Eiskalte Typen auf heissen Öfen / Uomini si nasce poliziotti si muore


Rom, die Hochburg des Verbrechens. Zwischen brutalen Raubüberfällen und illegalem Glücksspiel, versucht die Polizei die Stadt wieder unter Kontrolle zu bringen. Keine leichte Aufgabe, denn der lokale Mafiaboss, Roberto Pasquini, ist nicht nur ein Geist für die Beamten, er hat sie sogar auf seiner Gehaltsliste. Nach dem kaltblütigen Mord ihres Kollegen, wird der Fall Pasquini Alfredo und Antonio anvertraut. Beide gehören einer geheimen Spezialeinheit an und haben ihre eigene Vorstellung, wie Gesetz und Recht zu funktionieren haben. Binnen kürzester Zeit lassen die beiden Pasquini wissen, dass seine Uhr tickt. Rom wird zu einem Trümmerfeld aus Leichen und die eiskalten Typen stehen ab sofort ganz oben auf der Abschussliste von Pasquini. (filmArt)

Mit einem Titel, der nach einem Jack Palance-Voiceover ruft, repräsentiert Uomini si nasce poliziotti si muore (Männer werden geboren Polizisten sterben) Ruggero Deodatos (Cannibal Holocaust, 1979) Beitrag zum italienischen Cop-Thriller-Genre. Rom wird vom skrupellosen Mafiaboss Roberto Pasquini (Renato Salvatori), alias „Bibi“ kontrolliert, dessen Auftragskiller einen ermittelnden Kollegen direkt vor Alfredos (Marc Porel) und Antonios (Ray Lovelock) Augen niederschiessen. Nach diesem Mord setzen die beiden, in ihrem Kampf gegen die Kriminalität, nun erst recht auf ihren Grundsatz „Keine Gefangenen machen“. Die „Superpolizisten“, die mit ihrem Zweimann-Roller in Rom herumfahren, ermorden in der Folgezeit eine fünfköpfige Bande, die gerade eine Bank ausrauben will, flirten recht offensiv sowie unflätig mit der netten Sekretärin Norma (Silvia Dionisio – auch in Deodatos Una ondata di piacere/Waves of Lust, 1975), lösen eine Geiselnahme mit Ruggero Ruggerini (Franco Citti) und dessen Bande von Kokain schnaubenden Anarchisten auf und nehmen Bibis heiße, nymphomanische Schwester Lina (Sofia Dionisio) durch. Selbstverständlich geschieht dies alles sehr zum Ärger ihres strengen Chefs (Adolfo Celi), dem selbst seine Vorgesetzten im Nacken sitzen.

In den siebziger Jahren wurde in Italien aus la dolce vita eher la vita acida, als Rom begann im Sumpf von Verbrechen und politischer Korruption zu versinken. Das italienische Kino reagierte darauf mit Filmen wie La polizia incrimina la legge assolve (Tote Zeugen singen nicht, 1973), Napoli violenta (Camorra – Ein Bulle räumt auf, 1976) und Il grande racket (The Racket, 1976), wo die Macho-schnauzbärtigen Megastars Franco Nero und Maurizio Merli, sowie Fabio Testi mit allen möglichen Mitteln Schädel knacken und böse Buben verprügeln. Wie zahlreiche Filme von Charles Bronson bewegen sich einige dieser Streifen gefährlich nah an einer faschistischen Weltanschauung, erfreuten das italienische Publikum allerdings sehr, welches aufgrund sozialer Ungerechtigkeit und allumfassender Korruption immer wütender und frustrierter wurde. Obwohl Eiskalte Typen auf heissen Öfen ähnliche Schauwerte zu bieten hat, wie die oben genannten Filme, ließ es sich Fernando Di Leo beim Schreiben des Drehbuchs nicht nehmen einen schlauen, subtilen und satirischen Blick auf seine arrogant selbstsicheren Polizei-„Helden“ zu werfen. Deren Art und Weise der Verbrechensbekämpfung stellt sich nämlich hauptsächlich als eine Reihe von kindlichen Streichen heraus, wie zum Beispiel das in Brand stecken von teuren Gangster-Autos.

Deodato und Di Leo gelingt mit Uomini si nasce poliziotti si muore ein einzigartig kniffliger Balanceakt. Denn während die Action schnelles Tempo vorlegt, recht brutal und aufregend ist (in diesem Print fehlt eine Szene, in der Bibi den Augapfel von Bruno Corazzari herausreißt und mit den Füßen zermalmt), blitzt auch hier und da mal ein Funken Verachtung den Antihelden gegenüber auf, die sich damit brüsten, die junge Nichte ihrer Putzfrau zu vernaschen (so ungefähr: Wenn sie Schwanger wird ist es ihr Pech) und gegen Ende fröhlich und sorglos auf Bibis Boot umherwandern, das mit Sprengfallen gespickt ist. Dort sind sie so sehr damit beschäftigt eine Oben-ohne-schwedische Blondine zu belästigen, sodass ein Nebendarsteller den Tag retten und die Schurken besiegen muss.

Ein Großteil des Sexismus jedoch prallt locker von den frechen, weiblichen Charakteren ab. Die „coolen“ Cops fragen Norma scherzhaft, mit wem von beiden sie gerne schlafen würde, sind allerdings verwirrt, als sie nonchalant behauptet, dass Frauen Männer im Bett überdauern können: “Masculine values are bull. Women have more stamina.” Später wechseln sich beide Männer mit Lina ab, deren sexueller Appetit sie zur Erschöpfung bringt und leicht gedemütigt zurücklässt. So viel zu männlichen sexuellen Fähig- und Fertigkeiten. Tatsächlich wollte Di Leo noch weiter gehen und die beiden zu Homosexuellen machen, bis die Zensoren eingriffen. Letztendlich handelt es sich bei Eiskalte Typen auf heissen Öfen um einen unkonventionellen und amüsanten Actionfilm, der damals ein großer Hit war, doch aufgrund der schwierigen Beziehung zwischen Lovelock und Porel (zu der Zeit bereits ein berüchtigter Heroinsüchtiger, der einige Jahre später starb), kam eine Fortsetzung nie zustande.

Mit der Nummer zwölf ihrer Polizieschi Edition Eiskalte Typen auf heissen Öfen ist filmArt wieder eine wirklich gute Veröffentlichung gelungen. Der Film ist zwar kein absoluter Meilenstein des Genres, zählt aber sicherlich zu den besseren Vertretern und kommt als ansprechend gestaltete BluRay/DVD Combo (auf 1000 Stück limitiert) mit Wendecover daher. Die technischen Daten wissen auch zu überzeugen, befinden sie sich doch auf recht hohem Niveau. Als Extras wurden der italienische sowie ein US-Trailer, ein äußerst umfangreiches und interessantes Tenebrarum-Booklet von Martin Beine und eine unzensierte deutsche Kinofassung auf bzw. in die Combo gepackt. Außerdem warten die Scheiben mit einem sehr informativen und unterhaltsamen Audiokommentar von Pelle Felsch und Oliver Nöding auf.

Bei Amazon kaufen

Darsteller: Marc Porel, Ray Lovelock, Adolfo Celi, Franco Citti, Silvia Dionisio
Regisseur(e): Ruggero Deadato
Untertitel: Deutsch
Region: Region B/2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1    Ton: deutsch, italienisch, englisch
FSK: Nicht geprüft
Studio: filmArt
Produktionsjahr: 1976
Spieldauer: 97 Minuten

Diese Edition wurde uns freundlicherweise von filmArt zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

Das könnte Dich auch interessieren …

1 Antwort

  1. Martin Beine sagt:

    Vielen Dank für die lobenden Worte zu meinem Booklet. 🙂 Die Rezension finde ich auch sehr gelungen …

    Ciao,

    Martin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.