Ein Halleluja für Spirito Santo / Uomo avvisato mezzo ammazzato… Parola di Spirito Santo / His Name Was Holy Ghost

VHS – Edition

Der Revolverheld Spirito Santo gewinnt beim Pokern eine Mine. Das Problem dabei ist, die einzige Person, die in der Lage wäre sie ausfindig zu machen, wird in Mexiko wegen Teilnahme an der Revolution inhaftiert. Unser Held muss sich nun dem Kampf anschließen, um an sein Ziel gelangen zu können.

Der Heilige Geist des Titels wird von Gianni Garko verkörpert: Ein ganz in Weiß gekleideter Mann, auf dessen rechter Schulter eine weiße Taube thront. Wie der in Schwarz gekleidete Sartana scheint er die Fähigkeit zu haben, nach Belieben erscheinen sowie verschwinden zu können. Allerdings haben die Trinità-Filme verheerende Arbeit geleistet: Was früher als augenzwinkernd leichtherzig beschrieben werden konnte, muss jetzt als Slapstick bezeichnet werden, während unser Spirito Santo mit Carezza einen Bambino-ähnlichen Partner an die Seite gestellt bekommen hat, der vom pummeligen Cris Huerta gespielt wird, der Menschen von Oben auf den Kopf haut, anstatt aufs Kinn zu schlagen. Auch das Setting ist ungewohnt, denn die Geschichte entfaltet sich nicht in einer Westernstadt, sondern jenseits der Grenze, im kriegszerrütteten Mexiko.

Der Film beginnt mit einer Gruppe von Mexikanern, die zusammengetrieben werden, um gedemütigt und erschossen zu werden. Sie sind Partisanen eines Mannes namens Mendoza (George Rigaud), des gewählten Präsidenten des Landes. Die Henker arbeiten für den abtrünnigen General Ubarte (Poldo Bendandi), der auch Anspruch auf die Präsidentschaft erhebt. Während sie ihren Sieg feiern, werden sie von einem in Weiß gekleideten Mann überrascht, der mit einem seltsam aussehenden Maschinengewehr im Ort aufräumt. Der Heilige Geist wird nun von Mendozas Männern gebeten, sich ihrer Revolution gegen den Unterdrücker Ubarte anzuschließen. Er stimmt zu, jedoch nicht aus Mitleid mit den Menschen, sondern aus persönlichem Nutzen: Er hat beim Pokern eine Schatzkarte mit einem Loch darin gewonnen und sucht jetzt denjenigen, der ihm die fehlenden Informationen geben kann. Nämlich einen Ingenieur namens Hernandez (Franco Pesce), der in einer Armeefestung gefangen gehalten wird.

Garko trägt den gleichen Schnurrbart wie Franco Nero in Il Mercenario (Mercenario – Der Gefürchtete, 1968) und zündet sogar ein Streichholz an den Stiefeln eines Erhängten an. Er stellt den „guten“ Profi dar, der den Revolutionären hilft, während Federico Boido und seine Bande die „bösen“ Profis repräsentieren, die für den Diktator arbeiten. Es gibt auch eine schöne Señorita zu bewundern, die eine glühende Anhängerin der Revolution ist, wobei die Sequenz „Trojanisches Pferd“ (Garko benutzt Prostituierte, um in die Festung zu gelangen) eine ähnliche Szene in Vamos a matar, compañeros (Lasst uns töten, Companeros, 1968) widerspiegelt. Mit anderen Worten, dieser Film hätte leicht der dritte Teil von Sergio Corbuccis Zapata-Trilogie sein können (anstatt des eigentlichen dritten Teils Che c’entriamo noi con la rivoluzione? / Bete, Amigo!, 1972), doch Regie führte hier Giuliano Carnimeo, ein politisch weniger engagierter Regisseur; die mexikanische Revolution wird als Kulisse verwendet, wobei keine gesellschaftspolitischen Kommentare einfließen und im Gegensatz zu Neros Figuren in Corbuccis Zapata-Filmen entwickelt Garkos Heiliger Geist kein revolutionäres Bewusstsein. Er rettet Mendozas Tochter zwar das Leben, aber nur, weil er der Held sein will. Schließlich würde niemand es jemals wagen, eine so schöne Heldin wie Pilar Velazquez zu opfern…

Regisseur Carnimeo und sein Drehbuchautor Tito Carpi halten die Dinge in Bewegung, während es der Film trotz seiner Albernheiten bestens versteht zu unterhalten. Es gibt zwar ein paar inspirierende Momente – vor allem auf Dialogebene – doch zu viele Witze sind ganz einfach furchtbar unlustig geraten. Die Gesamtatmosphäre ist als leichtherzig sowie unbeschwert zu beschreiben, aber dennoch gibt es den gesamten Film über heftige Ausbrüche von Gewalt zu beobachten, so als ob Rollen von verschiedenen Filmen während der Postproduktion verwechselt worden wären. Im Grunde genommen handelt es sich hier um einen Zapata-Film im Sartana-Stil, der mit einer starken Brise aus den Trinità-Filmen gewürzt wurde. Die zweite Hälfte des Streifens gestaltet sich etwas unterhaltsamer als die erste, doch das Finale – die Schlacht innerhalb der Festung – repräsentiert ein chaotisches Durcheinander mit den komödiantischen Aspekten auf Hochtouren. Garko sieht in manchen Szenen etwas verwirrt aus und Huerta stellt keinen guten Ersatz für Bud Spencer dar, während Poldo Bendandi (der wie ein Mafia-Don rüberkommt) als skrupelloser Ubarte Spaß bereitet. Bruno Nicolais Musik repräsentiert einen weiteren Pluspunkt (das Hauptthema ist als besonders gut zu bezeichnen) und Pilar Velazquez ist einfach … wow!

Leider nirgends mehr zu bekommen … vielleicht erbarmt sich ja ein vernünftiges Label und bemüht sich um den Film!? Aus sicherer Quelle haben wir erfahren, dass eine „1a“ 35mm Version existiert.

Screenshot der schwedischen VHS / Na, was das wohl auf Deutsch bedeutet?
Custom made cover

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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