Flavia, la monaca musulmana / Nonnen bis auf’s Blut gequält

Nonnen bis aufs Blut gequält

Flavia the Heretic ist unbestreitbar ein kleines Kunstwerk und ein gutes Beispiel dafür, dass das Euro-Exploitation-Kino stark unterschätzt wird und nicht ignoriert werden sollte. Es ist ein intelligenter und komplexer Film, der wunderbar umgesetzt wurde und sich ziemlich genau an historische Fakten hält. Der Film ist sehr viel mehr, als der reißerische deutsche Titel Nonnen bis auf’s Blut gequält vermuten lässt. Da erwartet man eine Melange aus sinnlosem Sleaze und grundloser Gewalt, wird aber eines Bessern belehrt, weswegen auch prüde Filmkritiker den Streifen nicht als verachtenswerten Trash kategorisieren sollten. Flavia/Gastigata ist eine attraktive junge Frau des 14. Jahrhunderts, die von ihrem Vater dazu gezwungen wird als gehorsame Nonne in einem streng geführten Kloster zu leben. Sie weigert sich ihre Rolle als unterdrückte Frau zu akzeptieren und kann nicht verstehen warum sich ihre „Schwestern“ nicht ihres Schicksals erwehren und dieses taten- und wehrlos erdulden. Nach einem erfolglosen Fluchtversuch wird Flavia hart bestraft und fällt beim Konvent in Ungnade. Gefoltert und gedemütigt beginnt ihr Hass gegen die Unterdrücker, vor allem aber gegen ihren Vater, stetig zu wachsen. In der Folge freundet sie sich mehr und mehr mit einer weiteren rebellischen Nonne (Schwester Agatha) an, die der Dominanz der Männer übertrüssig ist und führt letztendlich eine Truppe von blutrünstigen Muslims in die Mauern des Klosters, um sich an ihren Schändern zu rächen und sich anschließend mit dem Anführer der Angreifer sexuell zu revolutionieren. Kann Flavia nun das ersehnte Leben in Freiheit, ohne religiöse und sexuelle Unterdrückung unter der Dominanz des männlichen Geschlechts genießen oder bleibt alles beim Alten, nur in anderer Form!?

Nonnen bis aufs Blut gequält

Gastigata – Die Gezüchtigte oder Die Nonne und der Freibeuter, so die deutschen Alternativtitel, ist ein geradezu hypnotisierender Film. Kaum zu glauben, dass Regisseur Gianfranco Mingozzi es zustande brachte diesen so realistisch und beunruhigend erscheinen zu lassen. Mir fällt kein Titel ein, der sich mit dem Thema Pionier Feminismus intensiver befasst, als Flavia. Einige Sequenzen sind ziemlich schockierend (am Rande des alptraumhaften), da die Kamera auf brutale Vergewaltigungen, Folter und Verstümmelung zoomt. Doch diese Szenen werden nicht selbstzweckhaft präsentiert, um Gewalt zu verherrlichen, sondern dienen der Aussage, die der Film versucht zu kommunizieren: Die Menschheit (die katholische Kirche im Besonderen) hat sich historisch als heuchlerische und diskriminierende Rasse erwiesen und es hat keinen Zweck mehr das auf irgendeine Art und Weise weiterhin zu leugnen. Filme wie Flavia, die Ketzerin haben glücklicherweise genügend Mut, um die Lebensweise und gesellschaftlichen Konventionen unserer geschätzten Vorfahren öffentlich anzuprangern und in Frage zu stellen. Nonnen bis auf’s Blut gequält ist aufgrund seiner Substanz ein herausragender und fundamentaler Beitrag zum Ex-/Nunsploitation-Genre, der auch durch seine wundersamen Kameraeinstellungen, seine tolle Ausstattung und atemberaubend melancholische Musik von Nicola Piovani eine einzigartige Atmosphäre verliehen bekommt. Florinda Bolkan ist als ehrgeizige und eigensinnige Nonne überzeugend, doch es ist María Casares, die ihr hier als männerhassende und großmäulige „Schwester“, welche auch schon mal im Stehen ins offene Feld uriniert (!), die Schau stiehlt. Claudio Cassinelli spielt in einer Nebenrolle einen Juden und Freund von Castigata, der (wie später im echten Leben) seinen Kopf verliert. Amen, „Schwester“!

Nonnen bis aufs Blut gequält

Dieser Film ist der Klassiker unter den Nonnenfilmen schlechthin. Schon fast künstlerisch vermag Regisseur Gianfranco Mingozzi eine Flut von Bildern einzufangen, die den Zuschauer an vielen Stellen überfordern vermag, da das Gezeigte einfach zu explizit und unerwartet ist. Verstärkt wird der Eindruck noch durch den wahren historischen Hintergrund. Diese in HD restauriert Fassung stellt somit ein für alle Zeiten verewigtes, filmhistorisches Relikt dar. Dieses schockierende Filmwerk führt in das lasterhafte frühe Mittelalter, wo Glaube ein Geschäft der Kirche war und den naiv gläubigen Bürgern für teures Geld Sünden nachgelassen wurde, während in Klöstern heimlich schauerliche Orgien der Lust und des Entsetzens gefeiert wurden. Im Jahre 1300 erlebt die dreizehnjährige Castigata erstmalig die Schrecken der Gewalt. Sie muss gegen ihren Willen in ein Kloster eintreten und erlebt ein unmenschliches Martyrium voller Orgien, Vergewaltigung, Mord und schrecklicher Folterungen bis aufs Blut! Selten zuvor hat ein Film die sadistische Willkür korrupter Obrigkeiten gegen Abhängige so eindeutig und kompromisslos gezeigt. Der Zuschauer wird eine für ihn unfassbare Ära der Gewalt und Grausamkeit kennen lernen! (X-Rated)

Nonnen bis aufs Blut gequält

X-Rated hat dem Film mit der Nummer eins ihrer Eurocult Collection eine angemessene Veröffentlichung spendiert. Auf technischem Gebiet gibt es keine Beschwerden und die Extras (wie unten aufgeführt) sind auch wieder sehr umfangreich und interessant ausgefallen. Neben dem schön gestalteten Mediabook, ist der Film zusätzlich in einer großen und kleinen Hartbox (siehe Fotos) erschienen.

Nonnen bis aufs Blut gequält

Nonnen bis aufs Blut gequält

Italien / Frankreich 1974
Länge: 102 Minuten (Blu-ray) / 97 Minuten (DVD)
Format: 1080p 24fps 1.78:1 (Blu-ray) / anamorph 16:9 (DVD)
Sprache: Deutsch, Englisch

Ausstattung:
– 16seitiges Booklett mit umfangreichem Text und seltenem Bilderfundus.
– Text von Martin Beine (“Tenebrarum”): Der Stich der Tarantel – Feminismus und Misogynie
– Bonustext „Das Nunploitation-Genre und Flavia“ von Gerd Naumann
– Kultverdächtiger deutscher Originalkinotrailer „Nonnen bis aufs Blut gequält“
– Neuer HD Transfer in exzellenter Qualität
– Deutsche Kinosynchronisation und englischer Originalton
– Umfangreiche Bildergalerie mit Werbematerial
– Filmanfang ohne Credits
– Deutscher Originalanfang
– komplette Traumsequenz ohne Rotfilter
– Alter DVD Trailer
– Italienisches Ende

Nonnen bis aufs Blut gequält

Nonnen bis aufs Blut gequält

Nonnen bis aufs Blut gequält

Nonnen bis aufs Blut gequält

Dieses Mediabook sowie ein Teil des Bildmaterials wurde uns freundlicherweise von X-Rated zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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1 Antwort

  1. 23. Februar 2015

    […] – Dann doch lieber den zwar extrem exploitiv betitelten, aber durchaus ernsthaften, intelligenten und elegant gefilmten „Nonnen bis aufs Blut gequält“ von Gianfranco Mingozzi, den Bluntwolf auf Nischenkino bespricht. […]