Freibeuter des Todes – The Island

The Island (Freibeuter des Todes) ist ein Survival-Thriller von 1980 mit Michael Caine (Get Carter) in der Hauptrolle. Der Reisser mit dem eingängigen Postermotif ist bei Koch Media auf BluRay erhältlich und fand letztens seinen Weg in meinen Einkaufskorb. Der folgende Text enthält leichte Spoiler, wer sich völlig unbescholten auf den Film einlassen will (empfohlen), überspringt das ganze und liest erst ab den Bemerkungen zur BluRay weiter.

Michael Caine spielt den Journalist Blair Maynard, der in die Bahamas aufbricht, um dem Verschwinden hunderter Bote in den letzten Jahren auf den Grund zu gehen. Gegen den Willen der Mutter nimmt er auch noch seinen Sohn mit, in der Annahme es handle sich vielleicht nur um einen kurzen Ausflug um die Vater-Sohn Bande zu stärken. Schon bei der Ankunft jedoch geht was schief: das Flugzeug explodiert auf der Landebahn, die beiden stecken erstmal fest, der Pilot geht in Haft. Die beiden vertreiben sich die Zeit mit Fischen und Erkunden, werden aber, wohl wie schon hunderte vor ihnen, auf dem Meer überfallen und auf eine Insel geschleppt, auf der ein scheinbar von der Außenwelt abgeschotteter Piratenkult ein Schreckensregime errichtet hat….

Freibeuter des Todes / The Island

Michael Ritchie (Prime Cut, The Candidate) inszeniert diesen späten Exploitation Film, dessen reisserischer Charakter schon beim Postermotif anfängt. Der Titel, der Schauspieler, dieses Poster, das muss man sehen! Und dann auch noch basierend auf Roman und Drehbuch von Peter Benchley. Kennst Du nicht, das ist der Autor von Jaws und The Deep. Mit billigen Thrills auf hoher See kennt der Mann sich aus, Unterhaltung also vorprogrammiert? The Island fängt dabei gehörig genial an, lässt den Zuschauer sehr lange im dunkeln was genau im Detail hier abgeht. Gekonnt platzierter kurzer Splatter verpasst dem Film schon früh seine Exploitation-Medaille. Fünf bis zehn Jahre früher, und vielleicht noch mit einer Laura Gemser oder einem Gabriele Tinti in der Hauptrolle, und der Film wäre auch von Fulci oder Franco gut durchgegangen. Aber mal nicht zu früh loben.

Freibeuter des Todes / The Island

Untermalt von einem mittelmäßigen Score von Altmeister und Legende Ennio Morricone, der einfach nicht gekonnt genug eingesetzt wird, startet das Abenteuer von Maynard, der vom Zeitungsjournalisten zum Überlebenskünstler sich wandelt so schnell kann man gar nicht gucken. Zwar legt er keine Rambo Qualitäten an den Tag, aber sein Einfallsreichtum ist schnell beneidenswert, auch seine Schwimmkenntnisse. Helfen tut ihm das nicht, er ist mit samt dem bald ordentlich von den Piraten integrierten Sohnemann gefangen, und der Haufen scheint im 17. Jahrhundert stecken geblieben zu sein, das merkt man (im Originalton) auch an der Sprache. Das simple Pidgin Englisch ist teilweise einen guten Lacher wert. Die mörderische Situation in der sich die beiden wieder finden, erinnert an Filme wie Flucht aus Absolom oder Waterworld. Mit teilweise scheuslicher Brutalität, teilweiser lachhafter Verschwörung, kombiniert der Film ein aussichtsloses Horrorszenario mit teils schlagartig effektiver Splatterkultur, teils billiger Exploitation-Erzählweise, und mittelmäßigem Produktionswert.

Freibeuter des Todes / The Island

Michael Caine scheint nicht mega inspiriert in dem Film, aber es ist auch kein schauspielerisches Parket, hier in den Bahamas ums Leben zu kämpfen. Regisseur Ritchie spielt von Anfang an seine Trash Karten aus, und das nicht gerade zimperlich. Das brutale Finale lässt mich ein klein wenig an der Altersfreigabe zweifeln. Hinzu kommt der schräge und gewagte Genre-Mix. Die kulturelle, ja anthropologisch Interessante (aus der Sicht eines Charakters), Begebenheit auf der Insel ist ein kleiner Mikrokosmos an Genre-Aspekten, von Gefangenschaft, über Politik, über Kolonialismus, Folter, Vater-Sohn Beziehung, Stockholm Syndrom, Survival, usw. Insgesamt ist The Island ein etwas überfrachteter Abenteuerfilm mit vielen Längen, aber auch prima Exploitation Momenten bei denen man am liebsten vor Freude klatschen möchte. Es ist ein B-Movie, das würde ich schon so sagen, aber es ist eben auch lobenswert ambitioniert, und vielleicht scheitert der Film auch ein wenig daran.

Freibeuter des Todes / The Island

Die BluRay bietet den Originalton und die Synchronfassung (nicht getestet) mit optionalen englischen Untertiteln. An Extras liegt nur der englische und deutsche Trailer bei, eine Bildergalerie und die halbstündige Super8 Fassung, ein Phänomen dass ich noch nie wirklich ganz verstanden habe. Das Bild sieht insgesamt nicht hervorragend aus, dafür ist es über weite Strecken zu blass, hin und wieder von kleinen Schäden gekennzeichnet und vor allem an den Rändern sehr unscharf. In erster Linie aber bietet es ausreichenden Detailgrad und gute Farben, auch Nahaufnahmen sind ziemlich gut. Es spiegelt ein wenig den low-budget Charakter des Films wieder. Der Ton hat ein ähnliches Problem, die Qualität (Originalton) getestet, ist nicht wirklich gut, das klingt teilweise dumpf, teilweise hohl, aber Dialoge sind immer gut verständlich. Die doch vielen Actionszenen leiden ein klein wenig unter der Unausgewogenheit bei Lautstärke und Dynamik, also auch hier eher so Mittelfeld. Insgesamt also eine gute BluRay, aber keine geniale.

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Freibeuter des Todes - The Island BluRay

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info und FuriousCinema.com

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