Francesca

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Inspector Bruno Moretti (Luis Emilio Rodriguez) und Detective Benito Succo (Gustavo Dalessanro) jagen einen psychopathischen Serienmörder, der obskure Ritualmorde verübt und die Bewohner einer ganzen Stadt in Angst und Schrecken versetzt. Der Täter scheint ihnen bei ihren Ermittlungen jedoch immer einen Schritt voraus zu sein. Erst als die beiden Polizeibeamten erkennen, dass sie die schockierende Verbrechensserie nur beenden können, wenn sie herausfinden, was mit der kleinen Francesca geschehen ist, die im Mädchenalter verschwand, kommen sie dem Serienkiller näher. Die neuen Morde scheinen alle im Zusammenhang mit dem 15 Jahre zurückliegenden Entführungsfall zu stehen. Ist es möglich, dass Francesca zurückgekehrt ist? Und können die Cops sie aufspüren, bevor es zu spät ist? (Mad Dimension)

Francesca

Man bekommt nicht jeden Tag einen zeitgenössischen Film aus Argentinien zu sehen, der aussieht und sich anfühlt wie ein im Italien der 1970er Jahre hergestellter Terza Visione Streifen. Mit Francesca ist genau das der Fall. Die Idee eines argentinischen Films den italienischen Look der 70er wieder aufleben zu lassen ist allerdings nicht mehr ganz neu, denn die Onetti Brüder Luciano und Nicolas brachten bereits 2013 mit Sonno Profondo einen gialloaesken Film zustande. Während ich den früheren Film noch nicht gesehen habe, spiegelt Francesca in Bezug auf Plot und Inszenierung bzw. Bildgestaltung so ziemlich genau das wider, was einen klassischen Giallo ausmacht. Eines wird dabei sofort klar. Ob man mit der Erzählweise und filmischen Komposition klar kommt, hängt schon stark davon ab inwieweit man ein Liebhaber dieses filone des italienischen Kinos der damaligen Zeit ist, oder nicht. Giallo Fans sollten an Francesca jedenfalls ihre Freude haben können.

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Die Handlung ist recht simpel gehalten. Man glaubt es kaum, ein Mörder treibt sein Unwesen und, noch unglaublicher, dieser trägt einen Ledermantel, Handschuhe und einen Filzhut, der bequem sein Gesicht zu verschleiern weiß. Es handelt sich praktisch um einen klassischen Giallo-Killer, der hier jedoch eindeutig eine Frau ist, die rotem Leder schwarzes vorzieht (ungeachtet den Killer-Heels) und sich offensichtlich auf einer Art persönlichem Rachefeldzug befindet. In der Tradition der großen Bildschirm-Mörder wird ein zwar variierendes aber wiederkehrendes Thema zu den Morden (die allesamt nicht übermäßig, jedoch angemessen blutig geraten sind) eingespielt, das auf merkwürdige Art und Weise an die altehrwürdige Gutenachtgeschichte Dantes Inferno erinnert. Jedes der Opfer ist irgendwie miteinander verbunden, was die Polizei auf die Spur eines 15 Jahre alten ungeklärten Falles bringt; das Verschwinden eines kleinen Mädchens namens Francesca, Tochter eines bekannten Literaturhistorikers. Bedeuten die grausamen Morde, dass Francesca wieder aufgetaucht ist? Kann die Polizei sie finden, bevor es zu spät ist? Wieviel J&B wird währenddessen getrunken werden?

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Richtig, an Handlung hat Francesca nicht viel zu bieten, noch gibt es etwas in Bezug auf Charakter-Entwicklung zu erwarten. Bedenkt man aber, wie eng sich die Onettis an die Konventionen des Giallo haften, gibt es absolut keinen Grund zur Beschwerde. Ihr zentrales Anliegen ist es die Zeit und Atmosphäre im Detail widerzuspiegeln und in dieser Hinsicht ist es nahezu unmöglich ihre Arbeit zu bemängeln. Seit Grindhouse haben unzählige Filme versucht die „verlorene Atmosphäre der Streifen aus den 1970er Jahren“ wiederzubeleben; ein paar (wie z.B. Dear God No!, 2011) kamen dem schon ziemlich nahe aber der Großteil ertrank an seiner eigenen Pastiche. Es ist wirklich sehr bemerkenswert, wie sehr die Onettis das Giallo-Gefühl rüberbringen: die Musik, Kamera, Set-Dekoration, Kostüm, Spezialeffekte und schauspielerische Leistungen fühlen sich allesamt an, als ob sie direkt aus der damaligen Zeit entsprungen wären, man hat zu fast keiner Zeit den Eindruck der Film wäre im Jahr 2015 entstanden. Die Onetti Brüder deckten dabei einen Großteil der wichtigsten Aufgaben selbst ab und liefern mit Francesca definitiv einen Beweis dafür, welche Großartigkeit von einer kleinen unabhängigen Filmproduktion erreicht werden kann.

Francesca

Auf rein technischer Ebene ist Francesca unbestreitbar ein Triumph. Zu der Frage, ob es noch mehr zu schätzen gibt als das, hängt dann wieder davon ab, wie sehr man auf Gialli steht. Wie es sich für einen Vertreter dieses filone ziemt, ist der Film seltsam strukturiert, mit unentgeltlicher Kunst angereichert, lässt übermäßig sexualisierte Bilder aufblühen, präsentiert Drehungen und Wendungen, die wenig Sinn machen, Charakterisierung der Protagonisten ist fast nicht existent und – trotz aller Geschäftigkeit – gibt es auch längere Passagen in denen sehr wenig zu passieren scheint. Hat man für so etwas normalerweise wenig Geduld, wird man für Francesca auch kaum welche aufbringen können. Vergleicht man die Arbeit der Onetti Brüder mit der von Bruno Forzani und Helene Cattet, dem Regie-Duo hinter den deutlich künstlerischeren und mehr entfremdenden Amer und Der Tod weint rote Tränen, ist schnell festzustellen, dass Francesca ein erheblich zugänglicherer Film ist. Francesca beeindruckt in erster Linie auf technischem sowie ästhetischem Gebiet, hat allerdings auch ein angenehmes Angebot an filmischer Seltsamkeit aufzuweisen, das sich sicherlich ziemlich schmackhaft für solche erweisen sollte, die den Giallo mögen oder lieben und vielleicht sogar auch für diejenigen, die noch nicht so ganz mit dem filone vertraut sind. Jedenfalls gibt es herrlich viele Querverweise zu beliebten Gialli zu bestaunen. So oder so, Francesca ist definitiv einen Blick wert, sollte man also die Gelegenheit haben den Film zu sehen, wird empfohlen sich zurückzulehnen, sich einen J&B einzuschenken (bitte sicherstellen, dass das Etikett der Flasche auch in Richtung der Kamera zeigt!) und ihm eine Chance zu geben.

Mad Dimension bringt den Luciano Onetti Streifen in einer limitierten Mediabook-Edition als DVD/BluRay-Combo sowie auf DVD und BluRay einzeln auf den Markt. Das Bild präsentiert sich im Format 16:9 – 2.35:1 und sieht einfach klasse 70er Jahre mäßig aus. Beim Ton kann man zwischen einer italienischen und deutschen Spur (beide Dolby Digital 5.1; DTS-HD 5.1) wählen sowie deutsche oder englische Untertitel zuschalten. Als Bonus stehen ein ca. 20minütiges, enorm interessantes Interview mit Regisseur Luciano Onetti und Produzent Nicolas Onetti, ein Blick hinter die Kulissen, eine gekürzte und eine versteckte Szene sowie der Kinotrailer und weitere Trailer zu Mad Dimension Veröffentlichungen zur Verfügung. Fans müssen zuschlagen !!!

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Francesca BluRay DVD

  • Darsteller: Gustavo Dalessanro, Raul Gederlini, Evangelina Goitia
  • Regisseur(e): Luciano Onetti
  • Format: Limited Edition, Widescreen
  • Sprache: Italienisch (Dolby Digital 5.1), Italienisch (DTS-HD 5.1), Deutsch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (DTS-HD 5.1)
  • Untertitel: Deutsch
  • Bildseitenformat: 16:9 – 2.35:1
  • Anzahl Disks: 2
  • FSK: Freigegeben ab 18 Jahren
  • Spieldauer: 80 Minuten

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Diese BluRay sowie das Bildmaterial wurde uns freundlicherweise von Mad Dimension zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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