Dschungelratten / Jungle Rats

Südvietnam 1969: General Keith soll drei hochrangige Kriegsgefangene aus einem geheimen Gefangenenlager der Vietkong befreien. Er stellt eine Truppe eiskalter Kämpfer zusammen. Sie werden hinter der Frontline im feindlich besetzten Gebiet abgesetzt und durchkämmen nach und nach die Finsternis der Vietnam-Tunnelsysteme, in denen tausendfach der Tod lauert. Nach blutigen Verlusten erfahren sie endlich den Aufenthaltsort der Gefangenen. Nun müssen sie den entscheidenden letzten Angriff wagen. Die Dschungelratten kommen! (Deutsche Austrophon GmbH)

Ein kleiner amerikanischer Konvoi reist durch Vietnam, als er von Vietcong überfallen wird und General Douglas Corad sowie einige seiner Offiziere gefangen genommen und in ein unterirdisches Gefängnis verschleppt werden. Die Amerikaner schicken fünf Elitetruppen in den Dschungel, um die Tunnel zu lokalisieren und die Offiziere zu finden, doch die Männer verstehen sich untereinander nicht alle gut, während Sergeant Pete Rayo fest entschlossen scheint, sich Feinde zu machen. Sie treffen sich mit ihrem Ex-VC-Kontakt, wobei sich die Gruppe um interne Konflikte sowie Angriffe von VC-Patrouillen sorgen muss… Von Jim Gaines (der auch als Sgt. Rayo auftritt) geschrieben, stellt Jungle Rats einen von vielen Low-Budget-Exploitation-Actionfilmen dar, die er in den 80er Jahren auf den Philippinen geskripted hat, der allerdings in Vietnam spielt und von Teddy Chiu (der normalerweise seine Pseudonyme Teddy Page oder für diesen Film Irvin Johnson benutzte) inszeniert wurde. Während die anhaltenden Auswirkungen des Vietnamkrieges dazu führten, dass jeder amerikanische Film, der sich mit diesem Thema befasste, Politik einbrachte und das Leid der Soldaten betonte, hatte die philippinische Filmindustrie keine Bedenken, den Vietnamkrieg als Hintergrund für eine „trashige“ Actiongeschichte zu verwenden.

Dementsprechend ist die Handlung in Dschungel Ratten als nichts anderes als praktisch anzusehen – denn sie dient lediglich dazu, die Charaktere in den Dschungel zu bringen, bietet ihnen jedoch keine richtige Charakterisierung. Die dargebotene Operation bietet sicherlich keine Authentizität, wobei es sich bei der eingesetzten militärischen Taktik genauso verhält (einer der Charaktere ersetzt seine Baskenmütze mit einer hellblauen Mütze, die er während des gesamten Films trägt). Das Tempo gestaltet sich sehr unausgeglichen, der Film plätschert zuweilen so vor sich hin, doch es gibt auch viele Actionszenen zu bestaunen, während sich die Geschichte zu einem unglaublich explosiven und actiongeladenen Finale entwickelt, das die letzten anderthalb Stunden ziemlich verzeihen lässt. Teddy Page hatte bereits eine beachtliche Karriere mit Actionfilmen im Mikrobudget gemacht, die im philippinischen Dschungel gedreht wurden, weswegen er sich auch hier wie zu Hause gefühlt haben muss. Wie die Handlung, ist auch die Regie größtenteils pragmatisch angelegt worden, was sich hier allerdings als durchaus zweckmäßig erweist. Die Beharrlichkeit, die meisten frühen Actionszenen während der Nacht spielen zu lassen, führt leider dazu, dass diese Sequenzen in einer undurchdringlichen, blau getönten Dunkelheit stattfinden, die dem Film erheblich schadet. Der Streifen wird jedoch glücklicherweise durch den recht ausgedehnten und vollkommen übertriebenen Klimax-Kampf gerettet, in dem die Hauptcharaktere ein Dutzend Hütten in ruhmreicher Zeitlupe in die Luft jagen, schwere Maschinengewehre aus der Hüfte schießen und Dutzende von VC-Soldaten mit einer einzigen Welle von Schüssen auslöschen (diese Sequenz erinnert unweigerlich an die überlange Parodie auf Schießereien in Hot Shots! Der 2. Versuch, 1993). Die Musik repräsentiert eine typische Mischung aus synthetisierten Tracks, die perfekt zum Film passen.

Die Schauspielerei ist im Allgemeinen als stark zu bezeichnen – mit weitgehend amerikanischen Darstellern. Jim Gaines besetzt sich selbst als der unangenehme Sgt. Rayo und liefert dabei gute Arbeit ab sich zum Bastard zu machen. Romano Kristoff macht seine Sache als Hauptdarsteller recht gut, während der fernöstliche Filmveteran Mike Monty (Zombi 3, 1988) als General eine hervorragende Figur macht. Jungle Rats ist größtenteils als brauchbarer aber wenig bemerkenswerter philippinischer Namsploitation-Film zu beschreiben, der nicht wirklich zu empfehlen ist – Charakterisierung ist nicht vorhanden, die Handlung ist enorm vorhersehbar und die Actionsequenzen scheinen sich zum größten Teil vollständig hinter einem Blaufilter abzuspielen. Glücklicherweise profitiert der Film von guten Schauspielkünsten, der Schnitt ist zumindest kohärent (der in Hongkong produzierte Nuk Rob Dum – Black Warrior, der in manchen Gebieten als Fortsetzung dieses Films vermarktet wurde, muss durch abgehackte Nachbearbeitung als nicht ansehbar bewertet werden) und es wird einem ein durchaus unterhaltsames und völliges over-the-top Finale geboten, das genau das ist, was man sich von diesem Genre verspricht – wenn doch nur der gesamte Streifen so gut wäre. Für Genre-Fans und für Liebhaber des Low-Budget-Action-Kinos auf jeden Fall wärmstens zu empfehlen.

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  • Darsteller: Romano Kristoff, Michael Welborn, Jim Gaines, Gerry Bailey, Richard King
  • Regisseur(e): Irvin Johnson
  • Künstler: Lynn-Holly Johnson, Victor Anders
  • Format: Dolby, PAL
  • Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)
  • Region: Region 2
  • Bildseitenformat: 4:3 – 1.33:1
  • Anzahl Disks: 1
  • FSK: Freigegeben ab 18 Jahren
  • Studio: Deutsche Austrophon GmbH
  • Produktionsjahr: 1987
  • Spieldauer: 93 Minuten

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Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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