Django und die Bande der Gehenkten / Preparati la bara! / Django, Prepare a Coffin / Viva Django!

Django wird kurzerhand für einen gefährlichen Geldtransport engagiert. Doch der geheime Transport gerät in einen Hinterhalt und der ehemalige Revolvermann muss tatenlos miterleben, wie seine junge Frau Lucy im Kugelhagel der Banditen sterbend zusammenbricht. Schwer verletzt schwört Django den Mördern blutige Vergeltung. Von nun an zieht er als Henker getarnt umher, um vermeintlich unschuldig zum Tode Verurteilte mittels einer speziellen Vorrichtung heimlich zu retten. Aus ihnen stellt er eine Bande zusammen, mit der er schließlich den Kampf gegen die Killer aufnimmt… (Explosive Media)

Django und die Bande der Gehenkten ist unter den Filmen als einzigartig zu bezeichnen, die versucht haben, die Popularität des Django-Charakters in dem Sinne zu nutzen, in dem Franco Nero (der einzig wahre Django) die Hauptrolle spielen sollte. 1966 hatte Nero beim Produzenten Manolo Bolognini einen Vertrag über drei Filme unterschrieben, wobei Django (1966) den ersten darstellte, Texas, Addio (Django – Der Rächer, 1966) den zweiten und Preparati la bara! den dritten. Doch dann beschloss Nero plötzlich nach Hollywood zu gehen, um Camelot zu spielen. Regisseur Ferdinando Baldi schlug Terence Hill als Ersatz vor und machte darauf aufmerksam, Hill sehe wie Neros jüngerer Bruder aus. Hill war zu diesem Zeitpunkt noch ziemlich unbekannt gewesen und als Baldi ein Foto von Hill als Django verkleidet vorzeigte, dachte Bolognini, Baldi würde Scherze machen. 1967 war Nero ganz eindeutig der Star und Hill der Doppelgänger. Ein halbes Jahrzehnt später, nachdem die Trinità-Filme aus Hill einen internationalen Star gemacht hatten, war er der wahre Star, während Nero wiederholt in Comedy-Western als Hill-Doppelgänger besetzt wurde.

Der Arbeitstitel lautete Viva Django!, während Produzent Bolognini, Kameramann Enzo Barboni und Drehbuchautor Franco Rossetti alle bereits an Sergio Corbuccis bahnbrechendem Film beteiligt gewesen waren (1). Der Film selbst ist weder als eine echte Fortsetzung, noch als ein echtes Prequel zu bezeichnen. Djangos Frau wird zwar auch hier getötet, allerdings nicht während er für die Union kämpft. In diesem Film ist Django ein professioneller Überwacher von Geldtransporten, der von seinem Freund David Barry (Horst Frank) verraten wird, der sich der Politik zugewandt hat. Django ist seiner Arbeit müde und will sich mit seiner Frau Lucy in Kalifornien niederlassen, doch ihr Konvoi wird von Lucas (George Eastman) und dessen Männern (die alle für Barry arbeiten) überfallen und Lucy getötet, während Django schwer verletzt überlebt. Einige Jahre später bereitet Django seine Rache vor, indem er als Henker arbeitet, der die Leben der Menschen rettet, die er hinrichten soll. Auf diese Art und Weise hofft er eine private Miliz von ihm treuen Männern zusammenzubringen, um sich seinen Feinden und deren zahlreichen Handlangern stellen zu können. Doch während Django damit beschäftigt ist, die Frau einer seiner Männer vor dem Galgen zu retten, wird er genau von diesem Mann hintergangen.

Schwarz gekleidet sowie mit dickem Make-up versehen, um ihm ein schmutziges Aussehen zu verleihen, stellt Hill das Ebenbild von Nero dar, doch als Schauspieler gelingt es ihm nicht einen gequälten Helden (einen Mann, dessen Leben ruiniert wurde) auf überzeugende Art und Weise rüberzubringen. Die Idee eines Westernhelden, der eine Privatarmee zusammenstellt, erweist sich natürlich nicht als besonders originell und scheint zudem den Gedanken zu verraten, dass Django eigentlich einen Einzelgänger repräsentiert. Doch das Ganze funktioniert dennoch recht gut und bietet den Drehbuchautoren Rosetti sowie Baldi die Möglichkeit, eine ansonsten banale Rachegeschichte mit ein paar zusätzlichen Wendungen und Doppelkreuzen zu würzen. Auch hier gibt es einen netten Verweis auf Per un pugno di dollari (Für eine Handvoll Dollar, 1964) mit einer „heiligen Familie“, die hier gar nicht so heilig ist (der verräterische Vater wird jedoch in den letzten Momenten erlöst). Horst Frank legt seine Rolle so fies wie eh und je an, während George Eastman auch sehr gute Arbeit, als Barrys gut gekleidete, aber äußerst tödliche rechte Hand Lucas abliefert. Eastman soll sich am Set in Bruna Simionato (als Barbara Simon aufgeführt) verliebt haben, die im Film José Torres Frau spielt (2). All die bekannten Gesichter der Nebendarsteller vermitteln einem das Gefühl eines Wiedersehens mit vielen alten Freunden: Pinuccio Ardia, Guido Lollobrigida, Gianni Brezza, Giovanni Ivan Scratuglia, Luciano Rossi, Roberto Simmi, Lucio De Santis und Giovanni Di Benedetto.

Django und die Bande der Gehenkten repräsentiert eine bescheidene, ziemlich unprätentiöse Produktion, die die Italo-Western Top 20 vieler Leute wahrscheinlich nicht knacken wird, aber einfach zu genießen ist. Das große Finale auf dem Friedhof (beschrieben als „Deus-Ex-Maschine-Gun“) fühlt sich etwas erzwungen an (es handelt sich schließlich um einen Django-Film, also brauchen wir einen Friedhof und ein Maschinengewehr, oder etwa nicht!?), wurde aber gut in Szene gesetzt. Für Kameramann Enzo Barboni war dies der letzte Western, den er für Produzent Bolognoni gedreht hat, da er bereits seine eigene Karriere vorbereitete und in den kommenden Jahren als Regisseur der Trinità-Filme weltberühmt werden sollte. Gianfranco Reverberis Score ist als ein sehr spezieller zu bezeichnen, da er ein von Ennio Morricone geschriebenes Thema für Le Pistole non discutono (Die Letzten Zwei vom Rio Bravo, 1964) verwendete und ihm dies zuschreiben musste. Das Titellied You’d Better Smile, von Nicola di Bari gesungen, lässt sich allerdings wunderbar hören.

Anmerkungen:
(1) Der Titel wurde für den italienischen Markt in Preparati la bara! umgeändert, während der Arbeitstitel nur außerhalb Italiens Verwendung fand. Nachdem Terence Hill zum Star geworden war, wurde der Film in einigen Ländern wieder veröffentlicht. In Frankreich hieß Django demnach Trinità (Trinità prepare ton cercueil!) und in Deutschland wurde eine spezielle Comedy-Fassung mit dem Titel Joe, der Galgenvogel zusammengeschnitten.
(2) Marco Giusti, Dizionario Del Western All’Italiana

Explosive Media präsentiert Django und die Bande der Gehenkten in zwei Cover-Varianten (jeweils auf 1000 Stück limitiert) erstmals als restaurierte High Definition Neuabtastung (zwei Blu-Rays), die wirklich gut gelungen ist, sowie als Doppel-DVD-Set. Das Bild (16:9 – 1.66:1, 16:9 – 1.66:1) sieht recht gut aus und gibt keinen Anlass zum Meckern. Beim Ton liegen mit der deutschen, italienischen und englischen gleich drei Spuren vor. Alle drei werden im DTS-HD MA 2.0 Format präsentiert und klingen recht gut. Für Freunde des italienischen Originaltons sind deutsche und englische Untertitel anwählbar. Explosive Media ist somit wieder einmal eine klasse Veröffentlichung eines recht feinen Italo-Western geglückt, um die kein Genre-Liebhaber herumkommen dürfte.

Extras:

  • Featurette mit Co-Star George Eastman (ca. 20 Minuten)
  • Featurette mit Komponist Gianfranco Reverberi (ca. 23 Minuten)
  • Featurette mit Regisseur Ferdinando Baldi (ca. 41 Minuten)
  • Diverse Original Kinotrailer
  • Audiokommentar mit Maximilian Scholz und Benedikt Wilken von Deep Red Radio
  • 32seitiges Booklet mit vielen Bildern und Texten
  • Bildergalerie
  • Bonusfilm Joe, Der Galgenvogel
  • Super8 – Fassung
  • Western-Trailer-Reel

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  • Seitenverhältnis: 16:9 – 1.66:1, 16:9 – 1.66:1
  • Alterseinstufung: ‎Freigegeben ab 16 Jahren
  • Regisseur: Baldi, Ferdinando
  • Laufzeit: ‎1 Stunde und 32 Minuten
  • Darsteller: ‎Hill, Terence, Frank, Horst, Eastman, George, Lollobrigida, Guido, Scratuglia, Giovanni Ivan
  • Untertitel: ‎Deutsch, Englisch
  • Studio: ‎Explosive Media

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Diese Edition wurde uns freundlicherweise von Explosive Media zur Verfügung gestellt.

Das Bildmaterial stammt nicht von dieser Edition !!!

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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