Gewalt und Leidenschaft (Gruppo di famiglia in un interno)

Gewalt und Leidenschaft

Gewalt und Leidenschaft ist ein Drama von Luchino Visconti aus dem Jahr 1974. Burt Lancaster spielt darin den alternden Professor, der eines Tages mit einer ungewöhnlichen Familie konfrontiert ist, die sich in seiner Dachgeschosswohung einmieten möchte. Die steht aber eigentlich nicht als Mietobjekt zur Verfügung und eigentlich möchte er dort auch seine Bibliothek hinversetzen, aber bis er es sich versieht sind sie eingezogen, ein Mietvertrag für ein Jahr steht und da haben die Probleme längst alle begonnen. Denn der Liebhaber der Mutter, Konrad (Helmut Berger) ist ein verzogener Exzentriker, die Tochter (Claudia Marsani) ein auch ganz schräger Vogel und Gräfin Marchesa Brumonti, die Mutter selbst (Silvana Mangano) undurchschaubar. Der andere Sohn scheint was ausgefressen zu haben. Jedenfalls haben der Professor, seine Haushälterin und sein Anwalt (Romolo Valli), plöztlich alle Hände voll zu tun mit den Umtrieben der neuen Mieter, von Renovierungsarbeiten bis hin zu Orgien….

Gewalt und Leidenschaft

Diese zweite Zusammenarbeit Viscontis mit Burt Lancaster hat es in sich, und ist ganz und gar anders als Der Leopard, das epische Historiendrama (das ich sehr schätze). Es ist ein hyperrealistischer (im akademischen Sinne) Film mit wenig Handlung und viel Konversation. Wie der englische Titel des Films, Conversation Piece, aussagt – in Anspielung auf soweit ich das verstehe ein bestimmtes Genre von Gemälden, ist der Film ein Portrait von Menschen in Konversation. Doch was mir vor allem an dem Film auffällt ist, dass es fast ausschließlich Fehlkommunikation oder Mangel an Kommunikation ist, der die Charaktere auszeichnet. Die ungebetenen Gäste hören dem Professor nicht zu, es ist ständig als ob er gegen eine Wand reden würde. Sie lassen sich nichts sagen, gehorchen nicht, ignorieren seine Antworten auf ihre Fragen, und so schaukelt sich der Konflikt binnen weniger Minuten hoch in eine absurde Situation.

Gewalt und Leidenschaft

Der super kleine Gastauftritt von Claudia Cardinale ist eigentlich, wenn es nicht Claudia wäre, nicht erwähnenswert, so kurz ist er. Dominiert wird der Film ganz klar außerdem nicht von Lancaster, der hier eine super souveräne und ruhige, besonnene und fokussierte Performance abgibt (immerhin, in der Phase seiner Karriere machte er ohnehin nur noch worauf er Bock hatte), sondern Helmut Berger. Der in wenigen Jahren eine steile Karriere hinlegende Österreicher spielt hier einen ziemlich dreisten, arroganten Schönling, und vielleicht fiel es ihm sehr leicht, wer weiß. Er liefert hier aber womöglich eine seiner besten Darbietungen ab wie ich finde, ein beissendes Portrait an Dekadenz und Rücksichtslosigkeit, diametral im Gegensatz zum Professor.

Gewalt und Leidenschaft

Lancaster in Italien, so würde ich ein Buch nennen wenn ich es über sein Schaffen in Italien drehen würde. Der Leopard von ’63, 1900 von ’76, Gewalt und Leidenschaft. Sowie die Serie über Giuseppe Verdie, für die er in der amerikanischen Ausstrahlung die Erzählstimme stellte oder die Verfilmung von Marco Polo aus den 80ern, in der er den Papst spielt. Er hat, anders als andere Landsmänner, bei seinen filmischen Ausflügen nach Italien nie daneben gegriffen, und ein gutes Händchen bewiesen in seiner Zusammenarbeit, vor allem eben mit Visconti sowie mit Bertolucci. Dieser Film ist seltsam, er ist auch irritierend wie ich finde, aber auch irgendwie faszinierend und durchaus sehenswert.

Gewalt und Leidenschaft

Die DVD (es gibt auch eine BluRay aber ich nahm hier was mir zur Verfügung stand) sieht OK aus für eine DVD, halt ein ziemlicher Pixelbrei, aber das Material, wenn es das auch für die BluRay ist, deutet hin auf ein sauberes Bild mit soliden Farben und wenigen Schäden. Wer die Wahl hat sollte natürlich zur BluRay greifen. Es gibt die deutsche und italienische Synchro so wie den englischen quasi-Originalton, da der Film auf Englisch gefilmt und entsprechend nachsynchronisiert ist, damit bekommt man zumindest die Originalstimmen von Berger und Lancaster auf diese Weise. Die Qualität der Spur ist auch total gut, die Dialogverständlichkeit ist exzellent, und das ist ja auch ein Film der fast nur aus Dialogen besteht. Optionale deutsche Untertitel sind auch dabei. In Sachen Extras gibt es den deutschen Trailer, den Originaltrailer (damit ist hier der italienische gemeint) sowie ein Interview mit Helmut Berger (23min) und eines mit dem Filmkritiker und Autor Sandro Bencivenni (9m), für das es optionale deutsche Untertitel gibt.

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Die DVD wurde uns von Donaufilm zur Verfügung gestellt

Sebastian

Gründer und Inhaber von Nischenkino. Gründer von Tarantino.info, Spaghetti-Western.net, GrindhouseDatabase.com, Robert-Rodriguez.info und FuriousCinema.com

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