Fünf Gräber bis Kairo (Five Graves to Cairo)

Five Graves to Cairo

Five Graves to Cairo ist ein schwarz-weiß Film von Billy Wilder (sein zweiter als eigene Regiearbeit) aus dem Jahr 1943. Der Film handelt von dem britischen Panzerkommandanten Bramble (Franchot Tone), der halb verdurstet im Hotel von Farid (Akim Tamiroff) Zuflucht sucht. Die Briten sind von dem Ort jedoch längst abgezogen angesichts des verschobenen Frontverlaufs durch die Erfolge von Rommels Truppen. Farid und das Zimmermächen Mouche (Anne Baxter) sind dort bis zum Eintreffen von Bramble also alleine, doch während der sich von seinem Sommenstich erholt, rattern die Deutschen an. Voran Leutnant Schwegler (Peter van Eyck) und nach Klärung der Zimmerbelegung Rommel (Erich von Stroheim) selbst. Fortan gibt sich Bramble als der gestorbene Buttler Paul Davos aus, der wie sich herausstellt ein Spion für die Deutschen war. Jetzt wird er zum Doppelagenten und soll herausfinden, worin das strategische Geheimnis hinter Rommels erfolgreichem Feldzug liegt…..

Five Graves to Cairo

Erst stutzte ich: Wilder, ein Kriegsfilm? Und ja, man erkennt seine Handschrift, das Stakkato and Dialogen (an denen er mitgewirkt hat, es stammt aus der Feder von Charles Brackett, dessen Name klingeln sollte im Kontext von Sunset Boulevard, Reise zum Mittelpunkt der Erde oder der 1953er Verfilmung von Titanic), den sogenannten Comic Relief (hier in Person von Tamiroff) und die minutiöse Inszenierung eines sehr ausgefallen Kammerspiels (in der Tat basierend auf einem Stück von Lajos Biró), bei dem sich sicherlich auch Quentin Tarantino für Inglourious Basterds einiges abgeguckt haben muss.

Five Graves to Cairo

Kontrovers an dem Film dürften auch seine politischen Aussagen sein, so prangert Mouche die Feigheit der Briten in Dünkirchen an – man merke sich der Film ist von 1943, das war damals also ein brandaktueller Film aus dem unmittelbaren Tagesgeschehen. Angesprochen werden auch Konzentrationslager, und letztlich – auf eine witzige Art und Weise – kommen die Italiener wirklich ganz schlecht weg bei dem Film. Der Film gibt dabei nie vor ein schwer verdauliches Drama zu sein, im Gegenteil, er hat eben auch seine leichtherzigen Momente. Aber es ist ein bitter ernstes Anliegen das Bramble verfolgt – immerhin bekommt er die Gelegenheit, etwas substantielles zum Ausgang des Kriegs in Nordafrika beizutragen, und er weiß was auf dem Spiel steht. Das erklärt auch warum er gegenüber Farid und Mouch zunächst auch eher ruppig ist, für ihn steht seine Mission als Soldat über dem persönlichen Wohlergehen der beiden.

Five Graves to Cairo

Wilder macht aus dieser Situation einen unglaublich spannenden, unterhaltsamen und kurzweiligen Film. Dieser sieht hervorragend aus, ist super gespielt (von Tone hatte ich vorher noch nie was gehört übrigens) und bietet jede Menge Kino für Augen und Ohren. Es ist nicht Casablanca, aber diese Art von Spionagefilm mittem im oder ums Kriegsgeschehen war ein populäres Genre. Man hat das ja mit Allied ein wenig zu beleben versucht, insgesamt kommt man nur schwer an so eine klasse Umsetzung wie die von Wilder heran. Das macht Appetit auf mehr. Hier bei Nischenkino könntet ihr natürlich noch zum Beispiel unsere Kritiken von Tobruk oder Triple Cross lesen.

Die BluRay bietet sehr solides Bild und auch guten Ton (Deutsch und Englisch, ebenso Untertitel). Extras gibt es außer Trailer und Bildern leider keine.

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Die Bluray wurde uns freundlicherweise von Koch Films zur Verfügung gestellt, in deren Vertrieb der Film erscheint. Screenshots sind von der US und von der UK BluRay.

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info und FuriousCinema.com

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