Django – Schwarzer Gott des Todes / Starblack

Johnny Blyth kehrt in seine Heimat zurück und muss von seiner Mutter erfahren, dass sein Vater unter mysteriösen Umständen verstorben ist und sie seinen Onkel, den ortsansässigen Richter, geheiratet hat. Im Ort herrscht der korrupte Bankier „Curry“ mit seiner Bande von Halsabschneidern, denen aber nicht nur Johnny und ein taubstummer Freund, sondern auch ein geheimnisvoller Fremder, dessen Gesicht vollkommen von einer schwarzen Maske bedeckt ist, seine Aktionen entgegensetzt. „Starblack“ nennt sich der schwarz gekleidete maskierte Rächer, der als Erkennungszeichen einen mattglänzenden Stern bei denjenigen zurücklässt, die die Begegnung mit ihm nur selten überleben. Eine entsprechend hohe Belohnung ist auf ihn ausgesetzt… (Colosseo Film)

Laut Paul Simon gibt es fünfzig Möglichkeiten seine(n) Geliebte(n) zu verlassen. Ich bin mir sicher, dass es genauso viele Gründe gibt, sich einen Italo-Western anzuschauen, wobei ein ausgefallen schönes Poster bereits einer davon sein muss. Das Plakat mit dem maskierten Rächer und dem Schädel mit dem zersplitterten Koronalknochen repräsentiert eines der großartigsten aller Spaghetti-Western-Poster. Ein anderes, bei dem ein Messer eine Hand durchbohrt, die nach einer Waffe greift, ist ebenfalls als faszinierend zu bezeichnen. Als ich die beiden Poster vor langer Zeit zum ersten Mal sah, dachte ich, dies sei ein Film, den ich unbedingt sehen wollte. Doch damals war es nicht einfach, einen bestimmten Film aufzuspüren, geschweige denn einen Italo-Western. Als es mir endlich gelungen war eine Kopie ausfindig zu machen, sagten mir mehrere Leute, der Film sei nicht so besonders, also habe ich mich erstmal nicht darum gekümmert.

Doch als nun die neue BluRay-Version von Colosseo Film hereingeschneit kam, habe ich den Film endlich einmal angesehen und er hat sich als angenehmer zu konsumieren herausgestellt, als ich erwartet hatte. Aber Halleluja, ist der Streifen sonderbar, sehr sonderbar. Sogar die Prämisse kann als Kuriosität bezeichnet werden: Ein Tal in New Mexico wird von einem korrupten Bankier und seiner Bande terrorisiert, gleichzeitig werden der Bankier und seine Halsabschneider jedoch ständig von einem mysteriösen maskierten Mann namens Starblack heingesucht, der einen markanten schwarzen Stern vor Ort („Starblack war hier!!!“) als Symbol der Gerechtigkeit hinterlässt. Es scheint offensichtlich, dass der Film eine Hommage an die alten Serien sein soll, die Autor / Regisseur Giovanni Grimaldi als Kind genossen hatte. In einer frühen Szene sieht eine Frau (nachdem unser Held den Tag gerettet hat) ihn schmachtend an und verkündet verehrend „Starblack!“. Eine solche Szene kann man sich sehr gut in einer Lone Ranger-Folge oder einem Superheldenfilm vorstellen, jedenfalls viel besser als in einem Italo-Western!

Der zweite Handlungsstrang über den jungen Johnny Blyth, der nach einem Missgeschick in Colorado nach Hause zurückkehrt (und entdeckt, dass sein Vater ermordet wurde), legt nahe, dass die Zorro-Filme einen starken Einfluss hatten. Johnny wird von seinem treuen Diener begleitet, der stark an Zorros Bernardo angelehnt ist: er gibt vor taubstumm zu sein, was ihm ermöglicht nützliche Informationen für seinen Meister zu sammeln. Natürlich sind diese beiden (Achtung! Sehr kleiner Spoiler) Starblack und sein Gefährte. Einer der schönen lakonischen Witze des Films ist Woods‘ Erklärung (nachdem er sich als Starblack geoutet hat), wie er es schafft, an zwei Orten gleichzeitig zu sein: Starblack kann alles, sogar einen Stummen reden und singen lassen!

Was Django – Schwarzer Gott des Todes allerdings so enorm seltsam macht, ist die Tatsache, dass all dieser alberne Überschwang mit Italo-Western Gewalt gewürzt wurde, die des Jahres 1966 durchaus würdig ist: Ein Bösewicht wird getötet, indem man ihm ein Messer in die Stirn stößt; Starblack „nagelt“ einen Mann an Holzbalken, indem er seine Hände mit zwei Messern durchbohrt (als würde er ihn kreuzigen); und es gibt eine empörende Szene (die eine berüchtigte Sequenz aus Für ein paar Dollar mehr widerspiegelt), in der eine Frau, die brutal vergewaltigt wurde, die Chance erhält, den Vergewaltiger zu erschießen. Mir kommt nur Sugar Colt (Rocco, der Mann mit den zwei Gesichtern, 1966) als ein Italo-Western vor ’69 in den Sinn, der eine ähnliche Mischung aus gewalttätigen und parodistischen Elementen aufweist. Von den beiden stellt Starblack sicherlich den ausgefalleneren dar. Abgesehen von der obligatorischen Slapstick-Kneipenschlägerei ist der Film jedoch bemerkenswert ernst angelegt worden. Einige Szenen mögen ironisch gestaltet worden sein, doch hier handelt es sich auf keinen Fall um eine Komödie.

Django – Schwarzer Gott des Todes wurde bei seiner Veröffentlichung von den Kritikern pulverisiert und obwohl es sich um eine deutsche Koproduktion handelte, ist der Streifen erst 1972 nördlich des Brenners veröffentlicht worden. Im Gegensatz zu Black Jack oder El Puro, zwei anderen Filmen aus der gleichen Periode mit Bobby Woods, wird Starblack wohl nie zu einem Kultfavoriten werden, da er in den meisten Abteilungen einfach zu durchschnittlich geraten ist. Dennoch sollten Genre-Fans dem Film unbedingt eine Chance geben, denn in der richtigen Stimmung angesehen, kommt er nicht unsympathisch rüber. Grimaldi war eher als Autor, denn als Regisseur bekannt, weswegen das komplizierte (wenn auch alberne) Drehbuch des Films als sehr lebhaft und ereignisreich beschrieben werden kann. Der letzte twist – eine Agatha Christie ähnliche Enthüllung der am wenigsten verdächtigen Person als Mörder von Woods‘ Vater – wird viele Zuschauer überraschen ;-). Benedetto Ghiglias Musik ist wunderbar launisch und gleichzeitig kitschig, ebenso wie das Titellied, das nicht von Ghiglia geschrieben wurde, sondern von Woods selbst, der es auch selbst zum Besten gibt.

Colosseo Film ist eine klasse Veröffentlichung eines wirklich ungewöhnlichen und unterhaltsamen Italo-Western geglückt. Der Film wurde neu abgetastet und im deutschsprachigen Raum zum ersten Mal auf BluRay herausgebracht. Vom technischen Standpunkt aus kann man sehr zufrieden sein. Das Bild wird uns im 1.66:1/16:9 Format präsentiert und sieht absolut klasse aus (die Neuabtastung hat sich mehr als gelohnt), während auch beim Ton kein Grund zur Beschwerde besteht. Hier kann man zwischen der italienischen, englischen und deutschen Spur (alle DTS 2.0) wählen, die sich alle klasse hören lassen. Möchte man sich den Film lieber im Originalton ansehen, so stehen deutsche und italienische Untertitel zur Verfügung. Als Extras beinhaltet die Scheibe den italienischen und deutschen Trailer, eine Bildergalerie und ein Interview mit Robert Woods. Schon alleine die mit sehr viel Liebe zum Detail ausgestattete Aufmachung des Pappschubers und des Booklets (16seitig, verfasst von unserem Autorenfreund Frank Faltin von Italo-Cinema.de) ist eine Menge Lob wert. Hier merkt man, dass wahre Liebhaber ihre Finger mit im Spiel haben. Abschließend bleibt festzuhalten, dass kein Italo-Western Fan oder gar Sammler an dieser Veröffentlichung vorbeikommt. Der Film ist bisher in noch keiner besseren Verfassung erhältlich gewesen und wird es vermutlich auch in Zukunft nicht sein. Hier kann man nicht anders, als einen unbedingten Kaufbefehl auszusprechen.

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Darsteller: Robert Woods, Elga Andersen, Franco Lantieri, Howard Ross
Regisseur: Giovanni Grimaldi
Sprache: Italienisch (DTS 2.0), Deutsch (DTS 2.0), Englisch (DTS 2.0)
Untertitel: Deutsch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.66:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Colosseo Film
Produktionsjahr: 1968
Spieldauer: 90 Minuten

Diese BluRay sowie die screenshots wurden uns freundlicherweise von Colosseo Film zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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