjamango gelingt zwar die Flucht, doch nun ist ihm die gesamte Bande auf der Spur. Da fällt ihm plötzlich ein, dass einer der Freunde seines Vaters noch ein Maschinengewehr aus dem Bürgerkrieg besitzt…

Von diesem Film existierten damals zwei Versionen und zwar eine mit Rahmenhandlung sowie eine ohne Rahmenhandlung. Diese Rahmenhandlung wurde laut Explosive Media „nur bei der Testvorführung des Films verwendet und ist bei der späteren Kino-Veröffentlichung entfernt worden, ebenso wurde der Vorspann modifiziert.“ In der originalen, ungekürzten Fassung werden die Ereignisse in Form einer Rückblende präsentiert. Die Eröffnungssequenz spielt sich auf einem Friedhof ab, wo Cjamango (mittlerweile alt und grau) einem jungen Mexikaner namens Manuel Hernandez (der am Grab seiner Eltern Rache geschworen hat) seine Geschichte erzählt. Cjamango berichtet Manuel (Tony Di Mitri), dass auch er einmal jung sowie rachsüchtig gewesen ist und deshalb an Gottes Stelle treten wollte (früher konnte man sich diese Szene auf YouTube ansehen, nun ist sie im Bonusmaterial dieser Edition zu finden). In der etwas kürzeren Fassung fehlen der Prolog sowie der Epilog auf dem Friedhof (die den Film wie eine Moralgeschichte mit Botschaft angelegt hätten), wodurch dem Publikum eine schlichte Rachegeschichte hinterlassen wird. Außerdem geht noch ein weiterer Aspekt des Streifens in der kürzeren Fassung verloren: Cjamango erzählt dem Mexikaner seine Geschichte nämlich, um seine Seele zu entlasten sowie den jungen Mann vor weiterem Unheil zu bewahren, denn zu viele Menschen kamen einst bei einem Massaker ums Leben, das offenbar aus einem eher einfachen Streit zwischen den Familien der MacDonalds und der Stuarts (wurden diese Namen rein zufällig gewählt!?) resultierte. Die einzigen beiden Überlebenden dieser blutigen Familienfehde sind Cjamango und Virginia, die nach dem Gemetzel wieder zueinander finden (ein ziemlich bizarres Resultat, wenn man mal darüber nachdenkt).

Obwohl die Außenszenen in Almeria gedreht worden sind (normalerweise ein Zeichen für ein anständiges Budget), fühlt sich der Film irgendwie kostengünstig an. Vor allem Ardissons blond gefärbte Haare hinterlassen diesen Eindruck. Einige Szenen können als gut gemacht bezeichnet werden, zum Beispiel als Garcia Ramirez „Barrica“ (Ignazio Spalla als Pedro Sanchez gelistet) Jack Smarts (Peter Martell) Leiche in die Stadt bringt, um das Kopfgeld einzusammeln, während andere überstürzt wirken und das Ende mit dem Maschinengewehr (wo alle Reiter erschossen werden aber kein einziges Pferd zu Schaden kommt) vollkommen übertrieben erscheint. Django – Den Colt an der Kehle wird oftmals als einer der brutalsten Streifen des Genres bezeichnet, was sich als wahr erweist, denn der Bodycount ist recht hoch einzustufen, besonders während des Finales, wobei der Gewaltgrad jedoch nicht grafischer oder sadistischer beschrieben werden kann, als in vielen anderen Italo-Western der „harten Welle“. Mit dem Gesicht einer Bulldogge sieht Ardisson nicht gerade wie ein durchschnittlicher Italo-Western-Held aus, macht seinen Job allerdings ziemlich gut. Sowohl Anthony Ghidra als auch Peter Martell liefern als die bösen Smart-Brüder gute Leistungen ab, doch sollte man nicht genau aufpassen, könnten einem die beiden doch glatt durchgehen: Martells Rolle wurde relativ kurz angelegt, während man Ghidra beinahe nicht mehr wiedererkennen kann (er ist der Mann mit Bart). Spalla/Sanchez stiehlt seinen Schauspielkollegen als Ardissons side-kick die Show, in dem er als unkonventioneller Kopfgeldjäger den Spuren des Rächers folgt und alle Kopfgelder der von Cjamango erlegten Verbrecher einsammelt! Ihm wurde eine urkomische Szene spendiert, in der er vorgibt, mit einer Witwe über den Tod ihres Mannes (Tano Cimarosa als Gaetano Cimarosa gelistet) zu trauern, in Wahrheit aber nur Augen für ihre üppigen Brüste hat.

Felice di Stefanos Filmmusik präsentiert sich genauso wie der Rest des Films. Manche Stücke sind sehr gelungen, andere klingen einfallslos. Das Plakat mit dem Pistolenlauf, der einem mexikanischen Banditen in den Mund gesteckt wird, kann mehr oder weniger als ikonisch bezeichnet werden. Dieser mexikanische Bandit entpuppt sich als kein anderer als Tano „Der Kartoffel“ Cimarosa, den man sehr wahrscheinlich aus Delirio Caldo (Das Grauen kommt Nachts, 1972) oder Il giorno della civetta (Don Mariano weiß von nichts, 1968) kennen dürfte. Außerdem wirken als Nebendarsteller auch noch Lilli Lembo, Cristina Iosani, Luigi Pavese, Franco Pesce, Giovanni Ivan Scratuglia und Dino Strano (der hier als Dick Smarts rechte Hand mit Augenklappe längst nicht so Hans-Wurst-mäßig agiert, wie es zum Beispiel in I sette del gruppo selvaggio / Der Ritt zur Hölle, Se t’incontro, t’ammazzo / Unerbittlich bis ins Grab, Giù le mani… carogna! / Halleluja pfeift das Lied vom Sterben oder …E il terzo giorno arrivò il corvo / Crow der Fall ist. Was eigentlich auch kein Wunder darstellt, da diese Filme zu den schwächsten bzw. schlechtesten Italo-Western gezählt werden müssen) mit. Der Film ist auch insofern als ein wenig einzigartig zu beschreiben, da er in der italienischen Werbung mit einer Freigabe ab 18 Jahren prahlte; obwohl italienische Filmemacher immer auf der Hut vor einer 18er Freigabe waren (Italo-Western waren bei italienischen Teenagern sehr beliebt) und kürzten die Gewalt oder den Sex in ihren Filmen, um eine solche Freigabe zu vermeiden. Auf den italienischen Plakaten von Chiedi perdono a Dio … non a me stand letztendlich: Data la carica emotiva, questo film è severamente vietato ai minori di 18 anni! (Aufgrund des emotionalen Inhalts ist dieser Film Minderjährigen unter 18 Jahren strengstens untersagt!).

Explosive Media präsentiert Django – Den Colt an der Kehle mit zwei Cover-Varianten (jeweils auf 1000 Stück limitiert) erstmals als restaurierte High Definition Neuabtastung, die wirklich gut gelungen ist. Das Bild (2.35:1; 1080p) sieht recht gut aus und gibt kaum Anlass zum Meckern. Beim Ton liegen mit der deutschen, italienischen und englischen gleich drei Spuren vor. Alle drei werden im DTS-HD MA 2.0 Format präsentiert und klingen sehr gut. Hier gibt es höchstens minimale Unterschiede im Klang zu erkennen aber auch nur, wenn man sehr genau hinhört. Für Freunde des italienischen Originaltons sind deutsche und englische Untertitel anwählbar. Explosive Media ist somit wieder einmal eine klasse Veröffentlichung eines zwar kleinen aber feinen Italo-Western geglückt.

Bonusmaterial:

  • Audiokommentar mit Maximilian Scholz & Leonhard Elias Lemke —> recht informativ sowie unterhaltsam
  • Interview mit George Ardisson
  • Diverse Original Kinotrailer
  • Alternatives Intro und Ende
  • Bildergalerie
  • 40seitiges Booklet mit vielen Bildern sowie interessanten Texten von Maximilian Scholz und Leonhard Elias Lemke

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  • Seitenverhältnis: 16:9 – 2.35:1, 16:9 – 1.77:1
  • Alterseinstufung: Freigegeben ab 16 Jahren
  • Regisseur: Musolino, Vinzenzo
  • Laufzeit: 1 Stunde und 30 Minuten
  • Darsteller: ‎Ardisson, George, Ghidra, Anthony, Sanchez, Pedro, Martell, Peter, Scratuglia, Giovanni Ivan
  • Untertitel: ‎Deutsch, Englisch
  • Studio: ‎Explosive Media

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Screenshots der Explosive Media Edition

Sollte vor etlichen Jahren mal innerhalb der Koch-Regenbogen-Collection erscheinen, woraus allerdings nichts geworden ist.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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