Friß oder stirb / Halleluja für 2 Galgenvögel / Verrückte Erbschaft / Vivi o preferibilmente morti / Sundance Cassidy and Butch the Kid

Die beiden ungleichen Brüder, der überschuldete Spieler und Draufgänger Monty und der Farmer Ted, mögen sich nicht besonders und sind sich bislang erfolgreich aus dem Weg gegangen, bis der Tod ihres reichen Onkels sie zusammenführt. Um in den Genuss der Erbschaft zu kommen, müssen die beiden jedoch eine Bedingung erfüllen: sechs Monate friedlich miteinander auskommen. (Explosive Media)

Friß oder stirb sollte eigentlich die Schauspielkarriere des italienischen Boxmeisters Nino Benvenuti lostreten, doch die Produktion war von Anfang an mit Problemen behaftet. Produzent Turo Vasile gestand, er habe nur die bloße Idee für einen Film gekauft, ohne viel auf den Inhalt zu achten, weil ihn der wundervolle Titel so fasziniert hatte. Giuliano Gemma wurde neben Benvenuti besetzt, was eine gute Idee zu sein schien, da Gemma auch Boxerfahrung aufzuweisen hatte. Tatsächlich stellte sich heraus, dass die beiden Männer während ihres Militärdienstes im Fitnessstudio aufeinandergetroffen waren, ohne sich zu kennen.

Am Set wurden die beiden bald zu Freunden (fürs Leben), doch Ninos Boxkünste stellten sich beinahe als ein größeres Problem heraus, als sein Mangel an Schauspieltalent. Gemma gab in einem Interview bekannt: „Professional boxers have punches that are so quick and close to the body that they’re almost invisible, so we had to instruct him to slow down a little and to throw his punches wider. We also asked him to act and react more theatrically, and of course to hit in the right, that is the wrong place, otherwise he would have knocked everybody out with the first punch!“

Gemma arbeitete hier wieder mit Regisseur Duccio Tessari zusammen, mit dem er 1965 die beiden Ringo-Filme gedreht hatte. Wie der erste Ringo-Film, Una Pistola per Ringo / Eine Pistole für Ringo, stellt dieser Film eine Mischung aus Action und Komödie dar, wobei der Schwerpunkt diesmal mehr auf der leichtherzigen Seite liegt. Eigentlich gestaltet sich die Angelegenheit so federleicht, sodass die härteren, ernsteren Szenen ziemlich fehl am Platz wirken. Die Geschichte entfaltet sich wie folgt: Zwei entfremdete Brüder, der eine ein modisch veranlagter Glücksspieler (Gemma), der andere ein im Westen lebender Farmer (Benvenuti), erben ein Vermögen von ihrem verstorbenen Onkel. Das Erbe bekommen sie allerdings nur unter einer Bedingung ausgezahlt. Sie müssen es schaffen für sechs Monate friedlich miteinander auszukommen (so, wie ihre Mutter es immer gewollt hatte).

Als Gemma bei seinem Bruder auftaucht, beleidigt er den örtlichen Tyrannen (Chris Huerta), der daraufhin aus Wut Benvenutis Haus niederbrennt. Die beiden Brüder sind nun dazu gezwungen alle möglichen dumme sowie krumme Dinger zu drehen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, wie zum Beispiel eine Bank auszurauben (doch der Bank kommt es gerade recht, um die Versicherungsgesellschaft zu prellen) oder die Tochter des korrupten Bankiers zu entführen (wobei der Bankier froh ist, sie für eine Weile los zu sein). Letztendlich stellt sich ihr „Erbe“ als etwas ganz anders heraus, als sie es sich erhofft hatten, bis dahin sind sie jedoch bereits unzertrennlich geworden. Ende gut, alles gut.

Die Eröffnungsszene, die in New York City um die Jahrhundertwende spielt (eine ziemlich einzigartige Kulisse für einen Italo-Western), ist nett anzuschauen und auch einige der Witze sind nicht als schlecht zu bezeichnen, doch das Drehbuch besteht hauptsächlich aus einer Reihe von Vignetten. Sydne Rome (die als Ersatz für Elke Sommer an Board kam) ist hübsch sowie sexy anzuschauen und hat eine schöne Badeszene mit den beiden Brüdern spendiert bekommen, die sich ihr dabei von verschiedenen Seiten nähern, doch insgesamt muss sie einige der dümmsten Dialogzeilen der Filmgeschichte aufsagen. Sowohl Chris Huerta als auch Antonio Casas scheinen sich recht gut zu amüsieren, wobei sie allerdings (wie der Vogel einer Kuckucksuhr) in den Film hinein sowie hinaus springen, um ungefähr alle zehn Minuten ihre Nummern aufzuführen.

Gemma hat ein paar inspirierte Momente zu bieten und zeigt einige neue Tricks, so wie das Schießen, während ihm die Hände auf dem Rücken gefesselt sind. In einigen Ländern wurde der Film mit Sundance Cassidy und Butch the Kid betitelt, offensichtlich um aus einem anderen Film Kapital zu schlagen. Friss oder stirb kommt nicht vollkommen unsympathisch rüber, scheint aber hauptsächlich auf ein Kinderpublikum abzuzielen, während einige der gewalttätigeren Szenen (Huertas Männer werfen glühende Holzkohle auf die nackten Brustpartien der Brüder) für kleinere Kinder etwas zu grausam rüberkommen dürften.

Explosive Media präsentiert Friß oder stirb erstmals als Blu-ray Version, die wirklich gut gelungen ist. Das Bild (16:9 – 1.33:1) sieht recht gut aus und gibt keinen Anlass zum Meckern. Beim Ton liegen mit der deutschen, italienischen und englischen gleich drei Spuren vor. Alle drei werden im DTS-HD MA 2.0 Format präsentiert und klingen recht gut. Wer auf Rainer Brandts Synchronisationen steht, sollte die deutsche Tonspur auswählen. Für Freunde des italienischen Originaltons sind deutsche und englische Untertitel anwählbar. Als Extras enthält die Scheibe einen US-Trailer des Films, eine Bildergalerie und die um ca. 15 Minuten gekürzte deutsche Kinofassung. Explosive Media ist somit wieder einmal eine wirklich gute Veröffentlichung eines recht leichtherzigen Italo-Western geglückt, um die kein Liebhaber von Komödienwestern herumkommen dürfte. Siehe auch Sebs Besprechung bei der SWDb.

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  • Seitenverhältnis: 16:9 – 1.66:1
  • Alterseinstufung: ‎Freigegeben ab 16 Jahren
  • Regisseur: Tessari, Duccio
  • Medienformat: Breitbild
  • Laufzeit: 1 Stunde und 43 Minuten
  • Darsteller: Gemma, Giuliano, Benvenuti, Nino, Huerta, Cris, Casas, Antonio, Pena, Julio
  • Untertitel: ‎Deutsch, Englisch
  • Studio: ‎Explosive Media

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Na, das sieht doch sehr verdächtig nach „Crocodile Dundee“ aus 😀

Diese Edition wurde uns freundlicherweise von Explosive Media zur Verfügung gestellt.

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Filmliebhaber aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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