Endstation Gänsehaut: Eine persönliche Reise durch das Horrorkino

 

Niemals zuvor hat sich das Genre des Horrorkinos einer solchen Beliebtheit erfreut wie heute! Eine wahre Sturzflut an neuen Veröffentlichungen macht dem Fan die Wahl schwer: Bekommt er einen Film zu sehen, den man auf gar keinen Fall verpassen darf, oder winkt eine solide Enttäuschung, ein ungeschlachter Schrat? Filmjournalist Christian Keßler befasst sich seit mehreren Jahrzehnten mit dem Reich der Geister, Vampire und all der anderen Schreckgestalten, die das Unterbewusste des Menschen zu ihrem Abenteuerspielplatz machen. In ENDSTATION GÄNSEHAUT taucht er tief in seine persönliche Geschichte ein und holt die Monster aus dem Sack. Dabei präsentiert er sowohl schillernde Helden wie auch rollige Quasimodos und vollzieht ihre Geschichte nach, von der Stummfilmzeit bis zum heutigen Tag. Das Ergebnis ist ein mit blutroter Tinte geschriebenes Lesebuch, das den Kindern den Nachtschlaf raubt und Erwachsene wieder zu Kindern werden lässt. Und wer nicht schlafen kann, muss lesen! (Martin Schmitz Verlag)

Christian Keßler gehört zu meinen Lieblingsautoren, denn ich schätze seinen einzigartigen Schreibstil sehr. Der zeichnet sich nämlich durch des Autors ausgefallenen Sinn für Humor, Subtilität und Zynismus aus. Mit diesen Zutaten würzt Keßler nach Wurmparade auf dem Zombiehof, Der Schmelzmann in der Leichenmühle sowie Das versteckte Kino auch sein aktuelles Buch Endstation Gänsehaut: Eine persönliche Reise durch das Horrorkino. Diesmal rekonstruiert der Autor die Entwicklung des Horrorfilms seit der Stummfilmzeit sowie seine damit verbundenen filmischen Erlebnisse und Erfahrungen. Keßler surft mit traumwandlerischer Sicherheit durch die verschiedenen Subgenres – klassisch gestimmte Geisterfilme, den Vampirfilm, Werwölfe, Mumien, Hexen, irre Wissenschaftler, irre Killer, Zombies, die ironisierten Slashervariationen nach Scream (1996) und der sogenannte torture porn, immerhin jenes Genresegment, das, was immer man von Filmen wie Hostel (2005) oder Alexandre Ajas The Hills Have Eyes (2006) halten mag, das Erbe der Filme der Siebziger angetreten hat. Eine für Keßler offensichtlich ambivalente Entwicklung, die er andeutungsweise als eine Verfallsgeschichte beschreibt.

Man muss mit dem Autor nicht immer einer Meinung sein, um sich über die großzügig auf jede Seite gestreuten prägnanten Formulierungen zu freuen. Christian Keßler schreibt frei von akademischem „Ballast“ und kann sich auf sein beeindruckendes Filmwissen verlassen, das es ihm erlaubt, zu jedem Film, wo nötig, ein halbes Dutzend Referenzpunkte anzuführen. Dass man sich beim Lesen in den zahllosen Verknüpfungen nicht verliert, ist erstaunlich, aber es funktioniert. So dokumentiert Endstation Gänsehaut nicht nur die formwandlerischen Fähigkeiten und die Konstanten des Horrorfilms, sondern auch eine ausdauernde Begeisterung für das Genrekino, die sich ohne Weiteres auf den Leser überträgt. Eine Wahrnehmung scheint sich für Keßler durch die gesamte Genregeschichte zu ziehen: die zentrale These des Horrors in Film und Literatur ist, dass die Welt ein unheimlicherer Ort ist, als allgemein angenommen wird, oder „daß die scheinbar Normalen die wahren Monster sein können.“ Das ist so banal wie nachvollziehbar und liefert eine erste Erklärung dafür, dass der Horrorfilm, nachdem er in nahezu jedem Jahrzehnt einmal für tot erklärt worden ist, nach wie vor und immer wieder ein Publikum findet, dem die schrecklichen Bilder im Wortsinn etwas bedeuten.

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Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
Verlag: Schmitz, Martin (1. September 2018)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3927795828
ISBN-13: 978-3927795822
Größe und/oder Gewicht: 17,4 x 3,5 x 24,6 cm

Dieses Buch wurde uns freundlicherweise vom Martin Schmitz Verlag zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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2 Antworten

  1. Frank Hillemann sagt:

    Danke für den Tipp. Ist bestellt

  2. Frank Hillemann sagt:

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