Ghettobusters / I’m Gonna Git You Sucka

Sein Bruder ist an einer Überdosis Goldketten (!) zugrunde gegangen, nun schwört Jack Spade Rache am Unterweltkönig Mr. Big. Bedauerlicherweise holt sich Jack ein paar Kumpels zu Hilfe, die sich als übereifrig erweisen. Damit sorgen sie dafür, dass sich alle Beteiligten schon vor dem Showdown selbst außer Gefecht setzen. (Wicked Vision Distribution GmbH)

In irgendeinem Ghetto in den USA hat es wieder einmal einen Todesfall gegeben, denn ein weiterer junger „schwarzer“ Mann ist einem sogenannten O.G. (Over Gold) zum Opfer gefallen. Er trug einfach zu viel Gold (nicht nur um den Hals) und all das Metall (unendlich viele Ketten und Medaillons) brachten ihn letztendlich um. Nun, zumindest konnte von dem Wert des Schmucks seine Beerdigung bezahlt werden, doch als der Tag kommt, an dem der Pfarrer am Grab seinen Namen erwähnt, merken alle Anwesenden, dass sie sich auf der falschen Trauerfeier befinden, stehen sofort auf und verlassen den Friedhof, jedoch nicht ohne sämtliche Blumengestecke wieder mitzunehmen. Nur die Mutter des Toten, Ma Bell (Ja’net Dubois) sowie seine Frau Cheryl (Dawnn Lewis) verbleiben am Grab. Ma ist darüber nicht wirklich überrascht, denn wie sie sagt, war der Verstorbene nicht viel wert. Doch als sein Bruder Jack Spade (Keenen Ivory Wayans) von der Armee nach Hause kommt, wird es Ärger geben.

Heutzutage stellt Black Dynamite DIE Parodie für alle Blaxploitation-Flicks dar, doch in den späten achtziger und neunziger Jahren war unser One-Stop-Shop für garantiertes Lachen auf Kosten dieses Genres und seiner obskuren Konventionen auf jeden Fall I’m Gonna Git You Sucka von 1988. Der Film repräsentiert den bewussten Versuch des Drehbuchautors, Regisseurs und Stars Keenen Ivory Wayans, afroamerikanischen Humor im Mainstream unterzubringen. Er sollte danach mit seiner erfolgreichen TV-Comedy-Serie In Living Color (1990-2006) noch weiter gehen, während die Wayans-Brüder (die hier allesamt auftauchen, einige in kleinsten Rollen) ihren Angriff auf das von „Weißen“ dominierte Hollywood in den kommenden Jahren fortsetzen. Allerdings gibt es nur wenige Menschen, die sich daran noch erinnern können und schon damals der Meinung waren, man könne es nicht besser machen.

Es ist zwar wahr, dass sich viele der Witze hier recht albern, ja sogar abgeschmackt gestalten, aber die Tatsache, dass bis dahin niemand einen so ausdauernden Angriff auf die mutmaßliche Coolness der Blaxploitation durchgeführt hatte, machte es zu etwas, das es wert war, angesehen zu werden. In diesem Zusammenhang war es entscheidend, dass es in The Kentucky Fried Movie (1977) bereits Schritte in diese Richtung gegeben hatte, es aber Airplane! (Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug, 1980) war, der die Hauptinspiration für Wayans gewesen zu sein scheint, da der Film einen Witz nach dem anderen abfeuert, ohne das Publikum zu Atem kommen zu lassen. Wenn ein Gag das Publikum lediglich zum Ächzen bringt, gibt es dafür mit Sicherheit gleich zwei oder auch mehr, die urkomisch sind, wobei jeder Fan seine ganz eigenen Lieblingsszenen oder -zeilen haben wird. Um ehrlich zu sein, gibt es davon eine ganze Fülle zur Auswahl.

Was Ghettobusters so erfolgreich macht, ist, dass sich Wayans die Dienste „schwarzer“ Prominenter (die in diesen Filmen mitgespielt hatten) sichern konnte, um zu zeigen, dass sie Sinn für Humor in Bezug auf ihren eigenen Status haben (insbesondere Fred Williamson wurde gebeten dabei zu sein und ließ es sich nicht nehmen den Produzenten persönlich mitzuteilen, er sei, gelinde gesagt, nicht interessiert). So gibt sich Bernie Casey bewundernswert geradlinig, als Ma Bells alte Flamme und ehemals sachlicher Polizist, der das Ghetto aufräumen wollte. Auf Mas Bitten hin, dass sie ihn jetzt brauche, da ihre Familie in einer Krise steckt, antwortet er: „Yeah, I’ve been pretty horny myself lately!“. Außerdem tut sich Truck Turner Isaac Hayes mit Slaughter Jim Brown als Hammer sowie Slammer zusammen und gibt sein Restaurantgeschäft auf, um den Hauptschurken des Films, Mr. Big (John Vernon, der seine Anwesenheit auf amüsante Art und Weise entschuldigt), zu besiegen.

Es hilft schon irgendwie mit den Filmen vertraut zu sein, die hier parodiert werden, ist aber nicht unbedingt notwendig, da die Witze meistens leicht zu verstehen bzw. zu durchschauen sind (obwohl sich die Parodie von Abby, 1974, eventuell etwas obskurer gestaltet). Ghettobusters strebt das niedrige Budget vieler dieser Blaxploitation-Flicks an, wobei ein Stuntman für Spades Mutter einspringt, der nicht nur einen Schnurrbart trägt, sondern auch ein Perücke tragender „weißer“ Mann ist. Für „moderne“ Augen wurden in dem Streifen zudem lächerliche Aspekte wie die damalige Mode extrem lustig umgesetzt, wenn Antonio Fargas (Across 110th Street) als ehemaliger Zuhälter des Jahres in seinen alten, funkigen Klamotten aus dem Gefängnis kommt und auf der Straße aufs Übelste ausgelacht wird (er spielt sooo gut, sodass man sich wünscht, Wayans hätte mehr für ihn zu tun gehabt). Dann ist da noch Steve James als Jim Kelly-ähnlicher Kung Fu Joe, der schlussendlich das bekommt, was normalerweise (also in Wirklichkeit) jeder Kampfkunstheld bekommen hätte, wenn er sich mit einer Übermacht an Gegnern anlegt: Er wird niedergeschossen und „stirbt“ (!?) in einem Kugelhagel. Doch trotz aller Verspottung kann man sagen, dass jeder hier Mitwirkende eine echte Wertschätzung dem Genre gegenüber an den Tag legt. Obwohl sich I’m Gonna Git You Sucka obsessiv albern präsentiert, veredelt er dennoch jeden Blaxploitation-Streifen, den man sich als nächstes ansieht.

Wicked-Vision veröffentlicht Ghettobusters als Nummer 04 ihrer Black Cinema Collection in einer Scanavo BD-Box (Blu-Ray und DVD), die auf 1.500 Stück limitiert ist. Bild (1.85:1; 1080p) und Ton (Deutsch + Englisch Dolby Digital 2.0 / DTS-HD Master Audio 2.0) bewegen sich auf ziemlich hohem Niveau, da kann man sich absolut nicht beschweren. Deutsche oder englische Untertitel können auch zugeschaltet werden. Insgesamt handelt es sich bei Ghettobusters wieder einmal um eine äußerst gelungene Edition mit nettem und interessantem Bonusmaterial, die bei Liebhabern und Freunden von Blaxploitation-Filmen enorm gut ankommen sollte.

Bonusmaterial:

• 32-seitiges Booklet von Christoph N. Kellerbach (wie immer, sehr informativ und unterhaltsam geschrieben)
• Audiokommentar mit Dr. Gerd Naumann und Christopher Klaese (wie auch schon bei den vorherigen VÖs der BCC bereitet es wahre Freude den beiden Kommentatoren bei ihren Ausführungen zu folgen)
• Featurette: „The Blaxploitation Legacy“ mit PD Dr. Andreas Rauscher (enorm informativ)
• Making-of
• Interviews
• Originaltrailer
• Bildergalerie

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  • Seitenverhältnis : 16:9 – 1.85:1, 16:9 – 1.77:1
  • Alterseinstufung : Freigegeben ab 12 Jahren
  • Regisseur : Wayans, Keenen Ivory
  • Laufzeit : 1 Stunde und 28 Minuten
  • Darsteller : Wayans, Keenen Ivory, Wayans, Marlon, Brown, Jim, Hayes, Isaac, Fargas, Antonio
  • Untertitel: : Deutsch, Englisch
  • Studio : Wicked Vision Distribution GmbH

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Das Bildmaterial stammt nicht von dieser Edition !!!

Bluntwolf

Bluntwolf ist ein Cineast aus der goldenen Mitte Deutschlands. Sein Spezialgebiet ist das italienische Kino der 60er bis 80er Jahre, insbesondere Italowestern, Giallo und Polizio. Er ist der Chefredakteur von Nischenkino und gehört dem Redaktionsteam der Spaghetti-Western Database an.

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