Elfmeter für Ernst

Noch immer sieht sich Bremen einem Inferno des Verbrechens ausgesetzt. Die Geißel der organisierten Kriminalität saugt der Hansestadt den Lebenssaft aus. Nur ein Mann sorgt dafür, daß die Tentakel des Bösen durchtrennt werden: Kommissar Ernst. Mit nimmermüdem Eifer und unbestechlicher Kombinationsgabe gibt er den Schurken, was ihnen zusteht: einen Kessel Saures. Sein neuester Fall führt ihn ins Fußballermilieu – ein strahlender Stern am Kickerhimmel ist verglommen. Die Diagnose: Mord! Mit zupackenden und die Grenzen seiner Dienstvorschriften ausreizenden Methoden bohrt sich Kommissar Ernst in den Fall wie ein Holzwurm der Gerechtigkeit. Aber auch sonst ist wieder eine Menge los: derangierte Krautrocker, tote Fernsehpromi-Imitatoren und andere Exzentriker geben sich ein Stelldichein. Und ein Penis wird auch wieder gefunden. Mehr oder weniger. Für einen normalen Menschen wäre die Bekämpfung all dieser schlimmen Dinge eine unlösbare Aufgabe. Aber was ist schon normal?

Christian Keßler gehört zu meinen Lieblingsautoren, denn ich mag seinen einzigartigen Schreibstil sehr. Der zeichnet sich nämlich durch des Autors ausgefallenen Sinn für Humor, Subtilität und Zynismus aus. Mit diesen Zutaten würzt Keßler nach Aalglatt über Leichen auch seinen zweiten Kriminalroman Elfmeter für Ernst, doch trotz all der wunderbar angewandten Stilmittel und einer gehörigen Portion Philosophie kann die Geschichte, vor allem als Krimi, nicht sonderlich überzeugen. Die Tatsache, dass man schon von Anfang an weiss wer der Täter ist, lässt sich noch locker verschmerzen, denn das hat es schon vorher in unzähligen Romanen und Filmen gegeben, die den Plot dann gelungen von einer anderen Seite her aufgerollt haben. Doch hier konzentriert sich die Geschichte eher auf den Kommissar, dessen Anekdötchen, Zusammentreffen mit Punks und viel Bremer Lokalkolorit. Was nichts Schlechtes darstellt aber dem Kriminalfall an sich wird nur wenig Platz eingeräumt, während das Ende ziemlich abrupt wirkt und der Mord überhaupt gar nicht aufgeklärt wird. Ja, der Mörder spielt nach dem ersten Kapitel eigentlich keine Rolle mehr, weswegen von ordentlicher Ermittlungsarbeit nicht gesprochen werden kann. Einen Krimi im Stile eines Giallo darf man also nicht erwarten, da Kommissar Ernst sowieso keine konventionellen Methoden anwendet, um an sein Ziel zu kommen. Die Arbeitsweise Ernsts und seine (oftmals philosophischen) Unterhaltungen mit den unterschiedlichsten, skurrilen Charakteren sind nicht das Problem, im Gegenteil sie machen diese Romane zum größten Teil sogar aus, ein bisschen mehr Krimi hätte ich mir allerdings schon gewünscht. Bitte nicht falsch verstehen, das Buch ist toll geschrieben und Keßler Fans werden ihre wahre Freude daran haben, doch meiner Meinung nach verschießt Christian den Elfmeter für Ernst, zumindest was den Krimianteil des Romans betrifft. Dafür trifft Kommissar Ernst am Schluß dennoch ins (sehr persönliche) Ziel, obwohl er von der Aufklärung des Mordes meilenweit entfernt ist.

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Broschiert: 272 Seiten
Verlag: Schmitz, Martin (1. Oktober 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3927795690
ISBN-13: 978-3927795693

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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