Duell bis zum Verrecken / Trip with the Teacher

Auf Grund der Rechtslage in Deutschland möchten wir darauf hinweisen dass der im folgenden besprochene Spielfilm aktuell gemäß §15/18 JuSchG indiziert ist. Um unserem Bildungsauftrag nachzukommen und der kulturellen Bedeutung des Films gerecht zu werden, findet ihr im Folgenden einen Artikel zum Film Trip with the Teacher, der sich mit Werk und Wirkung kritisch auseinandersetzt.

Den Schulausflug in den großen Ferien, mit vier ihrer Schülerinnen, hat sich Miss Tenny (Brenda Fogarty) sicherlich anders vorgestellt. Es sollte eine entspannte Erkundungstour durch die große Wüste, mit all ihren Sehenswürdigkeiten sein – doch als dann mitten in der Pampa die Benzinpumpe plötzlich schlapp macht und der Schulbus zum Erliegen kommt, werden die vier Ladys aus Los Angeles und ihre Lehrerin schon etwas nervös, da sie einen Zeitplan haben, den sie einhalten wollen. Als dann drei Biker neben ihnen anhalten, die den hübschen Mädchen schon ein paar Meilen zuvor an einer Tankstelle hübsche Augen gemacht haben, verwandelt sich der Klassenausflug nach und nach in einen Alptraum.

1975 leitete Steven Spielberg mit seinem Horror-Thriller Jaws das Blockbuster-Kino ein. Mit Einer flog über das Kuckucksnest schuf Miloš Forman im selben Jahr einen der wichtigsten Vertreter des amerikanischen New Wave Cinemas und mit The Rocky Horror Picture Show entstand ein zeitloser Musical-Klassiker der Generationen begeistert hat. Zur selben Zeit, allerdings weit weg von den großen Lichtspielhäusern, irgendwo in einem verranzten Grindhouse-Kino lief dann noch ein anderer Film, einer für die Hartgesottenen, für all diejenigen, die die Antworten außerhalb des großen Hollywood Studiosystems suchten. Die Rede ist von Earl Bartons Duell bis zum Verrecken aka The Hummer aka Kiss the Teacher…Goodbye aber am meisten bekannt unter dem Namen Trip with the Teacher.

Als der gutaussehende Jay (Robert Gribbin), der seinen Sommerurlaub für eine Motorradtour durch die Wüste nutzt, sich den Biker-Brüdern Al und Pete (Zalman King, Robert Porter) anschließt, die er unterwegs kennengelernt hat, konnte er nicht ahnen, dass die beiden Übles im Schilde führen. Doch als Al dann, anstatt den am Straßenrand gestrandeten Girls zu helfen, diese auf brutale Weise bedrängt, wird Jay schnell klar, dass er es hier mit Kriminellen zu tun hat. Im Falle von Al sogar mit einem Psychopathen. Als dieser dann im Eifer des Gefechts den Busfahrer Marvin (Jack Driscoll) tötet und die Frauen sowie Jay als Geiseln in einem abgelegenen Schuppen hält, wünscht sich Jay sicherlich die beiden Brüder niemals getroffen zu haben.

Trip with the Teacher ist ein, als Roadmovie konzipierter, Exploitation-Film mit Elementen des Rape and Revenge Genre. Allerdings bezieht er seine Spannung, im Gegensatz zu anderen Vertretern dieser Art (Last House on the Left, I Spit on Your Grave), nicht durch das explizite Zeigen der Gewaltakte, sondern vielmehr durch das was wir nicht sehen. Wenn Al beispielsweise die hübsche aber taffe Bobbie (Dina Ousley) vergewaltigt, sehen wir den Akt an sich nicht. Was wir sehen sind die Blicke ihrer Freundinnen und der gequälte Blick der Lehrerin, die ein paar Stunden zuvor schon das Opfer von Al war. Dabei hören wir aber immer wieder die Schreie der leidenden Bobbie, die von ihrem Peiniger erniedrigt und entmachtet wird. Dieses Prinzip funktioniert tatsächlich ziemlich gut und verleiht dem Film eine gewissen Authentizität.

Das Budget des Films betrug sage und schreibe 31.000 US-Dollar, von denen sich Earl Barton sogar noch einen Teil bei seinem Vater leihen musste, um den Film fertig drehen zu können. Earl Barton war dementsprechend für alles alleine verantwortlich, vom Drehbuch, dem Casting über die Regie bis hin zum fertigen Schnitt. Trotz dieser (sogar schon für damalige Verhältnisse) lächerlichen Summe ist aus Trip with the Teacher ein recht gelungener Film und einer der besseren Vertreter seiner Art geworden. Dies ist zum einen der routinierten Kinematographie zu verdanken, zum anderen dem durchaus gelungenen Cast. Besonders erwähnenswert ist hier Zalman Kings Rolle als Al, der eine Intensität in sein Schauspiel legt, dass vergleichbare Psychopathen-Rollen, beispielsweise Krug Stillo (David Hess) aus Last House on the Left mal eben in den Schatten stellen kann. Im einen Moment noch erscheint er ausgelassen, fast verspielt, nur um einige Sekunden später wie ein Pulverfass in die Luft zu gehen. Dabei hat er diesen Blick eines Predators in seinen Augen und wenn er mit diesen die unschuldig wirkenden Mädchen anstarrt, spiegelt sich in ihnen das absolute und personifizierte Böse wider. Die Mädels machen hier auch einen sauberen Job, doch ich schätze mal der Hauptgrund warum gerade sie die Rollen bekamen, liegt sicherlich an ihrem Äußeren. Sich hier dafür zu entscheiden, welche jetzt hübscher ist, wäre Zeitverschwendung und wir sollten Earl Barton für alle vier von ihnen dankbar sein.

Stuntleute sind natürlich bei einem so geringen Budget auch pures Wunschdenken, hier war jeder Akteur für seine Stunts selbst verantwortlich. Wenn man beispielsweise sieht wie Pete (Robert Porter) bei einer Verfolgungsjagd mit (nicht nur gefühlten) 80 km/h (ohne Helm) von seinem Bike fällt, dann sieht man tatsächlich Robert Porter mit 80km/h ohne Helm von seinem Bike fallen. Allerdings gab es nach eigenen Angaben von Cast und Crew keine Verletzen, nicht mal einen Schrammen während des gesamten Drehs. Auch die Choreographie der Kampfszenen kann sich sehen lassen. Da Regisseur Barton ausgebildeter Tänzer ist und damit auch die meiste Zeit seines Lebens sein Geld verdiente, fiel es ihm sicherlich nicht besonders schwer eine Choreographie zu gestalten.

Die Ausleuchtung des Films sieht auch sehr gut aus, was erstaunlich ist, denn für Schirme, Blenden, etc. fehlte es natürlich auch an Geld, weshalb hier nur mit natürlichem Tageslicht gearbeitet wurde. Die Kostüme waren allesamt aus den eigenen Kleiderschränken der Schauspieler und für das Make up waren die Mädchen selbst verantwortlich. Natürlich hat der Film auch einige Logiklöcher, so fragt man sich wieso Tina (Jill Voight), als sie von Al durch den Wald verfolgt wird und an einen Bach kommt, über einen Kieselsteinpfad balanciert, anstatt einfach durch die 2 cm tiefe „Pfütze“ zu laufen. Auch war es alleine schon fragwürdig, dass die Lehrerin Tina heimlich losgeschickt wurde, um Hilfe zu rufen, wo es 10 Minuten vorher schon einmal einen misslungenen Fluchtversuch gegeben hat. Und wieso Jay noch die Zeit hat sich seinen Motorradhelm aufzuziehen, während er vor Pete flüchtet, widerspricht auch jeder Logik. Aber hey, Exploitation-Filme dürfen das!

Und wenn man bedenkt, dass hier jede Szene beim ersten Take funktionieren musste, da man mit einem Zeit-Budget von 13 Tagen sehr knapp bemessen war, kann sich das Ergebnis durchaus sehen lassen. Als man Earl Barton in einem Interview einmal fragte was seine filmischen Inspirationsquellen seien, antwortete dieser – „Musicals. Schließlich bin ich Tänzer“. Als weiter gefragt wurde wieso er dann gerade so einen Film gedreht habe, antwortete er – „Ich hatte 31.000 US Dollar und musste das Konzept dem Budget anpassen.“ Und das ist, glaube ich, genau der Grund, wieso wir alle (jedenfalls diejenigen, die sich diese Kritik hier durchlesen) die 70er so lieben.

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Mike

Mike ist leidenschaftlicher Teilzeitcineast und hat sich auf die freizügigere Art des Bahnhofskinos spezialisiert. Von Porn Chic und dem Pinku Eiga der 70er bis hin zum aktuellen erotischen Kinos nimmt er die verruchtesten Filme unter die Lupe.

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